Honshu und Kyushu

Honshu und Kyushu

November 10, 2018 0 Von pio

20.10. – 10.11.2018

Abends in „Maizuru“ (Insel Honshu) angekommen, hieß mich das mediterrane Klima willkommen. Gemeinsam mit „Kangjaeng“ aus Südkorea, den ich auf der Fähre kennengelernt hatte (er radelte durch ganz Japan in Rekordzeit von Süd nach Nord), radelten wir aus dem Magen der Fähre zum „7-11 Convenience Store“. Wohin denn sonst?! 😊 Dort konnte ich mittels „Wifi“ und Satellitenbildern einen guten Campspot entdecken.
Die 900 Meter waren flott zurückgelegt, genauso flott die Zelte aufgebaut. Wir zelebrierten die Flucht vor der Kälte Hokkaidos und das Ankommen im Warmen mit japanischen Bier und allerlei Gutem zu Essen. Lautstark untermalten Insekten diese Abendstunden. Da wurde mir klar, wie leise es doch auf Hokkaido war.
Früh morgens beim Frühstücken, hatte ich gemerkt, dass „Kangjaeng“ kein Frühstück mithatte. Bzw. gar nichts zu Essen. Auf die Frage wie er sich ernähre, antwortete er: „7-11“! 😊 HA HA, ja eh klar!
Währendessen bereitete ich mein Powerfrühstück zu: Trockenobst, Nüsse, Zimt, Reis plus zwei japanische „Reismehl-Quaderform-Knödelchen“ (Diese werden separat im Kochwasser zubereitet). Anschließend werden sie mit Bohnenpulver und Rohrohrzucker (aus Taiwan. Hatte ich von Kaisumi aus Hokkaido bekommen- sie ist nämlich aus Taiwan und bringt sich jedes Jahr eine Jahresportion mit) bestreut bzw. ummantelt. Leute! SEHR lecker! Ach, dieses Holzschüsselchen ist dann Pflicht. Ich teilte mein Kraftmahl und den „best-ever-grüner-tee-mit-matcha-und-geröstetem-reis“ mit ihm.

Gemeinsam issts sichs feiner. Er war verblüfft und begeistert zugleich! Kurz darauf gingen wir getrennte Wege. Auf mich warteten 140 Km und 2100 Hm, die ich mir auf zwei Tage aufteilen konnte. Mein Plan war nämlich nach „Kobe“ zu radeln, um dort eine weitere Fähre zu nehmen, die mich auf DIE Insel Kyushu bringen würde. Diese zwei Tage werde ich nie vergessen!Voller Euphorie über die Wärme, das viele Leben, Früchte an den Bäumen, Blumen auf den Feldern, Insekten, Schlangen, Spinnen, Flüsse und mal wieder diese besonderen ruhigen Wälder, die ich bereits letztes Jahr liebgewonnen hatte. Zugleich konnte ich in diesen zwei Tagen besonders viel menschliche Wärme spüren. Sonst ist das ja in Japan eher kalt. Zwar sehr sehr freundlich, respektvoll und höflich. Man kann sich aber auch manchmal isoliert fühlen. Die Harmonie Bewahrung, der Scham, die Enttäuschung vom nicht helfen können aufgrund der Sprachbarriere oder was auch immer.


Jedenfalls, als ich einen Mann sah, wie er seine hunderten Jahre alten Bäumchen zuschnitt, fragte ich ihn, ob ich ein Foto machen dürfte. In einem guten Englisch antwortete er: „Ja. Gerne.“ Seine Frau hörte unseren Smalltalk und verschwand in das Haus. Zurück kam sie mit einem Säckchen gefüllt mit Obst, Süßigkeiten und Getränken. Naja, eigentlich rannte sie hierfür zweimal ins Haus! Ich war hin und weg! Japan zeigte sich in nur kurzer Zeit von einer anderen Seite. Dies sollte sich dann die nächsten drei Wochen öfters bestätigen!


