Bishkek-Chengdu

Bishkek-Chengdu

November 7, 2009 0 Von pio

29.9. – 7.11.2009

In Bishkek, Hauptstadt von Kirgistan, wollte ich mich nochmals um ein chinesisches Visum bemühen. In anderen Hauptstädten auf dem Weg, gab es zeitlich keine, oder nur mit besonderen Genehmigungen. Als mir auch der Konsul in Bishkek ein \“Nein\“ verpasste, wusste ich was zu tun war. Ich bastelte mir ein Flugticket nach China rein und wieder raus und paar Buchungen für Hotels in großen Städten. Siehe da, ich bekam das Visa problemlos. Zwar habe ich dafür eine Woche gewartet, aber die Zeit habe ich mit japanischen, niederländischen und australischen Freunden sehr genossen. An einem Montag hab ich das Visa dann letztendlich im Pass gehabt. Gleich am nächsten Tag fuhr ich nach Kasachstan. Ich konnte es kaum erwarten näher zu China zu sein. An der Grenze liefs mal ganz anders als sonst ab. Aus Kirgistan war ich schnell raus und durch die Grenze nasch Kasachstan noch schneller. \“Aber halt\“, dachte ich mir, bin ich nun etwa schon in Kasachstan ohne einen Einreisestempel im Pass?? Ups, ich bin tatsächlich ohne das es jemand gemerkt hat, durch die Grenze geradelt. Zurück wars nun etwas schwieriger. Die Beamten überprüften sofort meinen Ausweis und meinten was das soll.
Alles aber ohne Probleme. Für mich war nun am wichtigsten, dass ich zwei Stempel auf den Einreise-\“zettel\“ bekomme. Einer genügt bei der Ausreise nämlich nicht (für welche Gründe auch immer?!). Der Beamte stempelte erstmal nur einen. Ich bat ihm um einen zweiten. Nach bisschen Gemurmel haut er ihn schließlich drauf. Ich lächele auf und radelte nochmals durch alle Schranken.
So, nun aber bin ich legal in Kasachstan, dem neunt-größten Land der Erde. Wegen den \“nur\“ ca. 16 Millionen Einwohnern, ist die Landschaft sehr sehr oft einsam. Das erkenne ich sofort nach Grenzüberschritt. Die Straßen gehen für viele Kilometer gerade aus, abundzu eine kleine kurve, dann wieder laaaaange gerade aus und so weiter.
Ich fühlte mich super. Nicht aber wegen der weiten leeren Prärie. Nein, es war das Lächeln der Menschen mir gegenüber. Eine Nacht nach Bishkek auf einem wunderschönen Plätzchen mit einer weiten Aussicht auf grüne Berge, kam ich in Almaty an. Dort hatte ich einen \“Kulturschock\“. Nur \“wenige\“ Kilometer weg von Kirgistan und gleich sooo viele nette, lächelnde Menschen. Auch die Stadt selber hat eine besondere Atmosphäre, die mir gefiel. Zu Hersbst mit farbigen Blättern, breite Bürgersteige, große Parks. Eigentlich wie in Deutschland. So etwas hatte ich wirklich nötig. Ich gönnte mir feinste Sachen, auch wegen meiner 10.000 km in sechs Monaten auf Reise. Leckere \“echte\“ Schokolade aus Deutschland, gute Würste, Erdbeeren und und und. In Almaty blieb ich für eine Woche. Grund war nicht nur das angenehme Leben dort oder ein Freund, der sehr gastfreunlich war, nein, in China war zu dieser Zeit das Nationale Fest. Für eine Woche war die Grenze geschlossen.
Von meinem Freund zur Grenze waren es ca. 350 km. Drei Tage nahm ich mir dafür. Auf dem Weg dorthin, durchfuhr ich ca.90% dieser Strecke durch Steppe und eben Nichts. So leer das Land. Am vorletzten Tag in Kasachstan, erlebte ich weitere Gastfreundlichkeit. Nicht nur, dass ich Obst unterwegs von den Verkäufern bekam, so gabs auch frischgebackenes Brot aus dem Ofen, kurz vor Abenddämmerung von einer Ladeninhaberin, Süßigkeiten, Kekse und Getränke und schließlich von einem vorbeifahrenden Mopedfahrer eine übernachtung in seinem Haus mit leckerster Verpflegung. Wie kann man da denn nicht fröhlich sein und mit Missgefühlen das Land verlassen?
Am letzten Tag gings dann endlich nach langem hinundher wegen Visa, Grenzöffnungszeiten, Problemen im Land selber, nach China. Vorerst musste ich durch die Kasachische Grenze. Owe, das ist eine eigene Geschichte, die auf diese Seite nicht passt. Kurzgefasst, hunderte drängelten sich mit riessigen Taschen am Rücken, Kopf, unter den Armen oder hinterherziehend, durch EINE Tür, um noch vor Mittag in China anzukommen. Zeitverschiebung war nämlich gleich mal um zwei Stunden. Weiteres Problem, man darf nicht ohne staatliche Begleitung das Niemandsland queren. Also alle in kleine Busse \“verstauen\“ (trifft wortwörtlich hin) und an die chinesische Grenze fahren. Ich aber durfte mit dem Rad passieren. Einen kilometer weiter war ich dann kurz vor China. Etwas ungewöhnlich wartete ich lange um überhaupt durch die erste Schranke fahren zu dürfen. Telefonanrufe hin und her, Gesundheitschecks, Fragen über Fragen bis ich weiter konnte. Beim Ausfüllen der Registrierungskarte, kam noch ein nerviger Beamte hinzu, der sich an mir seine Englischkenntnisse \“verbessern\“ wollte. Nach jedem Satz fragte er mich, wie sein Englisch sei. Wieviel Prozent ich seinem Englisch geben würde. Ich gab ihm 62%, nach fünf Minuten ca. gab ich ihm bereits 65%. Er hörte nicht auf, bis ich endlich die Grenze verlassen hatte.
