Von Melbourne nach Sydney

Von Melbourne nach Sydney

März 13, 2018 0 Von pio

9.2. – 13.3.2018

Ich rieche Räucherstäbchen, Kaffee und Eukalyptus. Höre Vogelgezwitscher, den Fluss rauschen und den Wind in den Bäumen. Hinter mir steht der eingestaubte Shui, der sich heut mal wieder von seiner besten Seite gezeigt hat. Und ich, frisch gebadet im Fluss, zufrieden und dankbar für diesen wunderschönen Ort, der einem einen Picknicktisch und Schatten schenkt. Noch dazu ist es willkommen hier zu Zelten. Purer Camping-Luxus, echt! Mülleimer, Toiletten und Großräumigkeit und das im „Alpine National Park“, kostenlos! Für mich gehören die Australier eh schon längst zu den Campern no.1.
Ich fange jetzt aber mal dort an, wo ich aufgehört habe. Nachdem ich ja von Tasmanien mit der Fähre nach Melbourne gefahren war, blieb ich für fünf Nächte bei Kurt und dem Familienhund Kiki. Drei Nächte in der Stadt und zwei im Landhaus eine Stunde (Auto-)Fahrzeit außerhalb der Stadt. Als mich Kurt bereits am zweiten Tag mit auf die „Farm“ genommen hat, wollte ich eigentlich gar nicht mehr zurück in Stadt. Ein Paradies, wirklich! Die Einfahrt alleine ist schon bemerkenswert: 800m Piste bis zum Haus. Dann, verschiedenste Obstbäume mit reifen Früchten, Gemüse direkt aus dem Garten, ein Teich mit darüber gespanntem „flying fox“, Sprungbrett und schwimmender Insel. Solarpanele am ganzen Hausdach, absolute Ruhe und ein im Rasen eingebautes Trampolin! Geschweige denn der Tennisplatz neben dem Haus. 
Wie oft ich zu Kurt „Oh Kurt!“ mit einem Lächeln gesagt habe, weiß ich nicht. Jedenfalls sollte ich damit aufhören. Ha ha. Denn er wusste was ich meinte. Warum sich in der Stadt einengen und durch plastische Regeln einschränken lassen, wenn man hier den Auslauf hat und mit der Natur lebt. Kurt ist dies bewusst und er wird seinen Weg finden. Der Familienhund Kiki zeigte dies ganz eindeutig: In der Stadt wirkt er gelangweilt und uninteressiert. Beim Gassigehen interessiert er sich nicht mal für die anderen Hunde. Als wir am Weg zur Farm waren und von der Hauptstraße auf die Schotterpiste abbogen, öffnete Kurt die Hecktür und Kiki fing sofort an zu laufen. Ohne Kommando, ohne etwas zu sehen Verfolgen zu wollen. DAS war sein Auslauf! Im Sprint durch kleine Hügel. Im wilden Gras. Rauf und runter das Terrain. Kurt und ich fuhren nebenher und für mich war das einfach nur wunderschön anzusehen. Mir kamen fast die Tränen mit welch einer Leidenschaft Kiki diesen knappen Kilometer gelaufen ist. Er war frei und in seinem Element! Am Hausgrundstück, rannte Kiki gleich weiter Richtung Teich und sprang hinein. Ha ha ha. 
Ich sagte zu Kurt: „Das ist eine Nachricht, Kurt! Nicht nur ein Gerenne. Hast du dir seinen Gesichtsausdruck angesehen?!“
Nun ja, auf der Farm zeigte er mir all die verschiedenen Obstbäume. Bei jedem blieben wir stehen und probierten. Letztendlich hatten wir keinen Hunger auf Abendessen mehr dafür aber einen Schwimm im Teich. Hinein nur per „flying fox“ und Sprungbrett natürlich. Hintergrundkulisse: australischer Sonnenuntergang (=Deluxe) und das Zirpen der Grillen.
Ich sagte zu Kurt: „Wenn du einen „Hausinstandhalter“ suchst, hier steht er!“ 
Wieder in der Stadt (Kiki rennt natürlich wieder die ganze Strecke entlang der Schotterpiste ohne Kommando), veranstaltet Kurt einen Brunch am Sonntag. Auf einmal ganz viele Menschen und jeder versetzt mit den gleichen Fragen. Ich war ehrlich gesagt, sehr froh als dies vorbei war. Am Tag darauf fuhr ich mit Shui auf „Melbourne-Erkundung“. Zuerst in den Botanischen Garten danach in die City. Da muss ich gleich mal feststellen, dass der Garten das schönste von Melbourne war.
Vielleicht lag es an der Saison, der Uhrzeit, oder sonst was. Jedenfalls war die Stadt voll. Total überlaufen und ne Menge Verkehr. Mich zog es dann schon bald zum „Yarra Fluss“, um diesen zum Meer entlang zu fahren. Aber auch hier, höllen Verkehr an Fußgängern und Radfahrern. Purer gefährlicher Chaos und wenig Respekt. Ein Kreuz und Quer auf dem Rad-/Fußweg. Ich hatte bald schon genug und verzog mich wieder in einen der hübschen Parks und schließlich auf verschiedenen Radwegen nach „Hause“. Melbourne angeschaut, Punkt.
Einen angenehmen Abend verbrachte ich mit Kurt und seiner Tochter. Am nächsten Tag fuhren wir wieder auf die Farm (Kiki wieder im Renntempo). Hier blieb ich jetzt alleine für den Rest des Tages eher es am nächsten Morgen gen Alpen ging. Ich genoss noch einmal die Ruhe, den Teich, das Trampolin, die Obstbäume, die Grillen und am Abend die Terrasse.