Wir unterhielten uns noch kurz weiter. So sind die Bäumchen von seinem Großvater gepflanzt worden. Jedes Jahr schneidet er sie mehrmals mit einer Schere zu. Pro Baum dauert das so ca. 1,5 Tage. Wobei es nicht „dauert“ wie „wann ist die Arbeit endlich vorbei“, sondern er nimmt sich diese Zeit dafür. Wie manche Menschen sich Zeit nehmen zu entspannen oder Yoga-dings zu praktizieren oder die voll bekloppten: Fahrrad zu fahren. 😊


Als ich weiterfahren wollte, fragte ich dann aber doch noch, ob ich paar „Khaki“-Früchte vom Baum haben dürfte. Dem Anblick auf die tausenden Orange-farbigen süßen Bällchen am Baum, konnte
ich nicht widerstehen. Der Herr und seine Frau freuten sich regelrecht, welche für mich Pflücken zu dürfen.


Tja so rollte ich vollbeladen weiter. Kam an Blumen-übersäten Feldern vorbei. Traditionellen Häusern, einem Lebenskampf: Frosch vs. Schlange sowie einem Fest, dessen Hintergrund ich nicht verstanden hatte. Aber was ich wohl verstanden hatte, war die Geste eines Herren, der kleine Pfannküchlein gefüllt mit entweder Vanillesoße oder Bohnencreme verkaufte.


Als ich dem Fest zusah, genoss ich eine Mandarine. Da kam der Herr zu mir und fragte mich etwas in seiner Sprache. Ich überreichte ihm kommentarlos die Hälfte meiner Mandarine und antworte einfach nur, dass ich aus Deutschland (ausgesprochen: “deutze“) komme.
Ich hatte wohl die Antwort auf seine gestellte Frage getroffen, denn er erwiderte: „Ooooooh deutzeee, hai.“ Ich fügte dem mit Händen zu, dass ich in Hokkaido unterwegs war, mit der Fähre nach „Maizuru“ gefahren bin und jetzt Richtung „Kobe“ unterwegs war, um dort die Fähre auf die Insel „Kyushu“ zu nehmen. Er: „Oooooh.“


Er blieb noch kurz stehen und schaute sich Shui an. Dann ging er zurück zu seinem temporären Verkaufsladen. Ich genoss derweil Tee aus der Flasche, dass ich von dem Pärchen am Morgen erhalten hatte. Er kam wieder zurück mit einem Papiersäckchen voll mit seinen Pfannküchlein und überreichte sie mir kommentarlos. Zeigte nur, dass ich die Energie brauchen würde. Ich stand da wie angefesselt. Tief berührt und zur Gänze in Japan angekommen fühlte ich mich.


Es ist nicht das „etwas geschenkt bekommen“ oder „nichts bezahlen müssen“. Es ist die Geste, die zeigt, dass man sich mag, willkommen ist, sich unterstützt, vertraut, füreinander sozusagen da ist. Alles in allem: dass man verbunden ist.


Ich pedalierte mit einem bewegten Herz weiter. Aber kurz darauf konnte ich nicht anders, ich musste mein Erlebnis weitergeben und blieb stehen. Ich teilte es mit meinen lieben Mitmenschen auf diesem Planeten, die ich an meinen Reisen immer wieder teilhaben lasse. Auch wenn es noch nicht versendet werden konnte, (da kein Internet. Erst beim nächsten 7-11 😊), spürte ich wie die „Energie“ ihren Weg nahm.


Am Nachmittag erreichte ich ein kleines Städtchen. Beim „7-11“ verschickte ich meine Nachrichten und genoss einen Kaffee. Anschließend suchte ich mir einen hübschen Platz direkt am Ufer eines ruhigen Flusses am Stadtrand. Samt Lagerfeuer, Wein, Flussmusik und leckerem Essen. Auch weihte ich meinen klappbaren Mini-Stuhl ein, den ich mir noch schnell auf Hokkaido zugelegt hatte. Ohjeee, ich werde alt und somit komfortabel. Zwiespältiges Thema, denn ich mag besonders etwas zu genießen. Und komfortables Sitzen zum „Schauen“ ist da plötzlich ein wichtiger Punkt. Also: Stuhl, willkommen! 😊


Irgendwann war das Treibholz fürs Feuer alle und meeeehr wollte ich nicht suchen, also ab ins Betti.
Ich sehe gerade, vier Seiten nur für einen Tag! Wer wird denn nur jemals meine Berichte lesen? Hat wer eigentlich noch die „Zeit“ dazu?
Am nächsten Morgen, ich vermute es war „Halloween“, denn sämtliche Büsche, Bäume, Statuen, Schilder, etc. waren mit Spinnweben be-schmückt.
Echt krass, wie viele das auf einmal waren. Ganz gut zu erkennen waren sie durch den Morgentau.


