LA-Austin

LA-Austin

Februar 21, 2010 0 Von pio

29.1. – 21.2.2010

Seit meinem letzten Zwischenstopp in Los Angeles auf meiner Reise durch die USA, bin ich in drei Wochen mehr als 2500 Kilometer geradelt. Zuerst ging es weiter dem Nummer-Eins-Highways entlang, also der Küste des Pazifiks Richtung Mexiko. So einfach wie mans hier aber liest war es nicht. Los Angeles und deren Stadtteile ziehen sich mehr als hundert Kilometer in den Süden und genau dahin wollte/musste ich. Den gesamten ersten Tag radelte ich mit extrem viel Verkehr. Meine Arme und Gesicht waren dreckig wie auch in China, als ich dort auf stark befahrenen Strassen unterwegs war. So viele Fahrzeuge und meistens mit nur einem Passagier besetzt, verschmutzen die Luft. Mit einer Atemmaske passierte ich all die Kleinstädte. Ziemlich erschöpft kam ich nach mehr als 150 Kilometern endlich in die Nähe von grünen Flächen auf denen ich mich für die Nacht niederlassen konnte. Für den nächsten Tag stand wieder eine Durchfahrt der nächsten Großstadt an, San Diego. Wie auch am Vortag kam ich erst kurz vor Dämmerung an einem Platz an, der sich zum übernachten eignete. Etwas mulmig war mir schon. Nur wenige Meter weiter, war bereits die Mexikanische Grenze und gutes hört und liest man nicht darüber. Knapp jede fünf Kilometer steht ein Jeep der Grenzschutzes und bewacht eine Gegend. Zeitgleich patrollieren etliche Jeeps die Stücke dazwischen. \“Fühlt man sich nun dadurch sicher oder ist es der Beweis für eben die Einwanderungs-, Drogen- und Waffenprobleme?\“, dachte ich mir.
Deswegen stellte ich mein Zelt erst als es richtig dunkel wurde auf und kochte mir mein Abendessen. Die Nacht verlief ohne Probleme im tiefschlaf. Noch bevor früh morgens die Sonne hervorkam, war ich bereits von diesem Platz weg. Auf der Strasse (Highway 94 und 80) fühlte ich mich sicherer. Die Farben der Landschaft wurden immer weniger dafür mehr trockener und steiniger. Für längere Abschnitte war ich endlich alleine unterwegs, kein Meeresrauschen mehr dafür aber konnte ich neue Tierarten beobachten (sehr kleine farbige Vögel zum Beispiel). Die Temperaturen stiegen an, es wurde richtig sommerlich, bevor ich über eine tageslange Bergkette radelte. Am höchsten Punkt hatte es nur noch wenige Grad über Null und dann gings auch schon wieder ca. 800m runter. Was für eine Abfahrt! Während dem Runterrollen hatte ich eine Aussicht auf die bereitsfolgende Wüste. Einen Platten zog ich mir auch noch zu. Zum Glück war eine Tankstelle in der Nähe und somit Licht, denn es dämmerte bereits. Nachdem ich den Schlauch geflickt hatte, zog ich mich hinter die Zapfsäulen zurück und baute mir mein \“zu Hause\“ auf.
Vom nächsten Tag an hatte ich für ca. 2000 Kilometer nichts als trockene Sträucher und Sand. Anfangs wars ja noch schön weils neu war, aber dann mit jedem Tag mehr, als der Sand bereits überall war, wurde es etwas nervig. Hinzu kam teilweise Gegen-und Seitenwind. Besonders ärgerlich wurde es, als ich bis zu dreimal am Tag mein Hinterrad ausbauen musste um einen Platten zu flicken. Die Verschmutzung auf den Landstraßen ist enorm. Nicht nur der Müll der links und rechts von der Fahrbahn liegt auch winzig kleine Drähte von den Reifen. Hinzu kommen die unzählbaren Dornen. Aufpassen musste ich auch vor und nach jedem Camping. Es müssen nicht immer Kakteen sichtbar sein um auf Dornen zu stoßen. Klitzekleine Pflanzen können bereits hart genug sein, um Schaden anzurichten.