Am 14.2. also ging meine Fahrt weiter. Anfangs war ich mir noch nicht ganz sicher, wie genau ich Richtung Sydney fahren möchte, denn mir fehlten Informationen bezüglich der „Straßen“-Zustände und Wasser unterwegs. Somit fuhr ich Tag für Tag und entschied spontan. Zuerst aber nach „Warburton“ der „C511“ entlang. Später entpuppte sich die „C511“ als Piste und laut meiner Karte mit wenig Möglichkeiten an Wasser zu kommen. An diesen Tagen war es besonders wichtig für mich, denn es galt etliche tausend Höhenmeter zu strampeln bei Temperaturen über 30 Grad.
Somit entschied ich mich kurzfristig über die nicht-nummerierte dafür aber mit einem Namen versehene „Straße“ (Big River Road) zuerst nach „Jamieson“ und schließlich nach „Mansfield“ zu fahren. Hartes Pflaster!
Auf diesem Streckenabschnitt erlebe ich so einiges! Ich bin einfach nur hin und weg, als wie aus dem Nichts ROTE Papageien mit BLAUEN Flügeln herumfliegen. Dann, ROTE mit GRÜNEN Flügeln! Dann, BUNTE!! Ich kann es kaum glauben!!! Wirklich!! Ich freu mich vor mich hin. Bleibe stehen und bestaune die Vielfalt. Sooooooooooo schön! Ich schmunzle und sage zu mir: „ROTE Papageien mit BLAUEN Flügeln, des gibt’s doch ned!!“ 
Dann, mit etlichen mehr von dieser Sorte, bei einer Abfahrt auf Asphalt, sehe ich eine „Dingo“ aus den Büschen kommen. Als er mich dann sieht/hört, schaut er mich an, dreht sich um und rennt den Hang wieder hinab. Ich schau die Büsche noch hinab sehe aber nur mehr wie er verschwindet. Auch der, sooooo schön goldig! Eine Weile später, eine Schlange, die auf der Straße ein Sonnenbad nimmt. Da ich auf Asphalt fast Geräusch- und Vibrationslos ankomme, entdeckt sie mich erst recht spät. Mir gelingen eine Aufnahme und das Beobachten der edlen Bewegung.
Das Campen in diesem Gebiet einfach ein Traum, wie sehr oft in Australien. Bach, Schatten, Großräumigkeit und Natur pur! Trotzdem muss ich dazuschreiben, dass das Radfahren an sich teilweise brutal anstrengend ist. Die Wärme, die Pisten und die Steigungen. Hin und wieder kommen mir Bilder in den Kopf aus meinen früheren Radlzeiten. Besonders die Erste, von Waldmünchen nach Hongkong. Ich weiß noch genau, wie sehr ich das Bergauf-Fahren und die Pisten verflucht hatte. Damals wäre ich ganz sicher diese Strecken, welche ich jetzt bewusst aussuche, nicht gefahren. Hundert Pro nicht! Manchmal übelste Schotterpisten, megasteile An-und Abstiege, die Wärme und der Staub, den die paar wenigen Fahrzeuge aufwühlen, der einem am verschwitztem Körper kleben bleibt. Hm, ich stelle eine gewisse Leidenschaft fest. 
In „Mansfield“ angekommen, frage ich ein Pärchen, ob sie einen Kontakt aus Warmshowers für mich anrufen könnten, dem ich eine Email geschickt hatte. Es stellt sich heraus, dass sie befreundet sind und es bedauerlicherweise für ihn nicht möglich ist, mich wo unterzubringen. Das Pärchen, weiß aber gleich ne Stelle für mein Zelt und weisen mich dorthin. Ich kaufe noch Lebensmittel für mein Abendessen und ziehe los. Perfekt, ein unbenutzter Sportplatz. Das Wasser aus dem Wasserhahn wird gleich mal meine Dusche und Spender des Wassers für meine Wäsche und später mein Abendessen. Atemberaubend das Schauspiel über mir. Weiße „Cockatoo´s“ (Weißhaubenkakadu´s) und lachende „Kookaburra“ (Jägerlieste) in den Bäumen. Für mich: Was möchte ich mehr haben?!

Am Abend studiere ich die Karte und entdecke kleine „Straßen“ durch das „Berg-Getümmel“ der australischen Alpen. Ich möchte von hier nach „Myrtleford“ aber nicht wirklich die ganze Strecke entlang der „C521“. Somit werde ich bei „Whitfield“ abbiegen, nach „Cheshunt“ fahren, von dort zum „Rose River“ und der „Rose River Road“ entlang zum „Buffalo Lake“ fahren. Perfekt. Sollte klappen, auch das Campen am „Rose“ Fluss.
Am Morgen bin ich ganz aus dem Häuschen und freue mich sehr auf die Strecke. Laut der Karte soll die Gegend vielversprechend sein, was die Landschaft betrifft. Die ersten vielen Kilometer auf Asphalt, teile ich mit paar Rennradlern und sehr wenig anderen Fahrzeugen. Es geht schön angenehm hinauf durch den belebten Wald und dann angenehm rasant wieder bergab. Hinter „Cheshunt“ wird’s wieder schottrig und auch paar Höhenmeter warten auf mich. Ab hier freue ich mich besonders auf mein Camp irgendwo am Fluss „dort“ unten. Nach gut 90 Kilometern ist dann auch Schluss. Ich nehme ein Bad, fülle meine Flaschen auf, „wasche“ mein Shirt und genieße das Sein.