Einem einsamen Bergsträßlein folgte ich. Völlig allein, denn eigentlich war die Strecke für jeglichen Verkehr gesperrt. Aber wie es so im Leben ist, genau das reizt dann. Zumindest mich. Somit umfuhr ich die Absperrung und folgte dem Lauf der Straße. Schon bald, im dichten Wald, wurde es schmäler und schmäler. Stellenweise fehlten paar Teile. Was dort vom Asphalt übriggeblieben war, reichte gerade aus, um durchzukommen. Hunderte Höhenmeter ging es in Serpentinen hinauf. A Traum! Rehe, Füchse, Eichhörnchen, usw. mit bloßen Augen zu sehen und das sogar aus naher Distanz.


Auf der anderen Seite ging es wieder bergab durch Teeplantagen und vorerst traditionelle Dörfchen. Später kam ich in eine langgezogene Stadt, durch die ich aber entlang eines Dammes fahren konnte. Sich sonnende Schildkröten winkten mir zu und wünschten mir viel Spaß beim nächsten und letzten Anstieg bevor ich die Fähre erreichen würde.


Etwa 700 Höhenmeter galt es hinauf zu kurbeln. Wäre ja jetzt kein „Big Deal“ gewesen, nur kam es mir vor wie auf einem Alpenpass an einem Sonntag, wo hunderte Motoräder mit 100000 km/h an einem vorbeifliegen. Dieser Lärm verdrängte die Harmonie, so dass ich nur froh war, als ich oben angekommen war. Von dort, konnte ich mein Tagesziel bereits erkennen. Sogar die Fähre, die im Hafen parkte.


Ich muss zugeben, die Abfahrt auf besten japanischen Asphalt, war deeeer Hammer. Spitzengeschwindigkeiten von knapp 70 km/h wurden auf meinem Tacho registriert. Sprich, ich war sehr flott wieder unten.
Ohne Umweg lotste ich mich dank der super offline App „Maps.Me“, durch die Mega-Stadt zum Hafen. Dort erhielt ich nach Vorlage der Online-Buchungsbestätigung (ginge auch ohne, sprich einfach zum Hafen und Ticket kaufen), mein Ticket und eine witzige, komplizierte, kaum verständliche Einführung, in das Hafengelände. Schließlich war ich ja in Japan. Dort geht nichts an einem geregelten Ablauf vorbei. 😊


Auf der Fähre, die Richtung „Kitakyushu“ auf der Insel „Kyushu“ ging (12h und ca. 60 Euro mit Fahrrad), wurde Shui mit Schnüren gesichert und ich bezog währenddessen mein Mehrbettzimmer (auch diesmal der gesamte Raum für mich allein. Matratze, Kissen und Decke werden gestellt) und erkundete es ausgiebig. In der Hand: mein Handtuch für das japanische Bad an Board.


Auch diesmal, ein absoluter Genuss/Luxus in solch warmen Wasser zu baden mit Ausblick auf das Meer und temporär auf den Hafen. Ich blieb eine Weile 😊 eher ich ins Restaurant wechselte. Lecker frische Speisen zu normalen Preisen (1-15 Euro für echt gute Portionen).


Der Kapitän hielt eine Durchsage (verstanden hatte ich nichts, nur eine Vermutung), dass wir demnächst die riiießige „Akashi-Kaikyō-Brücke
passieren würden. So marschierten bald etliche Passagiere und ich auf das Deck zum Staunen über diese Architektur. Mit knapp 4 Km, ist sie die längste Hängebrücke der Welt! Was der Mensch nicht alles bauen kann?!
Nach der erholsamen 12h-Fahrt, spuckte die Fähre Shui und mich auf das Land der Insel „Kyushu“ aus. Noch wärmer als den Tag zuvor war es dort. Es war mittlerweile der 23.Oktober, doch schöön warm. Nach einem Kaffee beim „7-11“ radelte ich los. In Richtung Berge, außer man fährt hunderte Kilometer durch Siedlungen an der Küste.


