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>>Wenn wir das Wunder einer einzigen Blume klar sehen könnten, würde sich unser ganzes Leben ändern.<<
Buddha

 

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Cali + Hawaii
Tasmanien
Australien

Cali + Hawaii

Eigentlich sollte ich jetzt irgendwo in Skandinavien in meinem Toyotahaus leben und von ihm aus Tagestouren auf den Ski unternehmen. Polarlichten anschauen, die Ruhe genießen und einen echten Winter erleben. So zumindest war die erste Idee als ich noch im Sommer beim Guiden überlegt hatte: wohin nach der Saison?
Jetzt, sitze ich 12 Kilometer über dem Pazifik und habe soeben die internationale Datumsgrenze überquert. Es war in Honolulu noch der frühe Morgen des Heilig Abends, als der Flieger abgehoben ist. Nach nur 3,5 Stunden Flug ist es bereits der 25.Dezember. Verrückt diese "Zeit-Maß-Erfindung".
Die Idee der neuen Radreise entstand wie immer: ein Interessensreiz plus ein weiterer Interessensreiz. Auch, die Einsicht, dass ich meinen Toyotahaus erstmal wintertauglich vorbereiten hätte müssen. Da er aber noch keinen einzigen Winter in seinen 32 Jahren gesehen hatte (bis auf einen kleinen Ausflug), wollte ich ihm das dann auch ersparen.
Also gut, doch wieder Radfahren mit Shui. Mitte September dauerte es mehrere Stunden bis ich alle Einreisebestimmungen der angesteuerten Länder, Gepäck-Richtlinien der betroffenen Fluggesellschaften und schließlich alle vier Flüge beisammen hatte, die mich von A nach B nach C und D bringen würden.
Am Nikolaus-Tag sollte es losgehen.
Bis dahin, ein recht anspruchvolles Leben mit einer ungeheuren Intensität. Ich verreiste zuvor noch für vier Wochen mit meiner Mama nach Thailand und Hongkong. Lies sie das asiatische Flair spüren, der mich seiner Zeit verzaubert hatte. Vier Wochen intensives beisammen sein. Wär hätte das gedacht: entspannend! Vor der Asienreise, organisierte ich noch meine MTB- Bayerwald Sumava Tour, die nächstes Jahr gleich zwei mal veranstaltet wird.
Also, echt viel um die Ohren, aber mit Leidenschaft. So, dass es mehr Freude bereitete als das es eine Belastung war.
Nach nur sechs Tagen nach Thailand, war ich schon im Flieger gen Los Angeles/Kalifornien. Gepäck und Shui waren bereits im Oktober fertig vorbereitet gewesen. Alles verlief reibungslos. Erstmal eine Woche "Cali"-feeling bevor die echte Radreise beginnt. Ich war auf Besuch von Freunden. Zusammen meisterten wir den "Skyline Trail". Von Palm Springs hinauf zum Jacinto. Sprich, von der Wüste in die Wolken. 2500 Höhenmeter am Stück. Er gilt als einer der fünf anspruchsvollsten Wanderwege der USA. Beste Vorbereitung für eine mehrmonatige Radtour, also. Ha ha.
Die "Cali" Zeit war leider viel zu schnell um. Zum Glück gibt es die Speicherfunktion im Kopf und Herz, so dass man die Augenblicke nachleben kann.
Sechs Flugstunden später und den gigantischen Feuern in Kalifornien gut ausgewichen, landete ich in Kahului-Maui-Hawaii. Nach nur kurzer Wartezeit war Shui sammt Gepäck abholbereit und war auch bald startklar. Genau 12 Tage Zeit um die Insel zu Erkunden. Erstmal Einkauf von Proviant für paar Tage und meinen Radkarton wo verstauen (Andrew aus dem Island Biker Fahrradladen behält ihn bei sich für meine Maui Zeit-Danke!). Es geht gleich danach Richtung Osten. Den Schildern also "Hana" nach. Die berühmte (und zurecht) Straße nach Hana. Am Weg dorthin blicke ich bereits hinauf zum Krater des "Haleakala-Vulkans". Mit seiner imposanten Höhe von 3055m, ist es ohne zu Überlegen eines meiner Ziele auf der Insel. Bis ganz hinauf geht eine asphaltierte Straße!
Jetzt erstmal konzentriere ich mich auf die schöne Fahrt durch den Regenwald nach Hana. Übernachte aber vorerst auf schlammigen Boden in den Büschen (da alles abgesperrt ist, steige ich über einen Zaun und schlage mein Lager auf).
Am neuen Tag geht es kurvenreich mit kleinen Hügeln, die es voll in sich haben, vorbei an etlichen Wasserfällen, Blumen und Fruchtständen. Beim Mittag treffe ich auf Thomas aus München. Ein Marathonläufer, Bergsteiger und demnächst sicherlich leidenschaftlicher Touren-Radfahrer. Ohne etwas zu beschließen fahren wir gemeinsam los und sehen wie es sich entwickelt. Beide haben das gleiche Ziel: den Schwarzen Sand Strand (Wai'anapanapa State Park) bei dem man auch Campen darf. "Darf", wenn man sich eine Genehmigung online kauft. Das erfahren wir aber erst, als wir dort sind. Keine Chance für uns, dies online zu erledigen. Somit riskieren wir es, stellen unsere Zelte ohne Zettel auf und ich gehe Baden. Bei Dämmerung werden wir kontrolliert und darauf hingewiesen, die Genehmigung einen Tag später nachzukaufen, sobald wir wo Internetzugang haben. Sooo kompliziert?!?!
Nun ja, am Morgen gehen wir erstmal ausgiebig in der unglaublich schönen Gegend Wandern. Auf Vulkanstein-Klippen sozusagen. Die Wellen sind so gigantisch, dass es bei dem Stoß gegen die Vulkanfelsen, mir es die Haare aufstellt. Soooo powerfull!! Wild und schön! Später fahren wir nach Hana, erledigen kleinen Gemüse-Einkauf und rollen weiter der Küste entlang zu den "Seven Pools" (eigentlich sind es 24!). Auch dort gibt es einen Campingplatz. Dieser ist kostenfrei. Man bezahlt nur den Eintritt in den Naturpark. Für mich 12 Dollar für bis zu drei Tage/Nächte. Wir errichten erstmal unser Lager und wandern anschließend zum "Waimoku" Wasserfall, wo das Wasser 120m in die Tiefe stürzt. Dennoch, ich merke, dass mich der vorherige Bambuswald, den es zu durchwandern gilt, tiefer ins Staunen bringt. Sooooo viel Bambus. Sooo dicht, hoch und widerstandsfähig! Dort hätte ich gerne genächtigt.
Mit Thomas unterhalte ich mich fast ausschließlich über Reisen, Länder und Berge. Er läuft bis zu 6 Marathons im Jahr und besteigt sämtliche hohen Gipfel weltweit. Bereits jetzt, habe ich Lust auf paar dieser Gipfel bekommen.
Ab nächsten Morgen radeln wir getrennte Wege. Thomas fährt zurück und ich weiter entlang des "Hana Highways". Es scheint, dass all der Verkehr nur bis zu dem Naturpark fährt und nicht weiter. Ich treffe den ganzen Tag auf sehr wenig Fahrzeuge. Sobald ich sozusagen im Schatten des Regenwaldes komme, wird die Landschaft trocken und weit. Goldene Gräser, Ausblicke auf das weite Meer und die Nachbarinsel "Big Island". Ich fühle mich TOP! Zufrieden, fit und frei. Diese Gegend hat aber auch ihren Preis: anspruchsvolles Radfahren auf paar Kilometern Piste, kurzen aber steilen Anstiegen, Sonne, kein Schatten und kein Wasser. Gleich zweimal, unabhängig voneinander, halten zwei Autos an und die Fahrzeuglenker bieten mir Wasser an, dass ich mit verschwitztem Körper und großem Grinser dankend annehme. Von dem einem dieser Herren werde ich gleich mal nach Kanada eingeladen und der andere Herr, kann sich gut in meine Situation versetzen, denn er ist diese Strecke auch schon geradelt.
Kaum komme ich aus dem Schatten des Vulkans, treffe ich auf Regenwolken mit Platzregen. Wie aus dem Nichts alles Nass. Und bald scheint wieder die Sonne und kurz darauf gleich wieder das Gleiche, Nass! Nach paar Kilometern Fahrt kommt mir eine Frau zugelaufen und möchte mir fünf Dollar zustecken, damit ich mir im nächsten Kaffeehaus ein warmes Getränk kaufen kann. Wie lieb. Ich lehne dankend ab und meine, nur so lange ich in Bewegung bleibe, ist mir warm. Sie ist einsichtig und schenkt mir stattdessen ein Lächeln und aufmunternde Worte. Tatsächlich, innerhalb von Stunden hatte es abgekühlt: von 36 auf 13 Grad Celsius bei einem Anstieg von 0 auf 1000m!!