Ab hier soll es nach „Myrtleford“ einfach dem Fluss entlanggehen. Zwar auf Schotter, aber gut fahrbar. Ich darf einen riiiießegen Hirschen sehen und mal wieder hunderte bunter Vögel. Von Rot über Blau bis Grün. Am „Buffalo See“ sehe ich etliche Pelikane. Früh am Mittag rolle ich in die Stadt ein. Entspannt genieße ich mein Mittagessen im Schatten und Vogelgeschrei der weißen „Cockatoo´s“. Bis nach „Bright“ sind es nur mehr um die 30 Km, wo mein Gastgeber „Jon“ auf mich wartet. Es geht einer alten Bahnstrecke supereasy dahin. Zwar leicht ansteigend aber kaum spürbar. Das einzige was ich spüre sind die an meinem Tacho anzeigenden 42 Grad. Das Einzige was hier hilft ist, fahren!
Im sehr hübschen „Bright“, dem Vorort der Alpen, springe ich in den Fluss und kühle mich ab. Paar andere Besucher, tun das Gleiche im angelegten Wasserpark. Echt, sooo toll angelegt!
Bei Jon bleibe ich für zwei Nächte. Er lebt hier seit wenigen Jahren und er sagt, dass er regelrecht aus Melbourne geflohen ist. „Kaum auszuhalten. Da wird man ja krank!“ Er staunt selber, dass er es dort über 45 Jahre ausgehalten hat.
An meinem „freien“ Tag organisiere mir mein Geburtstags Geschenk. Etwas verspätet, aber gute Idee braucht eben Zeit zur Reife  So, geht’s von Sydney zuerst nach Bali, eher ich von Singapur den Flieger gen Europa nehme. Meinen lang ersehnten Wunsch „Surfen“ zu lernen, möchte ich mir erfüllen. Wo sonst, wenn nicht Bali? Ich checke als Flieger, Unterkunft und Surfschule. Bingo, alles ganz nach meiner Vorstellung. Als hätte es so sein sollen.
Positiv aufgeregt und höchst zufrieden, verlasse ich Jon sein Zuhause und gehe dem Fluss entlang in die Kleinstadt. Wie sehr es mir hier gefällt! Wasser, Berge, Vögel, Bäume und alles andere auch wie z.B. ein Supermarkt. Dort kaufe ich kunterbunt für mein Mittag ein und spaziere zum Park mit öffentlichem elektrischen Grill und Picknicktischen. Hab ich schon erwähnt, wie sehr mir dieses „Outdoor-Picknick“-Konzept gefällt?! Ouh man!! S U P E R!
Auf den Grill lege ich paar Scheiben Brot, bereite nebenher meinen Salat und freue mich über ALLES bis auf die Fliegen. 
Den Abend klinge ich fein mit Jon aus. Wir schweifen in der „Rad-Welt“ herum. „Fahren“ in Tibet, Alaska, Südamerika und Europa herum. Tut gut jemanden zu haben, der ähnlich tickt. 
So und jetzt das Highlight! Von hier aus geht es der „Great Alpine Road“ hinauf auf 1845m!! Das heißt 1600m am Stück (auf Asphalt). Leute, wie ich mich drauf freue! Kaum waren am Morgen die Augen auf, wollte ich nur noch los! Reichhaltiges Frühstück, „Goodbye“ Jon und los. Shui rennt wie ne Eins. Die ersten 20 Kilometer leicht ansteigend vorbei an „Germantown“ und „Freeburgh“. Ab „Harrietville“ wird’s ernst! Anfangs noch mit bis zu 11 Prozent Steigung wird’s dann kontinuierlich zu 5 Prozent. Einen Fuchs entdecke ich in freier Wildbahn während es Meter um Meter hinauf geht.
Es geht verdammt gut vorwärts. Diese Idee, hierlang zu fahren, hatte ich bereits in Tasmanien. Und JETZT war ich da!! Von der Idee im Kopf zur Umsetzung mit den Beinen.
Die Aussichten waren für längere Zeit beschränkt doch als es dann bereits auf über 1000m ging, konnte man erblicken wohin der Weg ging. Ich fühlte mich im Element! Ich spürte mich. Echt, soo toll! Nach insgesamt 4 Stunden war ich oben, beim „The Cross“. Drei Stunden reine Fahrzeit. Welch eine Leistung für den Körper und Geist! Ich bewundere das Leben und die FunktionEN und Möglichkeiten des menschlichen Wesens.
Nach einer Weile, rolle ich ein Stück hinab in das alpine Dorf „Hotham Heights“ (Nur im Winter zur Ski-Saison bewohnt). Ich fülle meine Wasserflaschen auf und rolle weiter bergab. Kurz darauf auf der rechten Seite kommt eine Wasserstelle und bald der kostenlose Campingplatz „J.B. Campingground“ mit einer leerstehenden „Not-“Hütte.
Ich glaube es wird recht frisch in der Nacht und entscheide mich in der Hütte zu nächtigen. Was mich die Tierchen Tasmaniens gelehrt hatten, verwende ich tag täglich. Proviant Taschen aufhängen! Ich bin überrascht als nach der Dämmerung die Possums aus dem Dach herauskriechen. Insgesamt vier Stück. Sie durchschnuffeln den Raum und als sie feststellen, dass nichts Greifbares dabei ist, suchen sie draußen nach Futter. Gegen 5 Uhr früh, kamen sie wieder zurück und gingen zu Bett. Wie süß..  Ha ha ha.
Ich verabschiedete mich bei allen Einwohnern der Hütte und rollte hinab nach „Omeo“. Hier kaufte ich paar Utensilien ein, packte Shui und radelte weiter der „C545“ entlang. In „Benambra“ frage ich beim Tankwart nach Wasserinfos auf meiner Strecke. Mit einem Lächeln hört er mir zu und als ich ihn frage warum er schmunzelt sagte er: „Du weißt schon, das sind 76 km Schotter und über 1500 hm!“ Ich antworte schmunzelt: „Ja, das ist auch gut so, ich freu mich darauf!“
Hinter „Benambra“ noch 10km Asphalt und schließlich die 76km harter Schotter mit einem ständigen „Up and Down“. Kurz bevor ich den Asphalt verlasse, erkenne ich noch rechts vor mir einen „Wildhund“ in den Wald verschwinden. Vor „Benambra“ hatte ich etliche dieser Tierchen, sichtlich Räuber, an einem Baum hängen gesehen. Lebendig gefiel mir dieser besser.