Nach gut 30 km durch Siedlungen, erreichte ich dann endlich die ursprüngliche Natur. Diese zeigte sich dann auch von Beginn an von ihrer schönsten Seite: Bamboo-Wälder, Spinnen, Vögel und allerlei Insekten zu sehen und hören.


Ab hier sollte ich für die nächsten sieben Tage täglich
über 1000 Höhenmeter bei nur 50-80 Kilometern abspulen. Es ging ausschließlich kleinen Straßen mit sehr sehr wenig Verkehr entlang. Kurze Stopps bei einem Supermarkt zum Proviant auffüllen, waren so die einzigen Gründe in eine Stadt hineinzufahren. Ach ja… und einmal suchte ich eine Radwerkstatt auf. Mein hinteres Rad eierte immer stärker und seltsame Geräusche beim Treten und Rollen hörte ich heraus.
Der Mechaniker war so angetan von Shui und meiner Japan-Reise, dass er doch glatt die Zentrierung meines Laufrades als „Free-Service“, wie er es bezeichnete, laufen ließ.


Plötzlich war er wieder da, der ganz besondere warme Herzschlag! 😊
Während diesen Tagen entdeckte ich malerische Landschaften in allen möglichen Farbkombinationen, dichte Wälder gefüllt mit singenden Vögeln, lange bunte Würmer, radelte spiral-förmige Brücken, erklomm mit Shui den „Aso-San“ Vulkan (1600m hoch), fuhr entlang von dampfenden Flüssen und Wasserrohren, die vor Hitze und Druck fast platzten, machte Stopp in einem Dorf, wo es das reinste Wasser ganz Japans gibt, übernachtete stets in unglaublich schönem Szenario bis ich in die Nähe vom Vulkan „Sakura-Jima“ bei „Kagoshima“ kam.


Dort wusste ich nicht recht, wohin ich weiter möchte. Beziehungsweise, welche Richtung. Ob südlich auf die Insel „Yakushima“ mittels Fähre oder ohne Veränderung weiter mit Shui von einer Insel zur nächsten in Richtung „Fukuoka“ (Norden von Insel „Kyushu“), von wo ich meinen Abflug nach Nepal hatte.


Ich war tatsächlich hin und her gerissen. Halbe Sachen mag ich nämlich nicht. Ich glaubte drei volle Tage auf der „Yakushima“-Insel wären zu kurz gewesen und gleichzeitig wollte ich mich anschließend nicht beeilen müssen, um den Flug zu erwischen. Genau in solchen Momenten, wünsche ich mir eine Person um mich herum, um mir eine ganz andere Meinung einholen zu können.


Ich wartete und wartete auf ein „Zeichen“. Fuhr schon mal die Richtung, die ich sowieso fahren würde. An einer Raststätte kam das Zeichen! Zwei Radreisende aus Spanien! Euphorisch teilten sie mir mit, dass sie jetzt am Ende ihrer Radreise wären und zum Abschluss nur mehr zum Wandern auf die Insel „Yakushima“ schippern würden.


Trotz dem, überlegte ich noch ein wenig. Bis ich mich letztendlich daran machte, die Nachtfähre „Hibiscus“ zu erwischen, die gegen 18 Uhr vom südlichen Hafen „Kagoshima´s“ ablegte (13h und ca.75 Euro mit Fahrrad, hin und zurück!).
(Info: das ist der kleine südliche Hafen von Kagoshima, nicht der große im Norden. Auf der Fähre gibt es Decken und Kopfpolster, keine Dusche aber Waschbecken, Toiletten, Heißes Wasser, Fertigsuppen zu kaufen, Steckdosen, die Fähre bleibt für die Nacht am Hafen von „Nishinoomote“ auf der Insel „Tanega-Shima“, aussteigen ist nicht möglich. Ankunft gegen 7 Uhr am Hafen von „Miyanoura – Yakushima“).


So also begann mein neues Abenteuer! Gigantische Bäume, moosige Wälder mit bis 7000 Jahre alten Zedar-Baumstämmen!! Uuuuunglaublich schön! Wie oft ich das bei meiner Wanderung durch diese Wälder vor mich hingemurmelt hatte?! 😊
Ehrlich gesagt, das Besondere an der Insel ist auf keinen Fall in Worte zu fassen. Bäume schön und gut, aber diese Energie!