Ich finde keinen Platz zum Zeltaufbau, somit klopfe ich an einem Haus und frage nach dem Platz im Garten. Ohne Widerrede darf ich mich dort breitmachen und einen Kaffee aus einem riesigen Becher gibt es dazu. :) Mal was anderes mein Zelt mit leuchtender Weihnachtsdeko rundherum zu sehen, die auf den Bäumen im Garten angebracht ist. Am Tacho stehen ca.70 Kilometer und ca.1800 Höhenmeter. Na Boom – hatte ich nicht damit gerechnet!
Bis hierher konnte ich gut aus meinem ersten Einkauf zerren. Für die nächsten vier Nächte möchte ich noch aufstocken und fahre somit in einen kleinen Supermarkt. Da dieser knapp 1000 Höhenmeter weiter oben liegt, kostet gleich mal alles bisschen mehr. Von hier aus starte ich meine "Vier-Nächte-Krater-Expedition". Die ersten 1300 Höhenmeter fahre ich hinauf zum Ticketschalter für den Naturpark. Es ist das gleiche Ticket, wie ich es vor paar Tagen um 12 Dollar erhalten hatte. Jedoch hatte ich nur mehr einen Tag "gut". Beim gewollten Kauf, werde ich durchgeschwenkt. Es wird mir fast schon jubelnd mitgeteilt "Nur noch 11 Meilen dann bist du oben". "Oben" wäre dann auf 3055m.
Nach wenigen Metern komme ich zum "Haleakala Visitor Center" und erhalte dort die nötige -kostenlose- Übernachtungs-Genehmigung für den Campingbereich im Krater direkt. Auch diese gilt nur für drei Tage.
Ich frage und bitte, Shui und das meiste Gepäck für meine Wanderung irgendwo unterzustellen oder zumindest am Gelände abschließen zu können, aber ohne Erfolg. Diesen Service bieten sie nicht, so die Aussage. Somit bleibt mir nur eines übrig: Shui samt Gepäck irgendwo zu verstecken!
Beim "Hosmer Grove" Campingbereich, den man noch asphaltiert erreichen kann, packe ich nur das nötige ein um zwei Nächte verbringen zu können. Statt Radfahren ist jetzt Trekking angesagt. Eine russische Familie parkt hier kurz, um ein Picknick zu genießen. Noch warme Töpfe von zu Hause werden auf die Tische verteilt und die Deckel abgenommen. Es ist angerichtet und ich werde eingeladen. Kartoffeln, Hackbällchen und rohes Gemüse werden mit den Händen genossen. Das beste Wanderessen sage ich zu ihnen - sie Lachen.
Shui plus Radtaschen verstecke ich hinter einem Zaun im dichten Gebüsch. Mit großer Hoffnung und Vertrauen in das Gute des Menschen, marschiere ich los. Nach 10 Kilometer erreiche ich mein Basislager auf knapp 2100m für die kommenden zwei Tage. Besondere Stimmung für mich, so ohne Shui. Dennoch, ich bin zuversichtlich und bestaune den Sternenhimmel. Ganz klar zu erkennen: der Milkyway!
Nächster Tag: Eine knapp 19 Kilometer Wanderung im Krater mit dem Spiel von Farben, Winden, Nebel, rasiermesserscharfen Brocken und feinstem Sand. Unterwegs treffe ich noch andere Begeisterte und später wieder in dem Basislager. Wir verbringen den frühen Abend zusammen eher jeder sich ein sein Zelt begibt. Statt Sternen gibts heute immer wieder kurze Regenschauer. Der Morgen danach, mein Tag Richtung Gipfel, anfangs von seiner schönen dramatischen Seite und anschließend eiskalt und regnerisch. Kurz vor dem Gipfel wirds so richtig feucht. Ich verpacke mich oben am 3055m hohen Gipfel mit all meinen Kleidern und trampe zurück zu Shui. Alles gut, alles da. Ach wie erleichtert ich bin :)
Hier unten im "Hosmer Grove" Campingbereich auf 2000m ists spürbar wärmer und vor allem trocken. Dies bleibt auch noch den ganzen Nachmittag und die Nacht durch. Ein Vogelkonzert übermalt das Campingleben mit all den Farben der Waldbewohner. Das Gepäck wieder umgepackt, starte ich recht spät am Morgen um den Gipfel jetzt auch noch mit Shui zu befahren. von hier eben diese 11 Meilen und knapp 1000 Höhenmeter hinauf. Mit Leichtigkeit, Freude und totaler Zufriedenheit komme ich recht bald oben an und ziehe mich ganz warm an.
Leider versperren die Wolken auch heute jegliche Fernsicht, so bleibe ich nicht lange und nehme den "Skyline Trail" in Angriff (Auf der anderen Seite hinab.) Eine Wüste aus Steinen, auf der ein sichtbarer Weg hinab geht, triffts eher. Ich lasse Shui vorne und hinten etwas Luft ab. Hin und wieder muss ich kurz Notbremsen und Absteigen, dass ich dann auch mit einer Fotopause verbinde. Ich spüre aber wie sehr mir das gefällt. Statt auf bestem Asphalt runter zu düsen, habe ich mich fürs runterkriechen entschieden. Auch gut so! - Ich komme beim "Polipoli" Campingbereich raus und baue hier mein Zelt für die vierte Nacht meiner "Krater-Expedition" auf. Ach, die Vogelstimmen!! - Was wäre die Welt ohne diese Lieder?!?! Herrlich, echt!
Zufrieden, völlig alleine in diesem Wald mit all seinen Schätzen, so fühle ich mich! Am Morgen danach komme ich recht bald auf eine asphaltierte Straße, die mich zu dem Supermarkt bringt. Jedoch mit einem kleinen Zwischenfall. Teilweise war die Abfahrt sooo steil und ich wurde sooo schnell, dass (ich nehme mal an) aufgrund der Bremswärme (...eher Hitze) auf der Felge, mir es den vorderen Schlauch zum Platzen gebracht hat. Kurzer Eingriff und ich war wieder on the Road. Beim Supermarkt genoss ich einen guten Kona-Kaffee. Dort überlegte ich was ich die restlichen Tage unternehmen wollte. Das Wetter nahm mir die Entscheidung ab. Es schüttete plötzlich (ungewohnt für die Insel) auf der gesamten Insel wie aus Eimern. Sogar auf der Westseite (die meist trocken bleibt). Auf der Nordwest Seite werden ganze Straßen durch Murenabgänge blockiert.
Ich buche mir ein Bett in einem Hostel in Paia und genieße eine nötige Dusche sowie das Wäsche waschen. Es tut sehr gut!
Ab nächstem Tag nur mehr Sonnenschein. Ich folge ruhiger Straßen bis rüber an die Westküste. Halte Ausschau nach Walen und genieße sonst lockeres Radfahren mit Sonnenschein und Temperaturen über 30 Grad. Die Nacht verbringe ich irgendwo in den Büschen eher es nach gutem Schlaf weiter geht in die Nordwestliche Richtung. Ausblicke bis auf die Nachbarinsel "Molokai", riesige Wellen, Surfer, wunderbar-kurvenreiche Strecke mit wenig Verkehr und purer Sonnenschein. Ein Traum, echt!
Meine letzte Nacht steht bevor und dieses Plätzchen hatte ich mir bereits vor paar Tagen gefunden. Fast direkt hinter dem Zaun des Flughafens. Schön eben, sauber, leicht hinzukommen. Die Flieger beim Starten knapp 50 Meter über mir. Ohrenbetäubend laut. Vibrationen bis ins Innerste meines Körpers. Echt Krass! Um Mitternacht ist Schluss. Keine Flieger, kein Lärm, nichts. Bester Schlaf. Ab 6 Uhr Früh fängt das Szenario von vorne an. Ha ha ha.
Meinen letzten Tag verbringe ich fast nur im "Kanaha Beach Park". Ausgiebiges Frühstück, Shui plus gesamte Ausrüstung für die sensiblen Einreisebestimmungen Australiens reinigen, Strandspaziergang und Wellenreiten mit dem Körper. Anschließend Cruise ich durch Kahului und bestaune die "getunten" Fahrzeuge. Sei es einen Meter aufgebockt oder auf paar Millimeter tiefergelegt. Alles dabei. Mit oder ohne Motorhaube. Einem riesigen Auspuffrohr oder mehreren mittelgroßen. Verrückt! :)
Ich fahre bei Andrew aus dem Island Biker Fahrradladen vorbei und hole meinen abgestellten Radkarton ab. Danach zieht es mich wieder in den Park. Dort koche ich mir ein feines Essen zu und lausche guter Musik von nebenan. Den Sonnenuntergang genieße ich in vollen Zügen, beobachte Kitesurfer und die Schatten in den Bergen. Eher es dunkel wird, radle ich zum Flughafen. Baue den Karton wieder auf, Shui auseinander. Verpacke alles ordentlich und fliege nach Honolulu auf die Nachbarinsel Oahu. Im offenem Warteraum lege ich mich hin und bestaune ein letztes Mal die Sterne über Hawaii. Acht Uhr früh heißt es: Abflug nach Tasmanien!