Nach etlichen Kilometern campiere ich malerisch am Fluss und setze meine Fahrt am nächsten Tag fort. Begleitet von kunterbunten Vögeln nehme ich dann den 1400m Berg unter die Pedale. Prächtig geht es hinauf. Meter um Meter. Ziemlich oft veranstalten die verschiedenen Vögel einen Zirkus, der mich zum Lachen bringt. „Ob sie spielen oder es um was Ernstes geht?“ frage ich mich. Ganz sicherlich ernst ist die Begegnung mit einer, ich denke „white lipped snake (=Weißlippenschlange), auf meinem Weg hinauf. Unbewegt liegt sie mitten am Weg und sonnt sich. Von paar Metern Entfernung erkenne ich sie. Ich fahre an ihr mit Distanz langsam vorbei. Ich bin neugierig. Parke Shui ein Stück weiter und kehre mit Respekt zurück. Mit einem langen Stecker bringe ich sie zum Bewegen und bestaune die Eleganz der Bewegung. Kurz darauf ist sie verschwunden und ich rolle weiter, denn wenn ich mich nicht bewege schwitze ich umso mehr aus jeder Pore und der Staub der wenigen Fahrzeuge, klebt schön an Beinen, Gesicht und meinem weißen Shirt. Dennoch: bester Laune erreiche ich früh mittags das Ende der Schotterpiste und entscheide mich viel früher als sonst am „Staceys Bridge Campground“ Halt zu machen, zu Baden, Kaffee zu trinken und den ersten Teil meines Berichts zu tippen. Später bekomme ich von einem Pärchen Besuch, doch leider verstehe ich kaum etwas, denn sie sprechen in einem starken Dialekt. Die Frau von dem zu mir sprechendem Herrn, sagt zu ihm folgendes, dass ich ganz sicher verstanden habe: „Er versteht wohl kein Englisch. Oh, vielleicht nur schlecht!?“ Ich antworte in einem ganz klaren Englisch: „Ich verstehe und spreche Englisch, doch Euch tue ich mich schwer zu verstehen.“ Wir alle Lachen und sie bemühen sich sichtlich in ihrer Aussprache.
Die Nacht verbringe ich nur in meinem Moskitonetz sprich ohne Verdeck meines Zeltes. Ich betrachte mal wieder den Sternenhimmel und die Blutsauger, die auf dem Netz sitzen. Sehr schöne Stimmung mit den Grillen im Hintergrund, paar Vögeln die noch umhersingen und das Blinken der Sterne.
Meine Fahrt geht weiter nach „Corryong“. Einen “Emu“ treffe ich unterwegs. Meinen ersten auf dieser Reise. Danach, hab ich recht bald die Kleinstadt erreicht. Verfrühtes Mittag und Einkaufen für die nächste Etappe. Anfangs zeigte sich der Himmel schön bedeckt und die Temperaturen somit sehr angenehm zum Radfahren (22 Grad). Doch DANN, als es in die Berge in Richtung „Kosciuszko National Park“ ging, reiste der Himmel auf und beschenkte die Erde mit bis zu 42 Grad!!!! Früher als gedacht waren meine Trinkflaschen leer. Nach nur 30 Km und knapp 700 hm hatte ich über 2 Liter getrunken. Durchgeschwitzt stand ich da, an der Tankstelle in „Khancoban“, wo ich mich so wie ich war einfach mit Wasser übergossen und gleichzeitig meine Trinkflaschen wieder aufgefüllt hab. Der vorbeigehende Herr mit Dialekt und Cowboy-Hut fragte mit einem Schmunzeln: „Bisschen warm heute oder?“
Ich wollte heute noch unbedingt zu dem „Geehi“- Zeltplatz fahren, den ich mir vorgenommen hatte. Ansonsten wäre der nächste Tag viel zu anspruchsvoll und evtl. noch superheiß als Zusatz.
Also fuhr ich Klatschnass mit vollen Trinkflaschen los, Ca. 30 Kilometer und weitere 700 hm. Mit kleinen „Zielen“ motivierte ich mich die Fahrt entlang. Stück für Stück sozusagen. Als ich dann sichtlich und spürbar weiter oben war, konnte ich bereits auf den höchsten Berg Australiens blicken. „Mt.Kosciuszko“ mit 2229m, benannt nach einem polnischen Patrioten. Wie froh war ich, als es bergab ging! „Nur nicht mehr bergauf BITTE!“ wünschte ich mir.
Ich kam zum idyllischen -und kostenlosen- Zeltplatz „Geehi“ und das erste was ich tat, war in den Fluss zu steigen. Samt Kleidung! Ich war erschöpft! Das kalte Wasser war sooooo wohltuend! Ich legte mich rein und blieb bisschen liegen. Kochwasser nahm ich dann am Rückweg mit. Ich freute mich jetzt auf meine superguten Spaghetti mit allerlei!
Wieder gestärkt und entspannt genoss ich das abendliche Ambiente mit zig wilder Natur. Große und kleine Kängurus kamen zu Besuch. Hier nächtigte ich auch nur in meinem Moskitonetz. Einer der Vorteile: ich werde gleich mit dem ersten Tageslicht wach. Dies war auch mein Gedanke, denn der darauffolgende Tag sollte sehr sehr sehr anspruchsvoll werden!