Am Tag 1, parkte ich mein Gepäck vor der Garage einer Dame, mit der ich nur per Handgestik ausgemacht hatte, dass ich mein Zeug später wieder abholen würde. Federleicht radelte ich 600 Hm und 10 Km zum AusgangspunktShiratani Unsuikyo“ der Wanderung. Ausgeschrieben mit 3-4 Stunden, brauchte ich 5! So doll nahm mich der GRÜNE Wald ein!
Bergab ging es superflott zum Gepäck, dass ich an Shui schnallte und zu einem hübschen Plätzchen radelte, an dem ich mein Zelt aufstellte. Direkt am türkisenen, warmen Meer. Somit: Meeresrauschen all night long. Ungelogen, es kam mir vor wie auf Hawaii. Der Duft des Meeres, die Geräusche der Insekten und des Wassers, oooh man!


Tag 2 fing pünktlich zum Sonnenaufgang an. Meine Nachbarn, die Rehe, weckten mich mit ihrem Gepiepse auf. Diese Stimmung war einfach nur WOW! Das Rauschen, die Farben, die warme Meeresluft und die Stimmen der Tiere.
Bald dann war ich auch bereit für den Tag und rollte los zum Affentheater schlecht hin. Tausende Affen leben frei/wild auf der Insel. Besonders aber im Westen der Insel. Dort, wohin ich meinen Weg nahm.


Ein netter Herr, beschenkte mich zuvor mit drei leckeren Früchten und meinte, ich könne die Energie gut gebrauchen. In der Tat, das Terrain entpuppte sich als recht wellig.
Ich schenkte aber mehr Aufmerksamkeit den Hirschen und Affen. Beide leben fast ohne Scheue. Ein Zoo, echt!
Ich konnte mich an den Affen und deren „Theater“ nicht sattsehen. Sich gegenseitig reinigend, fressend, fortpflanzend, spielend und die Natur beobachtend.


Nachmittags fand ich einen hübschen Platz zum Nächtigen. Oberhalb vom Meer und gleich neben den Bergen. Ideal! Meeresrauschen, Grillenzirpen plus Aussicht auf die Berge. Ich schlief ganz ohne Verdeck um die 38493232 Sterne zu sehen.
Am nächsten Tag, Nummer drei, hatte ich vor wieder Wandern zu gehen. Jedoch erstmal eine Anfahrt von paar wenigen Kilometern. Trotz der kurzen Distanz hatte ich eeewig gebraucht. Sämtliche farbigen Blümchen, Obstsorten und Palmen wuchsen in einer Harmonie, die ich einfach in mich aufnehmen musste.


Am Parkplatz der Infostelle/Museums des Parks, schnallte ich Shui fest, zog die festen Schuhe an, steckte bisschen Proviant ein und wartete auf den Bus, der mich anschließend 1000 Hm mit nach oben nach „Yakusugi Land“ nahm. Diese Wanderung, durch gigantische Bäume, schon fast Relikte, ist mit zwei Stunden ausgeschrieben. Ich brauchte locker die doppelte Zeit! Die Energie,
Düfte, Geräusche. Es galt, dort zu sein! Bergab, nahm mich ein japanisches Pärchen aus Tokyo mit und mit Shui fuhr ich weiter der Küste entlang zum „Kusugawa Onsen“. Die Beine dankten mir für die Wohlfühl-Oase. Wärme und Ruhe ist eben DIE Erholung/Regeneration für die Muskulatur.
Bei der Touristeninfo in „Miyanoura“ nutzte ich das kostenlose Internet, um mir einen hübschen und ruhigen Schlafplatz zu suchen. Einen, der nicht weit weg vom Hafen war, denn früh morgens um 8 Uhr legte die Fähre Richtung Insel „Kyushu“ („Kagoshima“) ab, die ich bereits vor drei Tagen gebucht hatte.