Glauben konnte ich es nicht, wo ich war. Es dauerte ca. drei Tage, bis ich realisierte, dass ich mit dem RAD IN CHINA bin. Paar Schwierigkeiten kamen hinzu. Die Straßenschilder kann ich nun gar nicht mehr entziffern, mit der Sprache hauts zwar irgendwie hin, aber mit dem gelerntem russisch, komme ich hier leider nicht weiter. Nunja, auch der Verkehr wurde dichter und vor allem lauter! In den ersten hunderten kilometern durchquerte ich viel Wald, Berge, Pässe und atemberaubende Landschaften. Auch extrem viele Baumwolle-, Weintrauben- und Peperoniplantagen. Sowie Kamele/Dromedare mit vielen Haaren. Kein Wunder für die Behaarung, die Temperaturen nahmen seit Zentralasien enorm ab. In der Nacht frierte es bis auf unter Null runter, wobei es am Tag auch nicht wärmer wurde. Paar Tage nach der Grenze kam ich in Urumqi an. Die Stadt, mit den gegenwärtigen Problemen (Militärischer Niederschlag von Massendemonstrationen der Uigur-Minderheit) und wegen dem man kein Visa ohne besondere Genehmigungen bekommt. Enorm viel Polizei und Armee auf den Straßen. Mir machte es überhaupt keinen Spass, bei jedem Schritt beobachtet zu sein. Ich verließ die Stadt mit dem Zug Richtung Lanzhou, weil es wegen den Problemen im Westen Chinas nur sehr kurze Visaverlängerungen gab und ich mehr als nur 15 Tage brauchte. Während der Zugfahrt von ca. 20 Stunden wurde Wüste, Wüste und Wüste durchquert. Verpasst habe ich also nicht wirklich etwas.
Von Lanzhou aus, Hauptstadt der Provinz Gansu, radelte ich bergauf Richtung Xiahe, Langmuzi, Songpan und schließlich Chengdu. Zwei Wochen war ich mal wieder auf über 3500m Höhe unterwegs. Kam wieder zu meinen geliebten Tibetern, durchfuhr die wunderschönsten Landschaften mit tausenden Yaks, Pferden, Schafen und Ziegen. Bei Sonnenschein aber Kälte und abundzu auch Schnee fuhr ich an manchen Tagen bis zu sechs Pässe. Ich war erstaunt, wie \“locker\“ mein Körper diese Anstrengungen bewältigte. An einem Tag, als es richtig anfing zu Stürmen, lud mich ein Tibeter zu sich nach Hause ein. Seine Frau heizte den Raum schön ein, er selber bekochte uns mit leckerem einheimischen Essen und schärfte zu guter letzt auch noch mein Taschenmesser. Ach war ich glücklich. Die Nacht verbrachten wir in Scheune, Lager-und Schlafraum in einem. SUPER!
Nach dieser Nacht folgten die letzten Pässe bis auf 3900m und dann rollte ich 1000 höhenmeter runter ins Tal. Sofort wurde es spürbar wärmer. Also raus aus meinen Winterklamotten und rein in die kurze Hose. Von da an wusste ich, dass ich bis Hongkong keine wärmere Kleidung tragen muss. Von Songpan bis nach Chengdu (Hauptstadt der Provonz Sichuan), radelte ich durch 200km Baustelle (leider wird nicht viel auf die Natur geachtet). Unglaublich aber wahr! Auf der Piste gabs zwei bis 15cm Schlamm. Ständig musste ich meinen kompletten Antrieb reinigen, weil ich ansonsten nicht treten könnte.
Sämtliche Tunnel musste ich auch durchqueren. Alle natürlich frisch gebaut und somit ohne Beleuchtung. Die meisten durchfuhr ich auf gut Glück. Bis auf einen! Alleine und am Rad bin ich rein und mit vier Polizisten im Auto wieder raus. Anscheinend mögen sie es nicht. 🙂 Es folgten noch zwei weitere kilometerlange Tunnels. Alles aber ohne Probleme. In China hatte ich noch nie Probleme. Die Leute sind fantastisch, lächeln fast immer, für einen Witz immer bereit und machen auch sonst jeden Spass mit. Auch die Polizisten!
In Chengdu verbrachte ich ca. zwei Wochen. Von der deutschen Reifenfirma \“Schwalbe\“ bekam ich nach 12.000 km (zwei Platten) auf den alten Reifen, neue für die nächsten Kilometer gesendet und auch sonst, lebte ich chinesisches Leben mit meinen Freunden hier, die ich noch von meiner letzten Reise her kenne.
Von Chengdu nach Hongkong sind es \“nur\“ noch ca.2000km. Also nicht mehr weit.. 🙂 Für detailierte und auch brisante-Infos, bitte für meinen Newsletter anmelden.