Bereits eine Stunde früher als sonst bin ich gestartet, sprich um ca. 8 Uhr. Damit ich ja in den „kühleren“ Stunden radeln konnte. Insgesamt 48 km, 1750 hm warteten auf mich. Nach nur (sehr) wenigen Kilometern schwitze ich wieder aus jeder Pore. Hier hatte es wohl bisschen geregnet und es dampft richtig. Es ist unangenehm schwül. Obwohl mein Tacho nur 16 Grad zeigt, fühlt es sich an wie über 30. Fast kein Verkehr, guter Asphalt, faszinierende Natur des National Parks aber diese steilen Passagen!! Bis zu 15 Prozent Steigung geht’s hinauf und das nicht nur für ein kurzes Stück! Minimum 8 Prozent, Durchschnitt 10! Ich bin fix und fertig! Mehrere Pausen muss ich einlegen, Datteln und Nüsse in den „Ofen“ nachwerfen. Ein Motorradfahrer bleibt stehen und fragt ob alles gut ist. Als ich dann erahne, dass es bald geschafft ist, komme ich in „Sibirien“ raus. Eine Gebietsunterteilung der lokalen Waldbehörde. Oben, mache ich letztendlich meine verspätete Mittagspause mit vollem Genuss und Zufriedenheit obwohl die Beine schon starke Signale schicken, dass das jetzt eine extreme Erfahrung war. Tage zuvor bin ich ja ähnliche Distanzen geradelt. Mit Leichtigkeit! Es spielt eben der Grad der Steilheit eine große Rolle.
Phuuu..ich atme aus und freue mich einfach nur. Noch bleib ich bisschen am „Dead Horse Gap“, der „Passhöhe“ sozusagen auf 1600m eher ich hinunter rolle nach „Thredbo“. Einer der größten Skigebiete Australiens. Hier hab ich das Glück, bei „Michael“ aus Warmshowers bleiben zu dürfen. Meine Idee ist nämlich den höchsten Berg zu erklimmen. Dieser Ort ist der perfekte Start. Leider regnet es am kommenden Tag. Wobei, leider? Ich kann den Tag Pause wirklich gut gebrauchen. Somit faulenze ich ausgiebig. Michael stellt mir ein Zimmer mit Panorama Ausblick auf den National Park zur Verfügung. Perfekt um zu Regenerieren.
Dann ist es soweit. Das Wetter ist stabil. Zwar bewölkt aber trocken. Recht schnell ist der Gipfel des „Mt.Kosciuszko“ (2228m) erreicht. Man wandert bzw. spaziert fast nur auf Stahlplattformen. Der letzte Kilometer ist dann Schotter. Als ich oben ankomme, wird das „Gipfelkreuz“ soeben erst gebaut. Die Ausblicke sind aufgrund der Wolken mäßig aber das was man sieht, sieht echt nicht aus wie Australiens. Mehr so wie Schottland oder Irland (war ich zwar noch nie aber stell ich mir vor  ).
Nach also drei Nächten bei Michael, fahre ich sehr gut fühlend nach „Jindabyne“. Hier kaufe ich meine vorderen Packtaschen wieder fast voll. Von hier geht es nämlich auf dem „Snowy River Way“ über „Dalgety“ nach „Bombala“. Wie es sich herausstellt, eine sehr sehr sehr einsame Gegend mit sehr wenig Wasser. Wo ich noch umhüllt war von Wäldern und Bächen, war jetzt, nur geschätzt 30km Luftlinie, so ne Art Dürre. Steppenland, auf einem 900m Höhe Plateau, soweit das Auge reicht. In der Stunde vielleicht grad mal zwei Autos die mich passieren. Gegen Ende des Tages mache ich mir ernsthaft Gedanken woher ich denn Wasser bekommen könnte. Laut meiner Karte sind zwar paar Bachläufe eingezeichnet, aber in Realität sind sie trocken.
Von weitem sehe ich zwei parkende Straßenarbeiter-Autos. Kurz bevor sie wegfahren, frage ich sie ob sie bisschen Wasser übrighätten. Leider sind auch sie leer. Geben mir aber die Info, dass es einen Fluss gibt, der ganz sicher Wasser hat. „Noch ca. 5 km und nach dem kommenden Hügel nur noch alles bergab.“, wird mir mitgeteilt. Ha ha.. ich sagte zu mir: „Also ca. 10 km und viele kleine Hügel.“ Und was war??? 12 km und nur die letzten 2 km waren bergab. Ha ha ha.  Bei dem Wasser hatten sie aber recht. Dort campierte ich dann auch samt Badewanne mit Froschquaken und Kornfeld als Tapete. Früh morgens werde ich von den wärmenden Sonnenstrahlen geweckt. Sooo ein schöner Morgen! Die Sonne über dem Kornfeld goldig leuchtend. Der laue Wind bewegt den „Teppich“ und die Vögel untermalen diesen „Film“. Echt, was Besonderes!
Mittags rolle ich in „Bombala“ ein. Bei meiner Mittagspause hier, entdecke ich tatsächlich „Flughunde“ in den Baumgipfeln hängend. Unglaublich was es hier alles zu sehen gibt! Die hängen tatsächlich mit dem Kopf nach unten und umhüllen sich mit ihren Flügeln! Krasse Vögel!
Weiter geht es mal wieder stark hügelig durch mittlerweile wieder Grünes. Etliche verschiedene Vogelstimmen gibt es nebenher zu hören. Ich weiß nicht, ich bin immer gleich so begeistert und frohen „Ohres“ wenn ich dieses Gepiepse und Singen höre. Es lenkt mich tatsächlich positiv ab.
Die Temperaturen steigen auch unweigerlich, denn ich verliere an Höhe. Ich habe mich nämlich entschieden ein Stück der Küste entlangzufahren. Bevor ich aber an diesem Tag ganz hinunterfahre auf Meereshöhe, stoppe ich für die Nacht in „Wyndham“. Selbst in einem Dorf wie diesem, gibt es die Möglichkeit kostenlos und legal sein Zelt aufzustellen. Picknicktisch- und Bänke stehen zur Verfügung. Wasser aus dem Bach. Schatten von den Bäumen. Was braucht man mehr? Diesen Service werde ich oft vermissen!
