Khorog-Bishkek

Khorog-Bishkek

September 28, 2009 0 Von pio

24.8. – 28.9.2009

Nach einem Ruhetag in Khorog, sind Greg und ich dann schließlich den berühmtem \\“Pamir Highway\\“ geradelt. Ich habe bereits im vorhinein gehört, dass es unterwegs Kontrollen geben soll, die sehr korrupt sind. Dass aber so ein Kontrollpunkt gleich am Anfang ist, wusste ich nicht. Natürlich hat der \\“Beamte\\“ etwas gefunden, dass ihm an unseren Ausweisen und Genehmigungen, die man für das Pamir-Gebirge benötigt, nicht gefallen hat. Er tat so, als wäre es jetzt ein großes Problem und es sehr teuer werden würde. Nach mehreren Verhandlungen und einer vergangen Zeit von ca. 20 Minuten konnten wir weiterfahren. Die Abzocker aber waren nicht glücklich!
Langsam ging es schließlich auf die 4000m-Grenze. Das Atmen fiel uns schwerer und das Herz rasste bei Anstrengung auf Hochtouren. Dennoch waren wir beide überglücklich. Nach dem Pass, den wir auf diese Höhe gefolgt sind, ging es für hunderte Kilometer eher flach durch eine Welt die von Bergen, Seen, Flüssen, Sand und bisschen Asphalt umgeben ist. Täglich hatten wir Traumwetter, obwohl wir uns abundzu doch mal den Schnee gewünscht haben.
Wir hörten, dass es unterwegs auch heisse Wasserquellen gibt und so fuhren wir mit besonderm Interesse nach diesen Plätzen. An einem machten wir halt und genossen ein Bad im lokalen Bereich. Kleiner Pool mit Vorraum und zwei Holzbänken. Schlicht und einfach aber super! Der Schwegelgeruch und die Hitze hatte es in sich, den nächsten Platz zum Campieren hatten wir genommen, Zelt aufgestellt, Essen gekocht und letztendlich niedergelegt und die unzähligen Sterne angeschaut.
Unglaublich wie hell der Himmel eigentlich nur durch die Sterne sein kann. Täglich hatten wir dieses Spektakel. Hin und wieder passierte auch mal eine Sternschnuppe unsere Beobachtungen. Einfach nur gigantisch! Tagsüber hatten wir Menschenleere Gegenden, wo man wirklich nichts hörte. Ist man unterwegs hört man nur die Vorwärtsbewegung. Bleibt man stehen, einsame Stille. Etwas unheimlich war es. Besonders still und schön war es an einem kleinen See. Scheint die Sonne, ist er tiefblau. Wir beide waren so sehr beeindruckt, dass wir einen Ruhetage eingelegt und diese wunderschöne Landschaft intensiv genossen haben. Seit langem hatte ich diesen Wunsch an einem See zu campen. Weitere übernachtungen hatten wir irgendwo in der weiten leeren Prärie. Es ist nicht schwierig einen Platz zu finden, links oder rechts von der Straße einbiegen und man ist da. Etwas schwieriger sich mit Essen einzudecken. Greg und ich hatten jeweils genug Essen für mehrere Tage mit. Wir wollten nichts riskieren und auf paar Kilo mehr oder weniger im Gepäck kommts beim Fernradreisen nicht an.
Während der ca.800 Kilometer auf dem \\“Pamir Highway\\“ nur in Tadschikistan, kamen wir an Nomaden vorbei die gerade ihre Yurten abbauten und zurück in Dörfer oder Städte gingen. Der Winter wird nämlich sehr sehr kalt. Tagsüber fühlten wir über 30 Grad und in der Nacht ging die Temperatur bis auf Minus 12 runter(Ende August). Kein Wunder, dass wir etwas länger im Schlafsack blieben als sonst. Sobald aber die Sonne scheint, wirds warm wenn nicht heiss.
Mit unseren Fahrrädern hatten wir paar Probleme. Der Pamir ist eben nicht ohne. Speichen und Taschenhalterungen gingen zu Bruch, mein Gangseil riss und Gregs Innenlager fing an sich unrund zu drehen. Irgendwie reparierten wir alles und die Fahrt konnte immer weiter gehen.