Derzeitiger Stand:
421 km
29:12 h
7369 hm

Herzlichst,
Piotr

Fotos
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Tasmanien

„Honolulu – Melbourne – Launceston“, so meine Flug-Route über die Datumsgrenze. 11,5 Stunden insgesamt im Flieger später, lande ich „Launceston“, am 25.12.2017. Angenehmer sonniger Stopover davor in Melbourne. Endlich Tageslicht und gute Luft. Ich staune über die Helligkeit und Sonnenschein am Abend als ich mit all meinem Gepäck aus dem kleinen Flughafen in Tasmanien hinausrolle. Es ist soooo hell um 20 Uhr! Ich bin wirklich zufrieden hier zu sein. Sommer!
Shui ist schnell aufgebaut und die Radtaschen installiert. Ich kann es kaum erwarten endlich loszufahren. Es dämmert mittlerweile bisschen und die Insekten und Vögel singen die Natur in den Schlaf.
In mir brodelt es voller Zufriedenheit. Ich erfreue mich sooo sehr am ganzen Hier sein. Die sommerliche Abendkulisse mit Hintergrund-Insekten Musik! Kaum Verkehr trägt dazu bei, dass man wirklich alles hört. Top!
Ca.12 km später, erreiche ich das gebuchte Hostel für die ersten drei Nächte, nachdem ich noch bisschen durch die Stadt gecruised bin. Die Unterkunft gefällt mir auf Anhieb. Ich lerne „Nari“ kennen, eine Australierin, die sich dann mit den Tagen und Wochen als eine große Hilfe erweist. Auch noch andere Leut aus der Welt, die mir wertvolle Tips mitgeben können.
Sehr geschafft, falle ich dann letztendlich ins Bett und schlafe unglaublich gut. Am Morgen, reicht nur ein Blick aus dem Bett gen Fenster und ich strahle voller Freude: purer Sonnenschein und dieses Blau des Himmels. YEAH!! – nichts wie hinaus und Frühstücken!
Ich freute mich auf Tasmanien nicht nur wegen der Insel an sich, sondern auch über liebgewonnene Lebensmittel, die ich letztes Jahr in West Australien schlemmen durfte. Mein Favorit: eine Paste aus verschiedenen Nüssen samt Datteln und Kakao. Deluxe! 😊
Nun ja, die ersten zwei Tage verliefen sehr genüsslich ab. Einfaches Radfahren, viel Schauen und ein wenig Vorbereiten auf die ersten Tage unterwegs sein. Gleich zu Anfang hab ich mir ein Abenteuer ausgesucht: „Tasmanian Trail“. Dieser geht von „Devonport“ (Norden) nach „Dover“ (Süden). Durch verschiedenste Vegetationen auf unterschiedlichsten Untergründen quer durch die Insel. Um die 500 Km. Unbedingt mitzunehmen: den GPS-Track, denn der Weg ist äußerst schlecht ausgeschildert. Ich lade mir diesen auf mein Handy und nutze eine einfache App (alpenvereinaktiv) mit heruntergeladenen Karten im Vorfeld. Perfekt! – Klappt sehr gut und ich muss wirklich oft auf den Bildschirm schauen. Entweder sind die Schildchen gar nicht da oder zugewachsen oder beschmutzt.
Zusätzlich, als neues Utensil, nehme ich mir eine Angel mit auf die Tasmanien-Entdeckung. Mal sehen was sich ergibt.
Der erste Tag meines Abenteuers, der 28.12., beginnt angenehm und Landschaftlich interessant. Wetter könnte nicht besser sein, Fahrzeuge sind kaum unterwegs, Wind stimmt auch. Die Route von Launceston gen Norden für diesen Tag hatte ich nicht zur Gänze ausgefeilt, dies wollte ich dann spontan machen, je nachdem wie ich mich fühlte und Wind/Verkehr auf mich wirkten. An einer Tankstelle tankte ich Benzin in meine Brennstoffflasche und entschied dort, doch über die Hügel zu fahren. In Richtung Narawntapu National Park bewegte ich mich ab jetzt. Ich beschloss nicht nach Devonport zu radeln (eigentlicher Start des Tassie Trails), weil ich dort eh am Ende des Ganzen hinmüsste.
Also MEIN Start für den Tassie Trail (Tassie oder Tas ist die lokale Abkürzung für Tasmanien) sollte der Narawntapu National Park werden. Sichtlich geschafft erreichte ich ihn nach etwas über 80 km und über 1000 hm. Das Besondere an diesem Tag für mich war der Duft der Bäume, in den ich mich letztes Jahr in Westen Australiens verliebt hatte. So intensiv nach Eukalyptus und bestimmt zig anderen ätherischen Ölen. Erst recht, wenns super heiß ist, wie an diesem Tag. Schwitzige Radlerei!
Im National Park (einen 2 Monat Pass für Tasmanien erwirbt man kostengünstig im Internet), bekomme ich Trinkwasser und sehr schönes Plätzchen um mein Zelt aufzustellen. Anschließend nutze ich die Zeit der untergehenden Sonne am laaaaangen Sandstrand zu spazieren. Weiter geht es am folgenden Tag über Sheffield (sehr sehenswert die aufgemalten Bilder auf Hauswänden) über etliche Hügel. Ich merke schon recht bald: das wird kein einfaches Radeln hier auf der Insel. Fast täglich warten über 1000 hm auf mich!
Die Landschaft an sich wechselt sehr schnell, vorausgesetzt man bewegt sich 😉. Bewundern tue ich die Mohnblumen Felder links und rechts von mir. Lange hält dies nicht an, denn hälfte des Tages bewege ich mich auf Schotter und durch Wälder. Vogelgesang pur stattdessen. Auf der Karte versuche ich herauszulesen wo ich am besten campieren könnte. Am besten heißt: am Wasser. Ich werde fündig am Mersey Fluss. Dieser wird mir noch lange in Erinnerung bleiben und ich werde ihm noch paar Mal begegnen.
Ich rechne also mit einem flachen Plätzchen am Fluss und steure motiviert auf diesen zu. Von weitem höre ich Menschen-und Motorengeräusche… he?? Als ich hinkomme, entdecke ein ganzes Campinglager. Jeeps, Zelte, Anhänger, Motocross Räder, Quads, Lagerfeuer, Hunde und die Eigentümer. Naaa Seeervus denke ich laut! Als ich so durchradel entdecke ich nicht viel freien Platz. Ich komme ins Gespräch aber verstehe kaum etwas. Bei einem anderen Lager verstehe ich zumindest ein bisschen etwas und von dort sichte ich auch ein Fleckchen direkt am Fluss, wo ich anschließend mein Zuhause aufstellen kann. Ich werde auf ein Bier eingeladen, aber bereits bei der Einladung an sich hab ich nur ein Fünftel verstanden: „.. .. .. .. Beer?“ Außerdem bin ich müde und möchte eigentlich nur Baden, Kochen und Ausruhen.
Erstaunlicherweise verläuft die Nacht sehr angenehm ruhig und ich bin einer der ersten der wach ist. Nachdem alles wieder am Shui befestigt ist, geht’s weiter dem Tassie Trail entlang – durch den Fluss. Stückweise hüfttief das Wasser. Ovale Steine machten das Unterfangen echt nicht einfach. Bis über die Hälfte konnte ich durchwaten und war guter Hoffnung, doch DANN wurde es eben tiefer. Ich parkte Shui an einer möglichen Stelle und trug Taschen für Taschen ans andere Ufer. Jedesmal mit fast-schwimmen-gegangen-aber-glück-gehabt.
Am anderen Ufer ging es nicht wirklich einfach weiter. Mega steil auf einem engen Pfad. Es war für mich unmöglich Shui als gesamten da hinauf zu schieben. Also, wieder Taschen ab und Stück für Stück bewegen. Für diesen Tag reichte mir das Abenteuer und Adrenalin auch schon. Außer die mittlerweile gewohnten 1000 hm und Schotter passierte nicht viel. Ich kaufte wieder ein 3 Tages Proviant in Deloraine ein und fuhr in Richtung Arthurs See. Die Nacht dazwischen verbrachte ich bei den kostenfreien Liffey Wasserfall Campingplätzen eher ich am nächsten Tag, den 31. Dezember am Arthurs See ankam. Dort hinauf geht eine sehr schöner Asphalt Pass. Am See campierte ich nicht an den vorgesehenen Campingplätzen, sondern direkt am Ufer. Auch für die Platzwächter schien dies als die mehr harmonische Stelle Silvester zu feiern, als zwischen Campingwägen zu Zelten.
Ich hatte gut Zeit und kaum Ablenkung um das Jahr zu reflektieren, lecker zu Kochen, die alpine Aussicht zu genießen und zu Angeln (zumindest zu versuchen). Hat mir sehr gut gefallen.
Der Neujahrstag zeigte sich anfangs von seiner schönen Seite doch bald kam der eiskalte Wind. Ich war bereits auf Strecke, so konnte ich mich ständig warm treten. Bis nach Bronte Park war es ein echter Kampf mit Wind und Kälte. Sehr unangenehm zum Radfahren. Hinzu kam der ständig wechselnde Untergrund. Von feinem zum groben Schotter und umgekehrt. Plus, die Staubwolken.
Sozusagen im Windschatten angekommen, war es wieder sehr sehr toll zum radeln. In Bronte Park (kleiner Tante Emma Laden) füllte ich meine Trinkflaschen auf und zog weitere Kilometer bis zum See „Dee Lagoon“. Welch ein schöner Camp Spot!! Direkt am See und umringt von Wald. Hier fischte ich einen Fisch nach dem Anderen. Einen behielt ich, der Rest ging wieder schwimmen. Anschließend wieder das tägliche Szenario wie Kochen, Zelt aufstellen, Baden, Vogelgesang lauschen und später Sterne schauen. Also wirklich: das Campen an sich in Tasmanien ist ein absoluter Wildnis Hammer!! Allein wegen dem Draußen schlafen würde ich hierherkommen 😊