Ab ans Meer! Nur 30 km und das meiste in sehr flottem bergab-Tempo. So erreiche ich recht bald die Küstenstadt „Pambula“. Das allererste was ich unternehme: Schwimmen und auf den Wellen schweben. Ich stelle fest: dass es hier viel heller ist, als wo ich in den letzten Tagen unterwegs war. Die Sonne, das Meer, der Sand. Ganz was anderes!
Mal wieder nehme ich den Service in Anspruch, der kostenlosen „Strom-Grill´s“ für mein Mittag. Ich weiß nicht wie oft ich davon jetzt darüber berichtet habe, aber es begeistert mich eben jedes Mal aufs Neue! 
Am Nachmittag fahre ich zu „Justin“ aus Warmshowers. Er ist gerade damit beschäftigt, sein Leben umzukrempeln. Das heißt, vieles Entsorgen/Weitergeben, das er gar nicht braucht. Das Haus zu verkaufen und nur mehr in seinem Campingwagen zu leben. Den Abend verbringen wir, in dem Justin erzählt und erzählt, auch Geschichten, die nicht wirklich für mich interessant sind und ich dann kurz vorm Einschlafen, aufstehe und mich verabschiede. Kann also auch anstrengend sein so ein Besuch.
Es wartet auf mich die Straße wieder! Ich rolle los und bin gleich mal von den Socken! Soooooooo viel Verkehr! Es ist so furchtbar laut, ich höre nicht mal die Reifen am Asphalt und teilweise ist es gefährlich eng! Ich habe kaum Gefallen an der „A1“. Um die Sache kurz zu machen. Ich wollte eigentlich ca. 400km der Küste entlang radeln. Insgesamt waren es um die 160km und viele Höhenmeter. Ein ständiges Auf und Ab! Von diesen 160km hat man auf nur ca. 11km Sicht auf das Meer, mehr nicht. Die einzig hübsche Stadt für mich war „Narooma“. Davor kann man auch auf der Straße „no.9“ den meisten Verkehr umgehen und danach auf der Straße „no.5“ bzw. einem Radweg entlang des Meeres für ein kurzes Stück. Dennoch gab es was zu sehen: in „Narooma“ kämpften Robben, Kormorane und Rochen um die Überbleibsel der gefischten und ausgenommenen Fische. Ein Spektakel dieser Wasserwelt!
Weiter als „Moruya“ bin ich nicht an der Küste geradelt. Mein „Fluchtplan“ waren die idyllischen Berge. Bald kam ich auch schon in den „Deua National Park“. Zwar auf Schotter, aber diese Ruhe, die Luft, die Harmonie der Natur!! Ich hörte auf einmal den Untergrund worauf ich rolle, die Vögel piepsen, den Wind in den Bäumen, den Fluss fließen. Also echt, hier war ich richtig. Nach guter Distanz erreichte ich auf einen der drei Wald-Campingplätze (6$). Ein genüssliches Bad im „Deua“-Fluss und herrichten des Lagers. Ich sags euch… hier spielten die Vögel ihre eigene Musik. Noch nirgends hatte ich so ein kunterbuntes Konzert wie hier. Umso seltsamer kam es mir vor, dass die Nachbarn einen Radio laut spielen hatten und sich dann noch über den „ganzen“ Wald hindurch laut unterhielten. Sowas verstehe ich nicht. Der weite Weg auf Schotter und unwegsamen Gelände, raus aus Stadt und Verkehr, und dann baut man sich wieder eine „Barriere“ auf. Statt zu lauschen und sich zu öffnen bzw. sich mit der Natur zu vereinen, im Einklang sein. Vielleicht bin ich ja nur so sensibel!?
Jedenfalls ging es am nächsten Tag auf Schotter weitere 20km weiter bis nach „Araluen“. Sehr hübsch gelegen in einer „Valley“. Umringt von den 900er Bergen sozusagen. Auf dieses Plateau ging auch meine Strecke. Mit krassen (mindestens!!) 10%, 600m hinauf am Stück!! Ohne Erbarmung ohne Hilfe! Einfach nur Krass. Aber machbar! 
Kaum war ich dort beim Ausrollen und Schnaufen, werde ich Zeuge vom Boxkampf des Jahres oder meines Lebens. Zwei Kängurus schenken sich nichts! Anfangs dachte ich, dass sie nur so rumtanzen und erfreute mich das zu sehen. ABER, nach dem ersten Kick war mir klar, da geht es nicht um einen Grashalm und es gibt’s keine halben Sachen! Richtig brutal mit heftigen Stößen und meterhohen Sprüngen. In den Bauch, den Kopf, egal wohin. Hauptsache „gewinnen“, mir scheint. Blutige Ohren und Schnauze, kein Grund aufzugeben! Krass! Als der Eine den anderen zu Boden kickt wird ihm kein Sekunde gegeben um zu verschnaufen. Sofort gibt’s einen Sprung auf den Bauch oder Rücken. Oh man!! Und ich stand einfach so da und sah zu, filmte und fotografierte. Etwas verschreckte sie und sie hüpften beide davon. Wie es also ausging…?