An den letzten Tagen in Tadschikistan musste wir schließlich über den höchsten Pass (4655m). Es kam noch Gegenwind und viele Sandstürme hinzu. Stück für Stück kämpften wir uns vorwärts und kamen an. überglücklich, ausgepowert und nach Atem schnappend standen wir dann oben. Und das zu Frühstück!
Zur Grenze nach Kirgisien holperten wir durch extrem schlechte Pisten und bekamen unseren langersehnten Schnee. Der übergang von Tadschikistan nach Kirgistan verlief mit langer Wartezeit im Niemandsland. Grundlos standen wir vor der Bariere der Kirgisen und warteten im Schneefall. Die \\“Beamten\\“ spielten wohl ihre Macht uns gegenüber aus. Letztendlich konnten wir passieren und campierten an einem Fleckchen Erde mit gigantischer Aussicht auf frisch verschneite Berge. Die Sonne verpasste dem Ganzen mit ihrem rötlichen Farben einen besonderen Touch. WOW!!
In Kirigistan wussten wir beide, dass wir uns verabschieden mussten. Greg hatte bereits das China Visa im Pass und konnte gleich mal weiter in den Osten radeln, wobei ich es nochmal in Bishkek(Hauptstadt von Kirgistan) versuchen wollte eines zu bekommen. Der Abschied fiel einfach aus, jedoch mit tiefen Spuren. Es ist nicht einfach einen so guten Reisepartner zu finden.
Die Fahrt ging also alleine weiter. Mal wieder über paar Pässe mit bis zu 3000m Höhe. Diese aber waren nicht mehr fahrbar. Schlamm erschwerte die Durchfahrt. Das Rad und ich sahen aus wie ein Schlammmonster. Ein komplett anderes Wetter als in Tadschikistan. Viel Regen und Schnee in Kirgistan. Schien aber die Sonne waren Berge nicht weit. Eigentlich sieht man schneebedeckte Gipfel von überall. Die einsamen Plätze und die Stille findet man nicht leicht. Zum übernachten versteckte ich mich wortwörtlich. Die Menschen in Kirgistan sind nicht besonders zurückhaltend. Erst recht nicht wenn Alkohol im Spiel ist. Leider ist von diesem nicht zu wenig. Regale verbiegen sich regelrecht durch all die verschiedensten Vodka-Flaschen. Entsprechend sehen schöne Fleckchen zum Rasten aus. Zerbrochene Flaschen findet man überall. Junge Kinder werden in den Laden geschickt um neue Flaschen zu kaufen.
Abgesehen von den wunderschönen Bergen und der ferneren Umgebung, war das Radfahren für mich in Kirgistan nicht besonders reizvoll. Der Verkehr mit 90% deutschen alten Autos(Audi, BMW, MercedesBenz, VW) rasst an einem vorbei, als wäre es jedesmal ein Notfall. Die Fahrt war für mich nicht nur wegen den zum Teil sehr schlechten Straßen hart, auch weil ich mich auf meine rechte Seite konzentrieren musste. Es kommt schon vor, dass drei Autos entgegen kommen oder wegen einem Radfahrer nicht ausgewichen wird. Man betätigt lieber die Hupe. Wenn möglich bevorzugte ich deswegen lieber die schlechten Straßen als stark-befahrene.
Während der Fahrt fiel mir auch auf, dass die Blätter bereits verschiedenste Farben bekommen. Ich bin also bereits im Herbst sagte ich mir. Dabei sah ich auch links und rechts von mir Apfelbäume. Somit fahre ich seit Tagen mit mehr Gewicht in meinen Taschen. Eine schöne Abwechslung immerwieder einen Apfel zu essen.
Richtung dem \\“Issyk-Köl\\“-See und schließlich nach Bishkek stiegen die Tagestemperaturen plötzlich nicht mehr soweit nach oben. Es wirkte eher frisch. Ach wie sehr hatte ich mich danach gesehnt. Seit dem Iran eigentlich. Hier in Bishkek machte ich eine längere Pause, besonders nach all den Pässen und Kilometern auf schlechten \\“Straßen\\“. Weiter geht es nach Kazachstan, von wo ich entscheiden werde wie es weiter geht..