Weiter am Tassie Trail kam ich in „Ouse“ raus. Hier seit paar Tagen erst wieder ein kleiner Supermarkt. Ich kaufe nur für einen Tag ein, denn den großen Einkauf möchte ich am nächsten Tag in „New Norfolk“ organisieren. Von dort geht’s dann nämlich wieder ans Eingemachte. Beim Supermarkt spricht mich ein Herr an wohin ich weiterfahre. Ich erkläre ihm meine Route und er meint nur: „na dann viel Spaß, dort bleiben sogar die Allrad Jeeps stecken. Nimm lieber die Straße.“ Mit einem Schmunzeln fügt er hinzu: „Du wirst dich an meine Worte erinnern.“ Mein Interesse ist geweckt und so mache ich mich auf. Nach paar Stunden und nur wenigen Kilometern aber vielen Höhenmetern kann ich gut erkennen was er gemeint hat. Metertiefe Furchen und Schlammbäder. Jeeps hatten sich hunderte Male bereits eingegraben und so diese Wege ausgegraben. Ich kann zwar stellenweise über den Waldrand ausweichen doch manchen Stellen laden nicht wirklich dazu ein. Entweder Stacheln oder Abgrund. Dennoch finde ich meine Wege komme aber sehr langsam voran. Idyllisch campiere ich direkt auf dem Weg und neben mir fließt ein kleiner Bach. Perfekt zum Baden und Fischen (ohne Fang). Ab hier sollte der Trail humaner werden nur die Schilder waren kaum zu finden. Ich musste schon oft überprüfen ob ich denn noch richtig sei. Und gerade am allerletzten Tag, 3 Kilometer Fluglinie zum Ziel „Dover“, bereits sichtbar von den Hügeln hinab, keine Schilder und der GPS Track nicht ganz korrekt: Sackgasse!! Kein Weg weiter nur der von dem ich hergekommen bin. Also zurück. Ich versuche noch kleine Abstecher aber auch diese führen nach nirgendwo. Also doch viel weiter zurück. Dort schaue ich genauer und finde letztendlich den Weg, der mich ans Ziel „Dover“ bringt. Somit hatte ich die 519 km in 7 Tagen bewältigt. Phuuu… ich bin sichtlich erleichtert und freue mich nur mehr auf das Zelt aufstellen, dass ich hinter einem leerstehenden Haus erledige. Mich machte mehr die Konzentration (stimmt der Weg?, Schlangen irgendwo?) müde als das Radfahren selbst.
Ab hier, sagte ich zu mir, sollts nur mehr echtes Radfahren werden auf der Insel. Keine Kämpfe durch Büsche, über Baumstämme oder durch Flüsse. So sollte es auch sein. Morgens gings malerisch an der Küste gen Norden. Gegen Ende des wunderschönen Tages, treffe ich eine Frau an einer Tankstelle. Sie sieht mich und kommt direkt auf mich und fragt ob ich heut vor habe zu campieren. Ich bestätige und sie weist mich auf einen supertollen Platz gleich in der Nähe. Kleiner Bach nebenan und alles schön ruhig gelegen. Dankeschön! Genau so! Aber moment mal... das Glück war noch nicht ausgeschöpft. Ich finde am Weg zwei VOLLE Bierdosen am Straßenrand!!! Ab mit denen in den kühlen Fluss für wenige Stunden - Und zu Abendessen gibts erstmals ein Bierchen. Oder zwei. :)
Halben Tag später komme ich in „Hobart“ an. Die Hauptstadt der Insel. Dort erwartet mich „Eric“, mein Gastgeber aus der Internetplattform „Warmshowers“ und drei andere Radbegeisterte aus der Welt. Zusammen hatten wir eine sehr lustige harmonische Zeit. Mit zwei aus der Gruppe, Michael und Brett, habe ich mich dann noch insgesamt dreimal auf der Insel getroffen!
Bei meinen Spaziergängen durch die Stadt, entdeckte ich im Hafen ein größeres Boot mit der Einladung mit auf die Antartktis zu fahren. Gegen Bezahlung natürlich. Ich notierte mir die Kontaktnummer und am Abend wusste ich dank Eric mehr. Der einmonatige Trip kostet 10.000 Australische Dollar. Also ca. 6.600 Euro. All Inclusive.
Ich blieb demnach bei meinen Radplänen und blieb in Hobart und plante meine weiteren Tage auf dem Boden. Als die anderen Radfahrer abgereist waren, hatte ich Zeit mich mit Eric zu unterhalten, was für mich sehr inspirierend und bereichernd war. Er lebt seit drei Jahren in einer sehr einfachen Hütte nur aus bereits genutzten Utensilien. So sind seine Fenster zB. alles nur ehemalige Duschfenster.
Am nächsten Tag heißt es auch für mich wieder rein in die Pedale und ab zur Ostküste. Am ersten Tag fahre ich über „Sorell“ und „Nugent“ in den „Wielangta“ Wald. Dort finde ich ein nettes Campingplätzchen mit Toilette, Picknick Tischen, Wasser und sogar einer Überdachung. Von dem Vogelgesang der hier aus allen Richtungen kommt, ganz zu Schweigen.
Am nächsten Tag in „Triabunna“, lerne ich Kurt aus Holland kennen. Er wohnt in Melbourne und lädt mich gleich mal zu sich nach Hause ein. Ich kann bei ihm wohnen solange ich für die Stadt brauche zu besichtigen. Wir tauschen die Kontaktdaten aus und Tschüss.😊
Frohen Herzens beschließe ich von hier, „Triabunna“ auf die Insel „Maria Island National Park“ zu schippern. Campen ist an zwei Plätzen mal wieder kostenfrei und großzügig. Wasser und Toiletten. Die Fähre an sich mit 60 AUD plus pro Tasche und Fahrrad 10 AUD. In meinem Fall: verpacke ich alle meine Taschen in eine große (meine Flugzeugtasche für meine Radtaschen) und zahle nur für eine statt fünf.
Auf der Insel heißen mich unzählige Wombats willkommen. Bei der „Shoal Bay“ stelle ich mein Zelt für die kommenden drei Nächte auf. Mit den „Possums“ hab ich dann abends ein bisschen zu kämpfen, denn sie möchten auch etwas vom mitgebrachten Proviant haben. Letztendlich hänge ich all mein Essen Zwischen Ast und Boden auf und die Nacht findet endlich die erwartete Ruhe. Am kommenden Tag spaziere ich 11 Kilometer am Strand der „Shoal Bay“ und beobachtete zig Wasservögel und Muscheln. Meine Sohlen fühlen sich danach an wie ein Babypo 😊.
Ich ahnte schon irgendwie, dass ich die zwei Jungs aus Hobart, Michael und Brett, wiedersehen würde. Nach meinem laaangen Spaziergang, hörte ich von weitem schon, „Hey Pio!“
Ach wie sehr ich mich freute! Unter sehr netter Gesellschaft ist man doch sehr gerne. Wir hatten uns bereits viel zu erzählen. So füllten wir den Nachmittag mit Erzählungen bei Tee/Kaffee. Nächster Tag war für mich ruhe Tag in der Idylle mit den allen interessanten hübschen Tierchen und der Tag darauf für uns alle Abreise. Die zwei blieben noch eine Nacht, wechselten aber nur den Standort. Ich fuhr mittels der Fähre wieder auf die Hauptinsel. Der Wind schob an diesem Tag besonders gut, ich machte gut Distanz entlang der Ostküste. Schon bald erreichte ich die „Bay of Fires“. Riesige Felsbrocken mit Orange betölpeltem Mustern vor dem türkisfarbenen Meer. Ein Spektakel für das Auge! Es ist wirklich was Besonderes all die Farben auf so engem Raum zu erleben. Natürlich nur bei Sonnenschein.
Ich musste jetzt unbedingt auf das Datum schauen, denn am 23.1. hatte ich meinen „Eintritt“ in den „Overland Track“ (eine 65km lange Wanderung). Nach Launceston ließ ich auch meinen großen Rucksack schicken, der schon sehr bald im Postbüro eintreffen sollte. Ich wollte mich dann auch noch organisieren und im Hostel erholen, wo ich mich für zwei Nächte eingebucht hatte. Also war mir meine Route von der Ostküste nach Launceston bekannt: zwar viel anspruchsvoller aber dafür einsamer: die „C428“ über „Ringarooma“ nach „Scottsdale“. Übernachtung bei den „Ralph Falls“. Der Weg dahin teilweise sehr sehr steil und brüchig. Der Picknickplatz bei den „Ralph“ Wasserfällen wieder großzügig mit Wasser, Toiletten, Überdachung und Tischen und Bänken. Die Abfahrt auf bestem Schotter einfach a Traum!
Ich fühlte mich super fit und voll im Element. Ab hier hatte ich noch zwei Tage eher ich in Launceston im Hostel einchecken konnte. Diese verbrachte ich vernünftig entspannend an einem kleinen Baggersee bei Scottsdale und einen Tag später bei 40 Grad kurz vor Launceston an einem Fluss. Dennoch, die Kilometer dazwischen musste ich trotz den unmenschlichen Temperaturen radeln. Da gilt einfach nur: Wasser über den Kopf und Fahrtwind.
In Launceston traf ich auf meinen Rucksack und „Nari“, meine neue Bekanntschaft. Ich schrieb mir eine Liste zusammen was ich jetzt besorgen müsste und was ich am Weg bis zum Start (noch zwei Radtage) einkaufen könnte. Einfach um Gewicht zu sparen bzw. frisches Essen nicht zu beschädigen.
Ich verließ das Hostel am 21.1. und fuhr schon gut beladen(=schwer) in Richtung „Cradle Mountain“. Um die 150 km und 2500 Höhenmeter warteten auf mich. Es wäre auch einfacher gegangen, gleiche Kilometer und knapp die Hälfte an Höhenmetern, aber dafür ständig mit Fahrzeuggeräuschen statt Vogelstimmen und Wasserplätschern der vielen Bäche.
In „Deloraine“, hier kam ich bereits am Tassie Trail durch, erledigte ich den letzten Einkauf. Ab hier war Shui super schwer. Für bis zu 10 Tage Proviant. Die ersten fünf Tage mit frischen Obst/Gemüse. Und genau ab hier warteten die Höhenmeter auf uns. Dennoch, es war weniger anstrengend als ich gedacht hatte. Kaum Fahrzeuge auf den Nebensträßchen und ausreichend Schatten. Idyllisches Übernachten im „Mole Creek Karst National Park“ als Bonus direkt am „Mersey River“. Der Fluss, durch den ich bereits gewatet bin.
Den Tag vor meiner großen Wanderung kam ich rechtzeitig beim „Cradle Mountain“ - Besucherzentrum an und holte mir das Ticket für die Wanderung. Es ist deswegen so streng kontrolliert, damit die Natur nicht überlaufen wird. 200 AUD kostet der Eintritt/Zutritt. Täglich werden nur 34 Wanderer „frei“ gelassen um sich auf den Weg zum See „St Clair“ im „Cradle Mountain-Lake St Clair National Park“ zu machen. Ohne Abstecher sind es ca. 65 km in sechs Etappen. Jede Etappe endet an einer Hütte mit Regenwasser Zisterne und Toilette. Ausreichend Zeltplätze gibt es auch. Man kann sich die Wanderung selbstverständlich selbst gestalten und wie lange man brauchen möchte.