Ich konnte es erstmal kaum fassen, was ich da jetzt beobachtet hatte. Teils war ich erstaunt und teils musste ich lachen. Als ich mich wieder fing, fuhr ich nach „Braidwood“. Hier ähnliches Szenario wie auf der Küste auf der „A1“. Mega viel Verkehr auf der „B52“ in Richtung „Canberra“. Mein vorrübergehendes Ziel aber war „Goulburn“. Das heißt, ich könnte ein Stück mit dem Verkehr mitfahren und so einen Großteil der Schotterpiste umgehen und Kilometer „sparen“ oder aber ich pfeife auf all dies und begebe mich auf die „natur“-liche Route. Ha ha ha… und wie sich das entwickelt hat, brachte mich zum Schmunzeln. Beim Verlassen der Stadt war ich guter Hoffnung, dass die 9 Kilometer nicht so schlimm sein werden, um dann auf die ruhigere Straße abzubiegen. Doch alles kam anders. Noch kurz vor dem Ortschild, als ich nur wenige Meter den Höllenverkehr neben mir hatte, bog ich unbewusst ab in die ruhige Schotterpiste. Es fühlte sich an wie ein Stein vom Herzen gefallen, echt! So eine Erleichterung! Natürlich war der folgende Weg ganz und gar nicht einfach aber definitiv es Wert! Sandpiste, Waschbrett, Flussdurchquerung und einigermaßen guter Schotter zum Fahren. Aber, auch durfte ich einen riesigen „Waran“ erblicken und beim Baumkraxeln beobachten. Später dann, auf der Suche nach einer Wasserquelle und Schlafplatz, blieb nur mehr der Wegesrand direkt am Zaun übrig. Und hinter dem Zaun ein kleiner Damm mit Wasser für die Farm. Perfekt zum Baden und für das Kochwasser.
Am nächsten Tag kam ich dann ja in „Goulburn“ raus. Befüllte meine Provianttaschen und Trinkbehälter, updatete Familie und Freunde und fuhr weiter Richtung „Blue Mountains“. Ab hier spielte das Wetter auf einmal andere Regeln. Herbstlich! Starke eiskalte Winde! Bewölkter Himmel. Einerseits freut es mich das in Australien zu erleben, andererseits, ists schon ungemütlich zu radeln bei diesem Wetter. Dennoch, es geht gut vorwärts und warm halten kann ich mich nur, wenn ich in Bewegung bleibe. Das Thermometer macht bei 11 Grad Schluss. Okay, vielleicht auch deswegen, weil ich mich nur mehr auf über 1000m aufhalte. Die erste Nacht verbringe ich im kleinen historischen Ort „Taralga“ inmitten eines Reitstalls. Shui stelle ich über Nacht in eine Pferdebox, nicht, dass er mir noch davonrennt. 
Die Fahrt am Tag (11 Grad) wieder mit starkem eiskalten Seitenwind, wenig Aussicht und dunklen Wolken. Der Wind weht genau aus der Richtung, dass es mir meine kurze Hose gen Hüfte schiebt. Es sieht aus, als würde ich in einer Unterhose radeln. Ha ha. Sonst bringt der Wind noch die Blätter zum Fliegen und lässt die Vögel blitzschnell in der Luft surfen. Am frühen Nachmittag mach ich Schluss. Ich brauche Rast und Wärme. Diese finde ich in „Black Springs“. Hier darf man offiziell Campen, einfach am grünen Rasen vor der Ortschaft. Super! Toiletten, Picknicktische und Wasser. Perfekt. Es tut gut, früher zu pausieren. Ich wärme mich auf und verbringe den Rest des Tages mit dem Beobachten von Vögeln und den Wolken, die immer heller werden. Kurz bevor es Abend wird, zeigt sich der blaue Himmel und später die Sterne. Beim Kochen meines Kraftessens, kommt ein Fahrzeug angerollt und der Fahrer grüßt mich freundlich durchs Fenster. Während ich zubereite, unterhalten wir uns nett. Kurz darauf überreicht er mir zwei kalte Dosen Bier. OUH YEAH! Welch eine Freude und Geste!
Eine friedliche frische (8 Grad) Nacht auf 1230m verbringe ich. Schlafe sogar länger als sonst (ob das am Hopfen liegt? ) Von hier fahre ich weiter nach „Oberon“ und schließlich nach „Hampton“. Insgesamt 50km aber doch knapp 800hm an diesem Tag. Ich fühle, dass ich meine letzten Tage in Australien, mehr der Natur und Wahrnehmung widmen möchte, als dem Kilometer abspulen und früh in der Stadt ankommen. Somit bleib ich auf dem grünen Rasen (ähnlicher Service wie in „Black Spring“) mit Toilette und Picknicktisch kurz vor „Hampton“ und lebe mein Leben wie es ist. Wasser bekomme ich von meinen Nachbarn, die mit ihrem Campingmobil umherreisen. Es ist wunderschön. Zwar für australische Verhältnisse sehr kalt (15 Grad am Tag) aber gut gekleidet verbringe ich den gesamten Nachmittag am Picknicktisch. Vor mir jagen die kunterbunten Vögel kleine Insekten aus der Luft (teilweise spektakulär Flugmanöver!) oder verfolgen sich verrückt durch die Baumwipfel. Ich höre manchmal nur, wie sie an mir vorbeidüsen und kurz darauf erst erkenne ich wer wohin geflogen ist. Dieses Vogelparadies werde ich auch stark vermissen. Nirgends sonst hatte ich solch ein „Kino“.
Auch hier finde ich guten Schlaf und ein Morgenkonzert mit Vogelgesang. Später am Tag komme ich in die extrem touristische Stadt „Katoomba“. Sozusagen DAS „Blue Mountain“-Anlaufziel Nummer 1. Aaaaber! Ich möchte nicht verschweigen wie sehr steil und eng und laut und stinkig die Auffahrt hierher war. Einfach nur brutal! Jeweils zweispurig und nur ein schmaler Seitenstreifen. Steigungen länger anhaltend mit 12% und genau an diesen Stellen GAR KEIN Seitenstreifen!!!! Bis zum kleinen Zeh bin ich durchgeschwitzt. Alles hochgefahren! Als Dank für die Strapazen die sensationellen Ausblicke auf die Berge. Wirklich sehenswert! Auf einer kleinen Aussichts-Plattform bin ich ganz allein und stärke mich mit Obst und Nüssen. Auf einer anderen, sieht man Gesichter aus der ganzen Welt. 