Nach hunderten Kilometern in Kalifornien, fuhr ich in den Bundesstaat Arizona. Berühmt durch den \“Grand Canyon\“. Durch die Zeitverschiebung war ich eine Stunde näher an Deutschland. Was mir aufgefallen ist und auch nicht übersehbar war, sind die unzähligen \“Saguaro Kakteen\“. Meterhoch stehen sie wie Soldaten und \“bewachen\“ die Wüste. Es war etwas besonderes die Zeit am Rad zu verbringen und all die verschiedensten Formen dieser Kaktusart (eine von mehr als 1500) zu bestaunen. Mindestens eine Nacht neben diesen Giganten wollte ich verbringen. Bei Sonnenuntergang und-aufgang posierten sie als tolles Fotomodel.
Leider waren sie nach paar Tagen nicht mehr zu sehen. Es ging nämlich in die Berge und somit in das kühlere Klima. Die Temperaturen fielen bis zu unter die Null Marke und über Nacht hatte es in meinem Zelt minus fünf Grad. Das Wasser in den Flaschen war gefroren. Sobald aber die Sonne hervorkam und etwas Wärme schenkte, wurde die Situation etwas angenehmer. Tagsüber stieg die Temperatur bis auf 20 Grad in der Sonne an. Im Schatten eises Kälte. Das es so frisch werden würde, hatte ich nicht gerechnet. Zum Glück schickte ich in Hongkong nicht meine gesamte Winterausrüstung nach Hause, nur einen teil. Wenn ich Mittags irgendwo in der leeren Gegend einkehren konnte, war ich sehr froh mich aufwärmen zu können. Ausser paar einzelnen Häusern (bewohnt und unbewohnt) sah ich nicht viel. Leider ist es nicht so wie in Asien, dass die Menschen die meiste Zeit ausserhalb des Hauses verbringen, hier in den USA eher umgekehrt.
Hin und wieder radelte ich auch durch Indianer-Reservate. Ich stellte mir vor, wie es hier wohl zuging bevor die weisse Bevölkerung kam. \“War es so, wie es in Filmen oder Dokumentation uns veranschaulicht wird?\“, überlegte ich. Auch stellte ich mir paar Szenarien vor und sah in meinen Gedanken wilde Pferde und Tipis. So wurde es für mich etwas mehr interessanter als nur Büsche und den hässlichen Zaun zu sehen. Seit Kalifornien nämlich ist alles umzäunt oder mit \“Nicht passieren\“ Schildern umstellt. So tolle und freie übernachtungsplätze im freien wie in Asien findet man hier leider nicht. Es ist mehr \“verstecken\“ und ja nicht verscheucht werden. Immerwieder blickte ich dabei auf all das wunderbare einfache campen (meist einfache) auf dem Weg nach Hongkong zurück, besonders in Tadschikistan. Als ich mal bei einem Hausbesitzer in Texas nachfragte ob ich auf seinem großen Grundstück mein kleines Zelt für die Nacht aufstellen dürfte, erhielt ich ein \“nein\“. Daraufhin \“versteckte\“ ich mich ein weiteres mal hinter einem Busch.
Weitere Tage auf dem Rad mit etlichen Platten folgten, bis ich nach \“New Mexico\“ kam. Mit einem Sturm im Rücken, kam ich an einem Tag knappe 200km vorwärts. Am darauffolgenden Tag, meinem Geburtstag, auch mit starkem Rückenwind weitere 160. In nur zwei Tagen war ich durch \“New Mexico\“ und näherte mich einer weiteren Zeitumstellung in der Stadt \“El Paso\“ und auch somit dem zweit größten Bundesstaat Texas. Von hier aus erwischte ich Tage mit starkem Gegen-und Seitenwind und Regen. Erschöpft durch die Mühe überhaupt vorwärts zu kommen und auch ausgekühlt wegen dem eisigen Wind, entschied ich mich, nach zwei Wochen nur campieren, eine Nacht im Motel in der Kleinstadt \“Sierra Blanca\“ zu verbringen. \“Was für ein Unterschied.\“, dachte ich mir. Eine heisse Dusche, sehr weiches Bett und das Aufstehen am Morgen im warmen.