Ich nächtige noch kurz vor dem Besucherzentrum, packe meinen Rucksack in der Früh zusammen und staune nicht schlecht über das Gewicht!! Rucksack auf Shui und fahre so zum Start. Dort frage ich nach einer Möglichkeit, mein Rad unterzustellen für die Wanderwoche, jedoch werde ich vertröstet (und das bei 200 AUD Eintritt). Ich frage nebenan bei einem kleinen Outdoor-Veranstalter und sie geben mir einen Platz in einem verschließbaren Anhänger. Perfekt! Shui und alles unnötige Gepäck sowie Proviant für einen Tag nach Rückkehr, lade ich in den Anhänger.

Top! Ich bin bereit, Rucksack is sau schwer und das Wetter soll auch halten. Ich mache mich auf. Die ersten Kilometer bin ich überrascht wie angenehm es sich die ganzen geschätzten 20kg (mit Wasser) tragen lässt. Später, bei den ersten nennenswerten Steigmetern, spüre ich das Mehrgewicht.
Jeden Tag wurde der Rucksack leichter, eh klar, trotzdem find ich das die Rucksack Technologie enorme Fortschritte geleistet hat. Ich fand ihn jeden Tag super bequem (Osprey Aether 70 AG). Bei den Schuhen musste ich Abstriche machen. Rechts an der Ferse bildetet sich am zweiten Tag eine große Blase obwohl ich die Schuhe eingegangen bin. Ab dritten Tag also kleiner Nebeneffekt: Jeder zweite Schritt mit stechendem Schmerz. Hinzu kam, dass mir am linken Fuß der Schuh wohl eine drittel Nummer zu klein ist, denn ich hab mir den Zehnagel abgetreten. Noch ist der dran, jedoch unter dem Nagel eine Blutblase.
Wie dem auch sei: Die Wanderung an sich ist ein wahres Naturspektakel. Die Landschaften wechseln sehr oft, obwohl man sich doch recht langsam und wenig fortbewegt. Es ist wirklich schwer etwas zu beschreiben, dass von jeder Seite ganz anders SCHÖN aussieht. Dann,… die Düfte, die Naturgeräuschkulisse, die Schlangen!! (OUH JAA, viele waren unterwegs und ja, alle sind gifitg), die Farben zwischen und hinter den Blättern, die ultraklaren Sternenhimmel. JEDEN Tag war purer Sonnenschein. (Deswegen auch die große Anzahl der Schlangen.) Eigentlich waren die Wetterbedingungen unüblich für diese Wanderung. Die meisten Wegabschnitte sind für nasse Verhältnisse gebaut. So zB. rutschige Passagen extra mit Hasengitter als Profil versehen. Es verliert natürlich den Abenteuer Geschmack, wenn zu viel abgesichert wird und es nur den einen Weg gibt und alles super toll ausgeschildert ist. Aber trotzdem fand ich diese Wanderung als eine besondere Bereicherung für den Geist. Endlose Ruhe, angenehme Distanzen, übersichtliche Route und doch ein Komfort beim Ankommen in eine Hütte oder Hüttenanlage.
Bis auf eine Nacht hatte ich jedes Mal in den Hütten genächtigt. Einfach aus dem Grund, mal was anderes zu erleben. Oft war ich und 2 bis 4 weitere Personen in der Hütte. Alle anderen wollten Zelten. Mit den Tagen freundet man sich an und es sind keine Small-Talk Gespräche mehr. Schließlich wandern die meisten die Wanderung so, wie sie auch empfohlen wird. Ich lernte während der Wanderung meine Gastgeber in Sydney kennen. Rob und Jess möchten mich beherbergen und schmieden bereits Pläne was wir dann dort erleben könnten.
Das Manko an der Wanderung ist nicht nur das fehlende Abenteuer (außer es regnet oder schneit) sondern das zurückkommen zum Fahrzeug, wenn man es beim Start abgestellt hat. Wie ich zum Beispiel. Alles kostet hier gleich Unmengen von Geld oder ist kompliziert. In meinem Fall, treffe ich glücklicherweise auf der Wanderung eine kleine Familie die mit zwei Fahrzeugen angereist ist. Einen Platz haben sie noch frei, den sie mir anbieten. Perfekt!! Besser hätte es wirklich nicht laufen können, bis auf die Blase. Am Ende der Wanderung baden wir ausgiebig im „St Clair“ See, eher wir mit der Fähre (40AUD) zum Autoparkplatz fahren. Dies wäre eigentlich der siebte Tag der Wanderung gewesen: Am Ufer des Sees entlang.
Somit komme ich superschnell wieder zu Shui und wir sind vereint und zelten am gleich Ort wie vor dem „Wander-Start“. Ab in der Früh: Harter Regen und in den Bergen Schnee. Ooooh Man!! Hat alles so sein sollen. Ich bin überglücklich trotz dem Regens. Ich warte noch ein bisschen und verpacke das nasse Zelt in einer kurzen Regenpause.
Während es noch bisschen regnet, nutze ich die Möglichkeit, kostenloses (30 Minuten) Internet beim Besucherzentrum zu nutzen. Ha,..ich erhalte eine Nachricht von meinen zwei Radfahrern. Michael und Brett sind hier irgendwo. Paar Stunden später treffe ich sie bei einer ihrer Pausen. Perfekt, beste Kombi! Zusammen radeln wir die restlichen Kilometer des Tages und schlagen uns Lager kurz nach „Rosebery“ auf. Klitzekleiner Park direkt am Bach und eine überdachte Plattform. I D E A L !! Brett besorgt eine Flasche Wein. Wir sind so erfreut aneinander zu sehen.  Alle haben viel zu erzählen. Viel Lachen und stimmige Harmonie unter uns fühle ich. Das ist soooo viel Wert bzw. hat so einen großen Wert!
Der weitere Routenverlauf ist uns beiden klar: ich möchte eine Nacht am „Lake Burbury“ verbringen somit fahre ich direkt nach „Queenstown“ und die Jungs fahren nach „Zeehan“ und erst später zu dem See. Wir glauben trotzdem uns nochmal zu treffen und zwar in „Strahan“, an der Westküste.
Meine Fahrt zum „Lake Burbury“ erweist sich als ca. 90 km und 1500 hm schwer. Paar Regenschauer und Eiseskälte wie aus dem Nichts. Oben in den Bergen wieder Schnee (Tasmanischer Sommer wohlbemerkt). Am See selbst, aufgewärmtes Wasser und Sonnenschein mit gigantischem Ausblick. Vor paar Tagen hatte mich nämlich genau dieser Ausblick beim Zurückfahren mit der kleinen Familie verzaubert. Obwohl es nicht auf meiner Route lag, sondern eher ein Umweg war, wurde es für mich wichtig, hierherzukommen und dies mit Zeit zu erleben. Campen bildet hierfür die beste Form.
Hier war ich. Viel Zeit und Ruhe zum Reflektieren der Wanderung. Purer Genuss. Ich war erfüllt und mittendrin vom Ganzen, dass mich stimuliert. Alle leinen los sozusagen: Sein.