Von hier solls fast nur mehr bergab in die Ebene von Sydney gehen. Zwar gibt es noch steile Gegenanstiege aber nur von kurzer Dauer. So erreiche ich dann am Nachmittag kurz vor „Linden“ einen Platz, an dem man auch legal kostenfrei campen kann. Diesmal sogar mit kalter Dusche! Spitze, echt! Idyllisch umringt von Bäumen, baue ich mein Zelt auf. Lausche ausgiebig der Natur und reflektiere den Tag, die Wochen und genieße meinen Kaffee.
Mein vorletzter Radtag steht an. Zuerst geht’s lange bergab. Von weiten kann ich bereits die Skyline von Sydney erkennen. Luftlinie ca. 60km. Ich unternehme aber noch einen Umweg ins Grüne. Halt, zuerst ersetze ich eine gebrochene Speiche des Hinterrads an einer Tankstelle. So, jetzt geht’s einmal entlang der Bergkette zum „Bent´s Basin“-Erholungsgebiet. Laut meiner Info ist auch dort das Campen kostenfrei. Früh am Nachmittag erreiche ich diesen malerischen Platz mit natürlichem See und reichlich Platz für allerlei. Einen Nachmittagsschlaf auf der Parkbank genieße ich zuerst. Danach ein erfrischendes Bad und Kaffee. Eine echte Oase am Rande der Großstadt. Der Ranger kommt zu Besuch. Wir unterhalten uns nett. Er ist sichtlich neugierig über meine Reise. Und ich bin sichtlich interessiert ob man hier kostenfrei campen darf oder nicht. Er meint es kostet 17 australische Dollar. Phuu! Nach einer Weile, nachdem er seiner Arbeit nachgegangen ist und wieder zu mir herkam, meinte er: „Ach weißt du was, stell dein Zelt einfach dort zwischen die anderen Zelte, dann sollt das schon passen bis morgen. Spätestens um 11 Uhr morgen solltest du aber weg sein.“ Haha. Jawohl Herr Ranger!
Die restliche Zeit bleibe ich aber noch am See. Dann, am Abend schiebe ich Shui zum eigentlichen Zeltplatz. Hunderte Zelte! Eine christliche Gemeinschaft hat hier den Platz für das Wochenende reserviert. Na Servus! Ohrstöpsel sind heute Gold wert! Ab 22 Uhr ist es aber angenehm leise. Um 6 Uhr früh ists vorbei mit Schlafen. Ich bleibe noch liegen, denn es regnet. Später, als es aufhört zu tröpfeln, krieche ich aus dem Zelt, packe es nass ein und rolle zum See. Frühstücke in der Naturidylle und bereite mich auf den letzten Radtag in Australien vor. Es geht nach Sydney!
Kilometer um Kilometer komme ich näher. Damit Verbunden ist auch der Verkehr. Es hält sich angenehm in Grenzen in den Vororten. In „Glenfield“ steige ich aber in den Zug für 11 Stationen. In „Green Square“ steige ich aus. So, jetzt die Aufgabe: Eine Fahrradschachtel für Shui-Transport im Flieger organisieren. Auf meinem Handy hab ich viele Bikeshops markiert. So fahre ich einen nach den Anderen ab. Drei Stunden und etwa 20 Kilometer später hab ich eine! Phuuu.. Ich bin echt geschafft von Ampeln, Schlaglöchern, Regeln, Autos, etc.. frohen Herzens radle ich zu meinen Gastgebern „Jess & Rob“. Die beiden hab ich auf meiner Wanderung in Tasmanien kennengelernt. Schon sehr angenehm, wenn man die Leute davor kennt. Es tut sooooo gut bei ihnen anzukommen. Ich erhalte ein eigenes Zimmer mit einem riiiiesigen komfortablen Bett. Oh man!! Ruhe im Garten, guter Kaffee und nette Gesellschaft. Ich fühle mich echt wohl hier!
Tag später entführen mich die beiden ans Meer. Wir surfen die riesigen Wellen mit unseren Körpern, genießen frischen Fisch und beobachten das Leben am Strand. Echt echt toll! Und die Farben!! Tag später erkunde ich das Zentrum der Stadt. „Manly Beach“, Opera Haus, die Brücke, den botanischen Garten, Hydepark und viele kleine Gassen. Hätte ich nicht gedacht, aber Sydney gefällt mir echt gut! Ganz besonders, weils hier all die Vögel gibt, die ich auch sonst auf der Reise hatte. Sogar drei „East Water Dragons“ darf ich erleben. Ich bin überglücklich und total aus dem Häuschen als ich später fliegende Flughunde nach Sonnenuntergang entdecke! SOOOOO TOLL!! Irgendwie spüre ich in der Stadt ein Flair wie in meinem geliebten Hongkong. Im botanischen Garten sitze ich für Stunden und schaue! Dies und das. Auch meine Gedanken beobachte ich. Sehr positiv. Zufrieden!
Definitiv möchte ich nochmal hierherkommen (ich stelle mir auch bereits vor, warum). Den Abend verbringe ich gemeinsam mit „Jess&Rob“. Soo viel Wert, so liebe Menschen zu kennen, die einem blind Vertrauen und so großzügig sind.
Eher es für mich nach Bali weitergeht, genieße ich noch ihren Garten, guten Kaffee, reflektiere und freue mich auf einen Wechsel. Besonders von Rad aufs Surfbrett.  Somit „Goodbye Australia“ und „Selamat Datang Bali“!

Derzeitiger Stand:
4432 km
264:08 h
54871 hm

Herzlichst,
Piotr