Platz gefunden! Auch die dritte Nacht mit Meeresrauschen und Grillen-Musik-Zauber. An diesem Abend verliebte mich ein weiteres Mal in das Leben. Die Gesamtstimmung, die wunderbare Zeit auf dieser Insel, einfach Alles tat mir richtig richtig gut.
Mit der gleichen Fähre ging es den gleichen Weg zurück. Ja und nach 6 Stunden war ich auf einmal wieder auf der „Kyushu“-Insel in „Kagoshima“. Es warteten über 20 Kilometer purer Stadtverkehr auf mich, damit ich an die Stadtgrenze komme. Mit gutem Speed war ich flott durch, aber auch sehr müde aufgrund der andauernden Konzentration.
Hinter einem „Baseball-Feld“ am Stadtrand campierte ich inmitten von Spinnnetzen und Bamboo-pflanzen. Sprich: so wie es mag. 😊


Ab dort folgende ich bis zum Schluss meiner diesjährigen Japan Radreise, kleinen Straßen mit wenig Verkehr. Viele Kilometer nur am Meer entlang! Besonders reizvoll fürs Auge!
Nachdem alles morgens wieder verpackt war, radelte ich an den Stadtrand von „Akune“ und schließlich weiter auf die kleine Insel „Nagashima“. Unterwegs machte ich für mein Mittagessen halt bei einem Supermarkt. Da rollte ein Auto in meine Nähe und ein junges Kind streckte mir durch das offene Fenster eine Wasserflasche heraus. Die lächelnde Mama spricht zu mir auf Japanisch. Ich bedanke mich bei der kleinen und bei der Mama für das Wasser. Tief berührt mal wieder, steh ich da… Die Japaner!
Wie schon oben erwähnt, fuhr ich meine letzten Tage ausschließlich auf sehr hübschen Straßen. Immer wieder hatte ich wuuuunderschöne Blicke auf das Meer.
Auch campieren direkt am Wasser oder zumindest mit Ausblick auf das
Meer, Buchten oder in die Ferne! Also echt, Japan, ein Natur-Wahnsinn! 😊
Mittels Fähre schipperte ich auf die „Shimoshima“-Insel samt „Unzen-Amakusa“-National Park. Weiter der Küste entlang bis zur nächsten Fähre, die mich von „Kuchinotsu“ nach „Oniike“ brachte. Somit war ich plötzlich in der Präfektur „Nagasaki“. Die Stadt „Obama“ zeigte sich von einer heißen Seite!


Etliche heiße Quellen entspringen hier. Es wirkte, als würde die Stadt ganzjährig heizen (mit dem heißen Wasser). Dampf stieg nämlich aus sämtlichen Kaminen, Kanaldeckeln und Rohren auf. Es roch auch ein wenig nach Schwefel.
Nebenan konnte man sich sogar gegen geringe Gebühr, in angefertigten Vorrichtungen, sein mitgebrachtes Essen Dampf-garen lassen. Und anschließend beim kostenlosen warmen Fußbad, das Mahl genießen. Mir schien, als nütze man dies gerne, denn alle Plätze waren belegt.
Wieder unterwegs füllte ich alle meine Wasserflaschen bei einem „7-11“ auf. Es war bereits Nachmittag und ich war langsam auf der Suche nach einem Platz zum Übernachten. Wie auch sonst in Japan, musste ich nicht lange Ausschau halten. Oben auf der Klippe: eine leerstehende Bar! 😊 Perfekt! Auf der Veranda war ausreichend Platz, um mein Zelt aufzustellen.
Der Ausblick von dort auf die Welt: unbezahlbar! Erst recht der Sonnenuntergang!


Welch schöne Zeit ich dort hatte mit Musik, Farben, Aussicht, gutem Essen und Ruhe für die Nacht.
Ideal für den kommenden langen Tag, an dem ich vorbei an „Unzen“, einem schmalen Damm folgte. Hier steht die „See“ still. Viele Vögel aus dem Nordosten der Welt überwintern hier.
Danach wieder am Festland, bog ich rechts ab und fuhr entlang der See hinauf nach „Kashima“. Dort machte ich meine Mittagspause und plante den weiteren Weg. Wo ich mal so anhielt, um den Moment „aufzunehmen“, wurde ich von einem älteren Herrn mit Bonbons und einem Lächeln beschenkt. Ganz ohne Wörter, wie aus dem Nichts.