In der Früh wieder bisschen Regen und Kälte (9 Grad). Am kleinen Pass hinauf gen „Queenstown“ kann ich mich gut aufwärmen. Die Bergabfahrt eine Gaudi. In der Bücherei finde ich Unterschlupf, als die Wolken zu brechen scheinen. Es schüttet für ca. 30 Minuten wie aus Eimern. Sonne folgt darauf und bleibt auch für den Rest des Tages. Und siehe da!!!! In „Strahan“ treffe ich auf wen??? Richtig, Michael und Brett. So sollte es sein. Gemeinsam radeln wir zum Strand. Genießen die Weite, den Sonnenuntergang und DEN Vollmond! Nur mit dem Licht des Mondes radeln wir zu unserem Camp, dass wir zuvor in den Büschen aufgebaut hatten. Ab hier wussten wir alle, dass wir uns wohl nicht mehr auf der Insel sehen würden. Schwermütig verabschieden wir uns und freuen uns auf ein Wiedersehen in einem anderen Land. Sie fahren schön langsam zu „Eric“ nach „Hobart“ und ich weiter der Westküste und schließlich der Nordküste entlang nach „Devonport“. Für mich als erstes aber geht’s nach „Zeehan“. Vorbeikommen tue ich an den bis zu 30 Meter hohen und 15km langen „Henty“-Sandünen. Sehr eindrucksvoll! Geformt und entstanden nur durch die Winde!

Am Nachmittag erreiche ich „Zeehan“ und organisiere mich dort für 3 Tage ohne Supermarkt. Ich verschicke wie üblich meinen letzten Standort an Freunde und Familie und radle los. Es warten über 60 Kilometer nur Schotter. Mehr weiß ich nicht. Weder in welchem Zustand, noch wie steil es sein könnte. Dennoch, ich freue mich sehr darauf. So weit abgelegene Routen gibt’s selten auf der Insel. Meine erste Übernachtung findet am „Reece Dam“ platz. Herrlich gelegen am angestautem „Pieman“ Fluss. Dies dient zum Baden, Wäsche Waschen und als Trinkwasser für den kommenden Tag. Weiter geht es über „Corinna“, wo eine Fähre (12,5 AUD) die Straßen-Lücke schließt. Hier fülle ich meine Trinkflaschen auf (einen Tante-Emma-Laden gebe es auch) und mache mich auf ins Ungewisse. Das einzige was ich von den wenigen Einheimischen erfahre ist: dass es teilweise sehr sehr steil wird, diese Stellen aber asphaltiert sind und nicht, wie der Rest der Strecke, schottrig. Absolut richtig! Steigung bis zu 18%! Zuerst hinauf und dann gleich hinab.
Ich bemerke aber schon bald, dass ich an diesem Fleckchen Erde besonders viel Schönheit entdecke. Die „C249“ Schotterstraße wird wirklich nicht oft/viel befahren. An meinem Tag sind es geschätzt 16 Fahrzeuge. Die Natur rundherum ist ein absoluter Hammer. Fast nur Fernsicht. Mal wieder voll das Glück des puren Sonnenscheins, obwohl dies schon auch sehr warm war. Die Strecke verläuft ausschließlich an den Hügelspitzen. Ein ständiges Auf und Ab. Am Tacho zeigt es mir über 85 km und 1900 hm an diesem Tag, als ich am „Lindsay River“ halt mache um mein Zelt hier aufzuschlagen. Ich sehe aus wie ein Sandmännchen. Im Fluss wasche ich mich und meine Kleidung, die auch recht bald trocknet dank der noch immer starken Sonne.
Ich bin überglücklich! Ich bin fit, solche Distanzen unter solch schweren Umständen zu bewältigen. Ich habe Freude dabei, diese Schwierigkeiten zu bewältigen. Ein wahres Geschenk mit dem Körper das alles erleben zu dürfen, wie und was man sich vorstellt. Ich nehme die Natur in ihrer pursten Form auf. Shui läuft brillant! Egal ob Schotter oder Asphalt, ein Meisterwerk! Zelt steht, Kocher Brennt, alle Ausrüstung hält seine Versprechen. Ich bin glücklich!
Am Morgen danach, das gleich wie sonst: Müsli, Kaffee und Tee. Zelt Abbauen und gesamtes Gepäck auf Shui schnallen. Auf geht’s in Schotterpiste Teil zwei. Heute aber nur mehr der Rest von ca. 20 km. Eigentlich war mein Plan zuerst den „Tarkine Drive“ zu fahren, sprich einen Kreis der „C218“ und dann erst nach „Arthur River“ und „Marrawah“, wenn ich in der „Zeit“ liege. Ich wollte so sicherstellen, dass ich es auch pünktlich zur Fähre in „Devonport“ schaffe, die gute 150 km entfernt ist und ich nur mehr wenige Tage Zeit hatte.
Aber der Wind entschied anders. Zuerst also links nach „Arthur River“ der „C214“ entlang. Der Wind war in bester Form. Ich kam mühelos voran und schnell! In Marrawah beschloss ich mit Hilfe des Inhabers eines kleinen Supermarktes, eine „Abkürzung“ durch den Wald auf Schotter zu dem „Tarkine Drive“- Kreis zu nehmen. Die Strecke war sowohl auf meiner Karte als auch in meiner „Maps.me“-App. Also gut, zeitlich hatte ich noch gut Spielraum, probiere ich. Ein Fluss kommt auch noch, wo ich Wasser nachfüllen kann. Ich fahre also begeistert los. Letztendlich bei der Abbiegung, stelle ich fest, dass das Flusswasser ungenießbar ist. Hunderte Kühe stehen entweder im Fluss oder hunderte Meter entlang daneben. „Oooops“, denk ich laut. „Jetzt muss ich unbedingt die 30 km Schotter fahren, damit ich Wasser bekomme“. Nicht nur zum Trinken und Kochen, sondern auch um zu Baden, was für mich mittlerweile sehr wichtig geworden ist. Na dann mal rein in die Pedale. Fürs erste bin ich erfreut über die Qualität des Schotters und wie gut es sich fahren lässt. Ich hoffe nur, dass es so anhält. Tut es auch, mein Glück, echt!
An einem Trinkbehälter für Weidetiere kurz vor Ziel, sehe ich „sauberes“ Wasser darin. Ich zögere kein bisschen und bleibe stehen. Vorfreude wie ein kleines Kind, bereite ich mich auf den Schwimm in dem runden Behälter vor. Zuerst entnehme ich Kochwasser und schließlich geht’s hinein. Sooo angenehm warm und einfach perfekt. Ein Bad in der tasmanischen Pampa hinter Stacheldraht 😊. Ganz nach meinem Geschmack!! Ha ha ha.
Nach dem Bad, nur wenige Minuten später entdecke ich einen der interessantesten meiner Zeltplätze! Naja, bis dahin war mir das noch nicht klar. Erst spät nachts! Mir war gar nicht bewusst (hatte auch nichts gerochen), dass ich ganz in der Nähe eines überfahrenen Wombats mein Lager hatte. Als die Sterne dann zu sehen waren, kamen auch die „tasmanischen Teufel“. Zuerst hörte ich nur schreiende Geräusche und schließlich mit Hilfe der Lampe kleine „Bärchen“. Ich lag in meinem halboffenen Zelt und „beobachtete“ das Spektakel: Sterne und Teufel. Dann, bin ich raus aus dem Zelt und beobachtete die Live-Metzgerei. Wie aus dem Nichts stank es sooooo stark nach Verwestem. OOOUH BACKE!! Die Teufel haben den Wombat aufgerissen. Es stank sooo schlimm! Ha ha ha. Und die haben den zur Gänze gefressen. Ganze Nacht lang gab es ein Geschrei. Jeder wollte einen Happen. In der Früh entdeckte ich nur mehr das Fell und tausende Fliegen. Alles andere verputzt!!!
