Yerevan-Mashad

Yerevan-Mashad

Juli 20, 2009 0 Von pio

7.6. – 20.7.2009

Nach einem Zwischenfall in Armenien wollte ich nur noch weg aus dem Land. Zu viel ist geschehen, zu wenig Lдcheln, ich fьhlte mich ьberhaupt nicht Willkommen. Ich stoppte einen Lastwagen mit Iranischem Kennzeichen und fuhr per Anhalter nach Iran. Die Nacht verbrachte ich zusammen mit ihm und anderen Lastwagen-Fahrern. Die Landschaft verдnderte sich kurz vor der Grenze. Aus den grьnen Bergen wurden sandige Gegenden. Leer, heiss, staubig. An der Grenze von Armenien musste ich grundlos lange Zeit warten und als ich nachfragte, ob es ein Problem gebe, schreite mir der Beamte \\“Warte!\\“ entgegen.
An der Grenze von Iran, alles problemlos. Nicht einmal zwei Minuten und ich war durch. Der Lastwagenfahrer und ich hatten es am Ende der Grenze ausgemacht. Es nahm mich noch zur nдchsten Stadt mit. Es versicherte mir:\\“Iran ist dein Land, du wirst keine Probleme haben.\\“ Ich glaubte ihm und fahr ьberglьcklich, nachdem was ich in Armenien erlebt habe. Die ersten Kilometer in Iran per Rad, waren eine neue Welt. Der Verkehr in diesem Land ist Chaos pur aber immernoch fahrbar. Die Luft in der Stдdten ist sehr verschmutzt. Ich konnte nur noch mit Maske fahren.
Nach mehreren Tagen ohne Nachrichten, wusste ich nichts ьber die Wahlen im Iran. Auf den StraЯen von Tabriz, feierten tausende Menschen wegen der Wiederwahl des jetzigen Prдsidenten. Ich dachte mir: \\“Ach wie schцn, feiernde Menschen, viel Lдcheln\\“. Ich machte paar Aufnahmen mit meiner Camera und radelte auch schon weiter. Studenten fragten mich unterwegs, was ich davon halte und ob ich davon in meinem Land berichten wьrde, ich meinte: \\“Ist doch schцn wenn Leute feiern\\“. Dabei wusste ich nicht was eigentlich los war in diesem Land.
Die erste Nacht in Iran nдchtigte ich wie auch viele andere Familien es in Iran tun, im Park. Zelt aufgestellt, Essen zubereitet und Schlafen. Ein Volkssport.
Ich hatte ca.600 Kilometer nach Teheran, Hauptstadt von Iran. Bis zur Hдlfte bin ich geradelt. Der Verkehr aber, die Verschmutzung, die Hitze (bis zu 48 Grad), wurde mir zuviel. Hinzu kam, dass ich mit einem Auge fast nichts sah, weil mich eine Biene nahe meinem Auge gestochen hatte.
Somit kam ich mit einem Bus in Teheran an. Bei einem Freund, den ich ьber einen anderen Freund kennengelernt habe, durfte ich eine lange Zeit bleiben. Am Weg zu seinem Haus aber, kam ich an einer Menschenversammlung vorbei, die hunderttausende Menschen umfasste. Die Stadt war auЯer sich und ich immernoch ohne Nachrichten was eigentlich geschehen war. Am Weg nach Teheran nдmlich, kam ich eher selten an Stдdten vorbei, mehr an Dцrfen. Die Menschenmenge trug die farbe grьn. Die Lage war sehr ruhig, nur der Verkehr stockte. Auch hier machte ich Aufnahmen mit meiner Kamera. Doch die Situation in Iran wurde etwas heisser. Sogenannten \\“Basidjis\\“, eine art \\“Polizei\\“, die kein Gesetz kennt, sah mich und hielt mich sofort fest. Mit Geschrei drдngten mehrere von denen zu mir und wollten die Speicherkarte meiner Kamera. Anfangs dachte ich, ich kann das wie immer mit einem Lдcheln regeln. Dem war nicht so. Als einer von denen meine Kameratasche Aufriss, kam mir der Satz des Lastwagenfahrers \\“Du wirst keine Probleme haben\\“. Ich stoppte seine Handlung und sagte etwas lauter Stop! Weiterhin wollten sie meine Speicherkarte und ich wurde noch mehr lauter. Die \\“Mousawi\\“-Anhдnger (Demonstranten) kamen somit nдher und umringten das ganze. Ich fьgte noch hinzu, \\“Wir gehen jetzt zur Polizei\\“, der Mann der mich festhielt, erwiderte mit \\“Ich bin die Polizei\\“. Ich verneinte und wurde noch lauter und stoЯ seine Hand Weg und schob mein Rad durch die Menge nach hinten und radelte die ьberfьllte StraЯe entlang. Nach mehrern Kilometern weiter, kam ich einen Platz, an dem sich die Anhдnger des jetzigen Prдsidenten versammelten. Immernoch wusste ich nicht was eigentlich los war. Ein echter Polizist kam zu mir, und meinte ich mцchte bitte weiterfahren weil dieser Platz bald nicht mehr sicher sein wьrde. Zum Glьck kam mein Freund entgegen gefahren und wir fuhren durch schmale Gassen zu ihm nach Hause. Die weiteren Tage, kamen nach Informationen von seinen Freunden viele Menschen ums Leben, tausende werden immernoch vermisst. Auch ein Freund von ihm, war verhaftet, verprьgelt und glьcklicherweise nach zwei Tagen wieder freigelassen worden. Seine Eltern dachten er sei Tod, weil er bei einer Demonstration dabei war und viele ums leben gekommen waren.