Vom nächsten Tag an, ging es zusammen mit einem anderen Radreisenden aus den USA weiter. Josef sah mich am folgenden Tag bereits von weiten und wartete auf mich. Wir hatten die gleiche Richtung und auch den gleichen Bundesstaat als Ziel, Florida. Es erwies sich, dass es zu zweit viel angenehmer war durch die mit der Zeit öde Umgebung vorwärts zu kommen. Leider waren wir immernoch in den Bergen und die Temperaturen Nachts und Morgens senkten unsere Stimmung. Wir konnten es kaum erwarten endlich etwas tiefer zu kommen. In der kleinen Stadt \“Eldorado\“, nachdem wir stundenlang mit sehr starkem Seitenwind kämpften, kehrten wir in einem Restaurant ein und stärkten uns mit lokalem Essen. Die Bedienung war so nett, dass ich nicht scheute nach einem Campingplatz gleich hinter dem Gebäude zu fragen. Der Besitzer, ein waschechter Cowboy, mit Hut, Stiefel und einem dreckigen Pick Up Truck, willigte sofort ein und bot uns an, die restliche öffnungszeit im Lokal zu bleiben und Fernsehen zu schauen, kostenfrei. Für uns purer Luxus im warmen zu sitzen und heisse Schokolade zu trinken. Zum Schlafen verkrochen wir uns dann aber in das eiskalte Zelt.
Jedes mal, wenn wir die Strassenkarte studierten um irgenwie mit dem Wind zu fahren, kamen wir der Hälfte des USA-durchquerung immer näher. Die Hauptstadt von Texas \“Austin\“, ist genau die Mitte meiner Reise. Tag für Tag ermutigen wir uns mit einer \“nur noch Distanz\“.
Dann endlich, als die letzten hunderten Kilometer auf der Karte als einfach aussahen, platzte mein Hinterreifen von innen auf und ich konnte nur noch mit einem geringen Luftdruck vorwärtsradeln. Auch entstand ein extreme Wölbung die einen Schlag bei jeder Umdrehung von sich gab. Trotzdem ging es weiter. Schilder informierten uns dass bald die \“rollenden Hügel\“ anfangen würden. Für uns noch unklar was das wohl heissen möge. Kurz darauf waren wir schlauer. Hundert Meter bergauf und das gleiche auf der anderen Seite wieder hinunter. Auf eine gesamtlänge für ca. 300 km. \“Wann hört das bloß auf?\“, sagte ich immerwieder vor mir. Es war deswegen so ärgerlich, weil man bergauf schwitzt und man bergrunter abkühlt hinzu kam einmal am Tag den Hinterreifen ausbauen und ein Loch flicken.
Als Wiedergutmachung, beschenkte uns Mutter Natur mit mehr grün und endlich Bäume. Auch wurde es wärmer weil wir tiefer kamen. Bei der letzten übernachtung vor \“Austin\“, erinnerten wir uns an die sehr sehr harten Tage und können es kaum fassen diese harte Strecke überwältigt zu haben. überglücklich kamen wir in Austin an und verbrachten wunderbare Tage in dieser radfreundlichen Stadt. über die Internetseite \“www.warmshowers.org\“ kontaktierte ich noch vor der Ankunft meinen Gastgeber \“Walt\“ der ein pensionierter Pilot der US Airforce ist. Er flog etliche Einsätze in Europa und auch während dem Vietnamkrieg. Vieles interessantes bekam ich zu hören. Er half mir mein Rad mit weiteren Ersatzteilen zu versorgen und auch besuchten wir das Fahrradgeschäft von \“Lance Armstrong\“. Von der deutschen Reifenfirma \“Schwalbe\“ bekam ich über Nacht Ersatzreifen geschickt und die kaputten schickte ich zur Analyse nach Deutschland zurück.
Nach all dem, fahren Josef und ich weiter Richtung Florida, haben aber vor in New Orleans im Bundesstatt Louisina halt zu machen.