Wieder am Rad, folgte ich jetzt dem „Tarkine Drive“. Wieder, auf und ab und auf und ab. Kaum Verkehr, wenig Schatten, brutal warm, Schweiß am ganzen Körper und hunderte Fliegen in Abwechslung über mir, vor mir, hinter mir, auf mir! Keine Chance die irgendwie loszuwerden. Das ekeligste: Fliegen die gezielt hinter die Sonnenbrille reinfliegen oder direkt ins Ohr-/Nasenloch! Als sie dann mal weniger waren und es ein schattiges Plätzchen gab, entschied ich mich für meine Mittagspause. Das anschließende Nickerchen… vergiss es! Ständig Fliegen! Lösung: den Rest der Strecke flotter fahren. 😊
Ich kam in „Smithton“ raus. Überglücklich, denn ich hatte einen ganzen Tag Vorsprung ohne mich speziell angestrengt zu haben (außer den Fliegen davon zu fahren). Somit: relaxing cycling next days!
Ich kaufe frisches Gemüse und Obst und suche mir ein nettes Zeltplätzchen. Hier entdecke ich meinen ersten „Bandicoot“. Ein Maus ähnliches Tierchen nur bisschen größer. Friedlich vergeht die Nacht. Später fahre ich zuerst nach „Stanley“, schaue mir die kleine Stadt und ganz besonders „the Nut“ an. Ein Relikt eines Vulkans das die Form eines Quaders hat und so aus dem Meer herausschaut.
Weiter folge ich der Nordküste mit leichtem Gegenwind. Mein Vorteil denn die Fliegen haben es umso schwerer. Ich finde heraus, dass wenn ich mich über 24 km/h bewege keine Einzige mich belästigt. Wehe aber ich komme darunter! Erst recht, wenn ich pausiere. Just don´t think about that!
In „Wynyard“ radle ich am frühen Nachmittag hinein. Gleich als erstes entdecke ich einen suuuper schönen Picknickplatz. Hier trifft sich der ruhige Personenkreis, kommt mir vor. Direkt am Fluss, der ins Meer mündet. Tische, Bänke, Elektrische Grills mit Überdachung, mal wieder zeigt sich Australien von seiner besonderen „Outdoor“ Seite. Wie sehr ich dieses Konzept mag!!
Ich unternehme einen kleinen Abstecher in die Stadt und kaufe frische Lebensmittel, nutze das kostenlose Stadt-Internet und rolle zurück. Am Weg dahin, frage ich Einheimische, ob es in Ordnung sei, wenn ich eine Nacht hier campen würde. Jeder mit einem Lächeln im Gesicht antwortend: „Aber natürlich, mach einfach!“ Perfekt.
Später…komme ich mit „Treather“ und bald darauf mit „Michelle“ in wunderbare Gespräche. Wir unterhalten uns über das Leben, die Möglichkeiten, das Reisen und die Fähigkeiten des Körpers. Rührende Zeit. Kurz bevor Michelle nach Hause geht, fügt sie dem Abend noch hinzu, dass sie sich sehr freut auf einen Spaziergang gegangen zu sein. Anschließend kommt Treather mit seinem Hund und bringt mir Tomaten aus seinem Garten. Wie herzig! Diese Begegnungen machen das Leben noch mehr lebensWERT (als es eh schon ist).
Weiter entlang der Nordküste und der Schönheit der Felsen und kleinen Inselchen, komme ich zu meinen Gastgebern aus Warmshowers: Tim und Annie. Beide über 60, nach wie vor lebensfreudig und voller Tatendrang ihre Ideen und Wünsche umzusetzen. Sie leben mit und in der Natur. Etwas abseits von der Kleinstadt „Ulverstone“. Größtenteils ernähren sie sich aus ihrem Garten. Die Wintermonate verbringen sie im sommerlichen Europa und fahren Rad. Ich fühle mich pudelwohl! Ihre Gastfreundschaft lässt keine Wünsche offen. Beide leidenschaftliche Gärtner geworden, obwohl sie sich das noch vor Jahren nicht vorstellen haben können. „So ist das Leben“, sagen sie. „Voller Überraschungen“.
Am zweiten Tag überrascht mich Tim besonders als er aus der Garage seinen „Lotus 7 Replica“ rausfährt und mich auf eine Spritztour einlädt. OOOOOUUUUH YEAH!! Ich komme mir wie in einem Go-Kart nur mit viel mehr Hub unter der Haube. In den Kurven klebt das Teil wie angebrannter Pfannkuchen an der Pfanne. 😊
Es macht wirklich Spaß und Tim beherrscht das Fahrzeug bzw. die Rakete wirklich gut. Ganz ohne Elektronik meistert er die Kurven im Drift und bremst gezielt ohne Verbremser. Echt echt super! Mein Mund ist komplett trocken, weil ich meinen Mund wegen des Schmunzelns nicht schließen kann. HA HA HA.
Während des Trips schießt mir ein Gedanke in den Kopf als ich uns von oben betrachte: Leben mit seinem eigenen Stil. Oder, das triffts besser: Leben im eigenen Stil. So ist Tim zum Beispiel leidenschaftlicher Gärtner und nebenher das krasse Gegenteil und fährt sehr gerne die Rennsemmel FÜR SICH. Er bewahrt somit seinen eigenen Stil des Lebens. Er ist sich treu!
Es fällt mir sichtlich schwer das Paar und den Ort zu verlassen aber ich freue mich auch meinen Geburtstag und den letzten vollen Tag in Tasmanien zu verbringen. Wenige Kilometer stehen am Programm. Dafür viel Zeit für andere Taten. Schwimmen im Ozean, Kochen und Essen in Strandnähe, Entspannen bei Meeresrauschen, mit Shui umher Cruisen. Zeitlos bewege ich mich an diesem Tag, meinem 35. Geburtstag. So weit weg von allem. Nichts fehlt mir. Ich bin zufrieden, happy, satt, positiv gestimmt, fit, gesund und offen für Neues.
Die Nacht ist warm. Ich schlafe nur in meinem Moskitonetz. Früh morgens geht es recht bald zur Fähre „Tasmanian Spirit“, die mich in 9 Stunden nach Melbourne bringt. Angenehm sanft gleitet sie durch die „Bass“-Straße. Während dessen kann ich in Ruhe diesen Bericht tippen und So meine Lebenszeit in Tasmanien reflektieren. Ein wildes Abenteuer mit vielen unterschiedlichen Landschaften. Ich merke dennoch bzw. mal wieder, dass das einzig wahre, dass im Herz bleibt, sind die Begegnungen mit den Menschen on the Road. Danke!
Später, in Melbourne, radle ich der sonnigen „Port Phillip Bay“ entlang bis zum „St Kilda Pier“. Ich strahle richtig voller Glück und Verrücktheit. Ich sage zu Shui laut: „Wir sind jetzt wieder in Australien!“. Ein Gedanke darauf in meinem Kopf: „All diese Möglichkeiten im Leben: Nutze sie!“
Von „St Kilda Pier“ durch das Verkehrs Getümmel der 4 Mio. Einwohner Stadt, finde ich meinen Weg zu Kurt. Der sympathische Herr, der mich auf der tasmanischen Ostküste, zu sich eingeladen hatte. Hier bleibe ich paar Tage und breche schließlich auf in die Berge (Great Divide Range) und entfliehe der Hitze (hoffentlich) gen Sydney.