Das Internet wurde grцЯtenteils eingeschrдnkt, das Handynetz sowieso, Fernsehen war nur bedingt mцglich, die Einwohner wechselten somit die Richtung ihrer Satelliten. Das Haus von meinem Freund verlieЯ ich fьr eine gesamte Woche nicht. Zu viel ist passiert. Als sich die Lage etwas beruhigt hatte, organisierte ich mir das nдchste Visa fьr Turkmenistan und reiste mit dem Bus erstmal sьdlich des Landes. Die Stдdte Esfahan, Shiraz und Yazd. Wobei mir ein Ort namens Persepolis am meisten gefallen hat. Das Thema \\“Wahl\\“ war im ganzen Land, sobald man eine Unterhaltung begonnen hat, kam nach paar Sдtzen \\“Was hдlst du davon?\\“. Solange ich im Land war, traute ich nur wenigen Menschen zu diesem Thema und schwieg deshalb. Ich genoss es mehr, mit den Menschen zu sein, die ich kennenlernt und ins Herz geschlossen habe. Ich fьhlte mich, als wьrde ich diese Freunde schon ьber Jahre kennen. Die Themen waren also tief, lang und besonders Interessant. Kein Wunder daher, dass ich die meiste Zeit in den Hдusern in Iran verbrachte als ausserhalb. Vielleicht aber auch besser wдhrend dieser sensitiven Zeit. Wobei im Land sehr viele beeindruckende Gebдude, Moscheen und Brьcken stehen.
Zurьck in der Hauptstadt, packte ich nach ca.vier Wochen Pause mein Rad und radelte Richtung Kaspisches Meer. Anfangs schwierig, besonders weil es ьber eine Bergkette ging. Auch die Temperaturen waren ьber 40 Grad. Der Verkehr weiterhin gefдhrlich und ich nach langen Pause mit weniger Puste.
Das Besondere auf dieser Strecke war, dass sich die Landschaft schlagartig von den langweiligen sandigen Farben in sattes-krдftiges grьn verwandelte. All die Bдume, Pflanzen und jede Menge Reis. So neu fьr mich, so schцn! Doch auch dies hatte seinen Preis. Die Luftfeuchtigkeit! Es wurde also noch heisser. Am Meer angekommen, gings sofort ins Wasser. Super-angenehme Temperaturen, Frauen in den \\“Tschadors\\“ badend, Jungs mit den Mopeds am Strand rasend und der Mьll lag am Sand herum. Ja, die meisten Iran haben wenig Achtung vor der Natur.
Ich verbrachte die Nacht am Strand, nahm meinen Abfall mit und radelte weiter Richtung Osten. Nach Mashhad, die \\“heiligste\\“ Stadt in Iran, kam ich nach paar Tagen an und verbrachte eine weitere wunderbare-unvergessliche Zeit mit den Einheimischen, aber auch mit zwei anderen Reisenden aus Polen. Wir badeten im eigenen Pool, grillten lecker Essen, tanzten und hatte SpaЯ. Zusammen mit Freunden meines Gastgebers, verbrachten wir schцne Abende, Mдdchen ohne Kopfbedeckung, ohne jegliche Kleidungsvorschriften, wie in Europa eigentlich. Doch sobald man in die Цffentlichkeit geht, kleiden sich die Mдdchen alle gleich und eintцnig. Das ist die zweite Seite von Iran, eben!
Nachdem ich endlich mein Turkmenistan-Visa im Pass hatte( nach 4 wochen Wartezeit), konnte ich das Land mit zwei Seiten verlassen. Es ging weiter цstlich. Die Temperaturen im Schatten 40 Grad. Ich radelte von fьnf bis zehn Uhr frьh und von 17 bis 20Uhr. Die lange Pause, verbrachte ich irgendwo im Schatten und bewegte mich nicht. Im Kopf bereitete ich mich auf die Durchfahrt der Wьste in Turkmenistan vor und war bereits froh, bald wieder eine kurze Hose tragen zu dьrfen. Den kurze Hosen im Iran sind nicht gestattet, auЯer man sitzt am Rad. Meine letzte Nacht verbrachte ich in der Kьche eines kleinen Restaurants ca. 50 Meter von der Grenze entfernt. Diesmal aber war der Grenzbeamte sehr genau und glaubte mir nicht, dass es mein Reisepass ist. Immerwieder durchblдtterte er alle meine Seiten, ьberprьfte das Foto, das iranische Visa und die Verlдngerung, bis letztendlich ich an die Grenze zu Turkmenistan radeln durfte.