Abseits vom Verkehr, fuhr ich durch enge Sträßchen im Zick-Zack Richtung Norden. Ich finde, so erkundet man das japanische Stadtleben am besten. Sich sozusagen „verlieren“ aber doch einen „Plan“ haben. 😊
An einem kleinen Stausee kam ich heraus. Zuvor kaufte ich mir ein eiskaltes „Sapporo Bier“ und packte es dick ein. Die Temperaturen waren weit über 20 Grad! In den Büschen, wo ich sehr idyllisch campierte, genoss ich das kalte Bier plus gekochte Essen. Pastell-Farben am Himmel verzauberten die Stimmung.


Ein Gärtner der „See-Park-Anlage“ kam hinauf zu mir und schmunzelte über die Situation bzw. mein Lager für die Nacht. Mit Händen und vereinzelt Wörtern auf Englisch/Japanisch, kommunizierten wir kurz.
Morgens ging es erstmal steil hinauf vorbei an Mandarinen-Plantagen. Mein heutiges Ziel war die Umgebung von „Karatsu“.
Welch eine schöne laaaange Fahrt entlang des „Matsuura“ -Flusses ich hatte. Feinster Asphalt am Hochwasser-Wall, null Verkehr (da abgesperrt), Sonne pur und Rückenwind.
Als Überraschung, wirkte „Karatsu“ sogar als eine sehenswerte Stadt. Mittag genoss ich klassisch im Supermarkt. Als „Desert“ stieg ich hinauf zu ebenfalls sehenswerten Burg. Wirklich sehr schön! Von den Ausblicken auf Meer und Land ganz zu schweigen.
Von dort oben, legte ich für mich fest, dass ich unbedingt ganz nah des Meeres schlafen wollte. Denn in zwei Tagen sollte ich bereits im Himalaya sein.


So kam es! Dazwischen folgte eine weitere Überraschung: ein bis zu 4km langer Pinienwald namens „Nijinomatsubara“,
den ich durchfahren durfte. Dieser galt früher als Schutz vor den starken
(Sand-)Winden der See. Am Ende des Waldes, campierte ich dann im Sand am Meer!
Der vorletzte Tag meiner Japan-Radreise: nur entlang der Küste in Richtung „Fukuoka“. Sehr sehr sehenswert! Weit entfernt von touristischen Routen wirkte diese Gegend.


An einem meiner kurzen Stopps, wurde ich ein weiteres Mal mit Getränken beschenkt. Ganz ohne Kommentar überreichte mir ein sehr junger Herr zwei Flaschen Tee und verschwand wieder in seinem Auto.
Ein weiteres Mal wollte ich direkt am Meer übernachten. -Wo ein Wille da ein Weg.- 😉
Am letzten Tag stand am Programm: Fahrradschachtel für Shui besorgen und einen ruhigen Platz IN der Stadt finden, wo ich mein Zelt aufschlagen konnte UND
von wo ich es nicht weit zum Flughafen hätte. Mein Flug ging nämlich recht früh des folgenden Tages.
Ich kurvte in der Früh noch paar extra Kilometer umher. Ein weiteres Stück Pinienwald, dass ich genoss mit Shui zu fahren. In einem riesigen Supermarkt gabs allerlei zur Auswahl für mein Mittagessen.
Beim dritten Fahrradladen hatte ich eine Fahrradbox erhalten. Ich faltete sie auf ein gutes Maß, schnallte sie auf Shui und fuhr noch weitere Kilometer durch die Stadt. Mittlerweile hatte ich mittels „GoogleMaps“ und „Maps.Me“ einen wahrscheinlich guten Schlafplatz entdeckt, dem
ich dann bald ansteuerte.


Tatsächlich! Perfekter Platz für die Nacht. Tagsüber recht laut und recht nah zu den startenden Fliegern, aber sobald die Nachtflugsperre galt, war es wie in der wilden Natur.
Somit war dann der Tag der Abreise gekommen. Bereits am Vorabend bereitete ich das Gepäck so vor, dass ich nur mehr das Zelt abbauen und festschnallen müsste, um losfahren zu können. Es verlief alles reibungslos. Am Flughafengelände baute ich Shui auseinander, verpackte ihn gut in die Schachtel und checkte ein.
Ein letztes Mal besuchte ich meinen geliebten „7-11“ für mein Frühstück und sagte „Sayonara“ (=Auf Wiedersehen) zum Land, den Menschen und den vielen hübschen Viechern.


Stand: 2868 Km, 153 h und 29837 Hm (ideales Training für den Himalaya 😉