Derzeitiger Stand:
2682 km
163:09 h
29577 hm

Mappe Tasmaniens

Herzlichst,
Piotr

Fotos
>>oben

 

Australien

Ich rieche Räucherstäbchen, Kaffee und Eukalyptus. Höre Vogelgezwitscher, den Fluss rauschen und den Wind in den Bäumen. Hinter mir steht der eingestaubte Shui, der sich heut mal wieder von seiner besten Seite gezeigt hat. Und ich, frisch gebadet im Fluss, zufrieden und dankbar für diesen wunderschönen Ort, der einem einen Picknicktisch und Schatten schenkt. Noch dazu ist es willkommen hier zu Zelten. Purer Camping-Luxus, echt! Mülleimer, Toiletten und Großräumigkeit und das im „Alpine National Park“, kostenlos! Für mich gehören die Australier eh schon längst zu den Campern no.1.
Ich fange jetzt aber mal dort an, wo ich aufgehört habe. Nachdem ich ja von Tasmanien mit der Fähre nach Melbourne gefahren war, blieb ich für fünf Nächte bei Kurt und dem Familienhund Kiki. Drei Nächte in der Stadt und zwei im Landhaus eine Stunde (Auto-)Fahrzeit außerhalb der Stadt. Als mich Kurt bereits am zweiten Tag mit auf die „Farm“ genommen hat, wollte ich eigentlich gar nicht mehr zurück in Stadt. Ein Paradies, wirklich! Die Einfahrt alleine ist schon bemerkenswert: 800m Piste bis zum Haus. Dann, verschiedenste Obstbäume mit reifen Früchten, Gemüse direkt aus dem Garten, ein Teich mit darüber gespanntem „flying fox“, Sprungbrett und schwimmender Insel. Solarpanele am ganzen Hausdach, absolute Ruhe und ein im Rasen eingebautes Trampolin! Geschweige denn der Tennisplatz neben dem Haus. 😉
Wie oft ich zu Kurt „Oh Kurt!“ mit einem Lächeln gesagt habe, weiß ich nicht. Jedenfalls sollte ich damit aufhören. Ha ha. Denn er wusste was ich meinte. Warum sich in der Stadt einengen und durch plastische Regeln einschränken lassen, wenn man hier den Auslauf hat und mit der Natur lebt. Kurt ist dies bewusst und er wird seinen Weg finden. Der Familienhund Kiki zeigte dies ganz eindeutig: In der Stadt wirkt er gelangweilt und uninteressiert. Beim Gassigehen interessiert er sich nicht mal für die anderen Hunde. Als wir am Weg zur Farm waren und von der Hauptstraße auf die Schotterpiste abbogen, öffnete Kurt die Hecktür und Kiki fing sofort an zu laufen. Ohne Kommando, ohne etwas zu sehen Verfolgen zu wollen. DAS war sein Auslauf! Im Sprint durch kleine Hügel. Im wilden Gras. Rauf und runter das Terrain. Kurt und ich fuhren nebenher und für mich war das einfach nur wunderschön anzusehen. Mir kamen fast die Tränen mit welch einer Leidenschaft Kiki diesen knappen Kilometer gelaufen ist. Er war frei und in seinem Element! Am Hausgrundstück, rannte Kiki gleich weiter Richtung Teich und sprang hinein. Ha ha ha. 😊
Ich sagte zu Kurt: „Das ist eine Nachricht, Kurt! Nicht nur ein Gerenne. Hast du dir seinen Gesichtsausdruck angesehen?!“
Nun ja, auf der Farm zeigte er mir all die verschiedenen Obstbäume. Bei jedem blieben wir stehen und probierten. Letztendlich hatten wir keinen Hunger auf Abendessen mehr dafür aber einen Schwimm im Teich. Hinein nur per „flying fox“ und Sprungbrett natürlich. Hintergrundkulisse: australischer Sonnenuntergang (=Deluxe) und das Zirpen der Grillen.
Ich sagte zu Kurt: „Wenn du einen „Hausinstandhalter“ suchst, hier steht er!“ 😊
Wieder in der Stadt (Kiki rennt natürlich wieder die ganze Strecke entlang der Schotterpiste ohne Kommando), veranstaltet Kurt einen Brunch am Sonntag. Auf einmal ganz viele Menschen und jeder versetzt mit den gleichen Fragen. Ich war ehrlich gesagt, sehr froh als dies vorbei war. Am Tag darauf fuhr ich mit Shui auf „Melbourne-Erkundung“. Zuerst in den Botanischen Garten danach in die City. Da muss ich gleich mal feststellen, dass der Garten das schönste von Melbourne war.
Vielleicht lag es an der Saison, der Uhrzeit, oder sonst was. Jedenfalls war die Stadt voll. Total überlaufen und ne Menge Verkehr. Mich zog es dann schon bald zum „Yarra Fluss“, um diesen zum Meer entlang zu fahren. Aber auch hier, höllen Verkehr an Fußgängern und Radfahrern. Purer gefährlicher Chaos und wenig Respekt. Ein Kreuz und Quer auf dem Rad-/Fußweg. Ich hatte bald schon genug und verzog mich wieder in einen der hübschen Parks und schließlich auf verschiedenen Radwegen nach „Hause“. Melbourne angeschaut, Punkt.
Einen angenehmen Abend verbrachte ich mit Kurt und seiner Tochter. Am nächsten Tag fuhren wir wieder auf die Farm (Kiki wieder im Renntempo). Hier blieb ich jetzt alleine für den Rest des Tages eher es am nächsten Morgen gen Alpen ging. Ich genoss noch einmal die Ruhe, den Teich, das Trampolin, die Obstbäume, die Grillen und am Abend die Terrasse.
Am 14.2. also ging meine Fahrt weiter. Anfangs war ich mir noch nicht ganz sicher, wie genau ich Richtung Sydney fahren möchte, denn mir fehlten Informationen bezüglich der „Straßen“-Zustände und Wasser unterwegs. Somit fuhr ich Tag für Tag und entschied spontan. Zuerst aber nach „Warburton“ der „C511“ entlang. Später entpuppte sich die „C511“ als Piste und laut meiner Karte mit wenig Möglichkeiten an Wasser zu kommen. An diesen Tagen war es besonders wichtig für mich, denn es galt etliche tausend Höhenmeter zu strampeln bei Temperaturen über 30 Grad.
Somit entschied ich mich kurzfristig über die nicht-nummerierte dafür aber mit einem Namen versehene „Straße“ (Big River Road) zuerst nach „Jamieson“ und schließlich nach „Mansfield“ zu fahren. Hartes Pflaster!
Auf diesem Streckenabschnitt erlebe ich so einiges! Ich bin einfach nur hin und weg, als wie aus dem Nichts ROTE Papageien mit BLAUEN Flügeln herumfliegen. Dann, ROTE mit GRÜNEN Flügeln! Dann, BUNTE!! Ich kann es kaum glauben!!! Wirklich!! Ich freu mich vor mich hin. Bleibe stehen und bestaune die Vielfalt. Sooooooooooo schön! Ich schmunzle und sage zu mir: „ROTE Papageien mit BLAUEN Flügeln, des gibt’s doch ned!!“ 😊
Dann, mit etlichen mehr von dieser Sorte, bei einer Abfahrt auf Asphalt, sehe ich eine „Dingo“ aus den Büschen kommen. Als er mich dann sieht/hört, schaut er mich an, dreht sich um und rennt den Hang wieder hinab. Ich schau die Büsche noch hinab sehe aber nur mehr wie er verschwindet. Auch der, sooooo schön goldig! Eine Weile später, eine Schlange, die auf der Straße ein Sonnenbad nimmt. Da ich auf Asphalt fast Geräusch- und Vibrationslos ankomme, entdeckt sie mich erst recht spät. Mir gelingen eine Aufnahme und das Beobachten der edlen Bewegung.
Das Campen in diesem Gebiet einfach ein Traum, wie sehr oft in Australien. Bach, Schatten, Großräumigkeit und Natur pur! Trotzdem muss ich dazuschreiben, dass das Radfahren an sich teilweise brutal anstrengend ist. Die Wärme, die Pisten und die Steigungen. Hin und wieder kommen mir Bilder in den Kopf aus meinen früheren Radlzeiten. Besonders die Erste, von Waldmünchen nach Hongkong. Ich weiß noch genau, wie sehr ich das Bergauf-Fahren und die Pisten verflucht hatte. Damals wäre ich ganz sicher diese Strecken, welche ich jetzt bewusst aussuche, nicht gefahren. Hundert Pro nicht! Manchmal übelste Schotterpisten, megasteile An-und Abstiege, die Wärme und der Staub, den die paar wenigen Fahrzeuge aufwühlen, der einem am verschwitztem Körper kleben bleibt. Hm, ich stelle eine gewisse Leidenschaft fest. 😉
In „Mansfield“ angekommen, frage ich ein Pärchen, ob sie einen Kontakt aus Warmshowers für mich anrufen könnten, dem ich eine Email geschickt hatte. Es stellt sich heraus, dass sie befreundet sind und es bedauerlicherweise für ihn nicht möglich ist, mich wo unterzubringen. Das Pärchen, weiß aber gleich ne Stelle für mein Zelt und weisen mich dorthin. Ich kaufe noch Lebensmittel für mein Abendessen und ziehe los. Perfekt, ein unbenutzter Sportplatz. Das Wasser aus dem Wasserhahn wird gleich mal meine Dusche und Spender des Wassers für meine Wäsche und später mein Abendessen. Atemberaubend das Schauspiel über mir. Weiße „Cockatoo´s“ (Weißhaubenkakadu´s) und lachende „Kookaburra“ (Jägerlieste) in den Bäumen. Für mich: Was möchte ich mehr haben?!

Am Abend studiere ich die Karte und entdecke kleine „Straßen“ durch das „Berg-Getümmel“ der australischen Alpen. Ich möchte von hier nach „Myrtleford“ aber nicht wirklich die ganze Strecke entlang der „C521“. Somit werde ich bei „Whitfield“ abbiegen, nach „Cheshunt“ fahren, von dort zum „Rose River“ und der „Rose River Road“ entlang zum „Buffalo Lake“ fahren. Perfekt. Sollte klappen, auch das Campen am „Rose“ Fluss.
Am Morgen bin ich ganz aus dem Häuschen und freue mich sehr auf die Strecke. Laut der Karte soll die Gegend vielversprechend sein, was die Landschaft betrifft. Die ersten vielen Kilometer auf Asphalt, teile ich mit paar Rennradlern und sehr wenig anderen Fahrzeugen. Es geht schön angenehm hinauf durch den belebten Wald und dann angenehm rasant wieder bergab. Hinter „Cheshunt“ wird’s wieder schottrig und auch paar Höhenmeter warten auf mich. Ab hier freue ich mich besonders auf mein Camp irgendwo am Fluss „dort“ unten. Nach gut 90 Kilometern ist dann auch Schluss. Ich nehme ein Bad, fülle meine Flaschen auf, „wasche“ mein Shirt und genieße das Sein.
Ab hier soll es nach „Myrtleford“ einfach dem Fluss entlanggehen. Zwar auf Schotter, aber gut fahrbar. Ich darf einen riiiießegen Hirschen sehen und mal wieder hunderte bunter Vögel. Von Rot über Blau bis Grün. Am „Buffalo See“ sehe ich etliche Pelikane. Früh am Mittag rolle ich in die Stadt ein. Entspannt genieße ich mein Mittagessen im Schatten und Vogelgeschrei der weißen „Cockatoo´s“. Bis nach „Bright“ sind es nur mehr um die 30 Km, wo mein Gastgeber „Jon“ auf mich wartet. Es geht einer alten Bahnstrecke supereasy dahin. Zwar leicht ansteigend aber kaum spürbar. Das einzige was ich spüre sind die an meinem Tacho anzeigenden 42 Grad. Das Einzige was hier hilft ist, fahren!
Im sehr hübschen „Bright“, dem Vorort der Alpen, springe ich in den Fluss und kühle mich ab. Paar andere Besucher, tun das Gleiche im angelegten Wasserpark. Echt, sooo toll angelegt!
Bei Jon bleibe ich für zwei Nächte. Er lebt hier seit wenigen Jahren und er sagt, dass er regelrecht aus Melbourne geflohen ist. „Kaum auszuhalten. Da wird man ja krank!“ Er staunt selber, dass er es dort über 45 Jahre ausgehalten hat.
An meinem „freien“ Tag organisiere mir mein Geburtstags Geschenk. Etwas verspätet, aber gute Idee braucht eben Zeit zur Reife 😊 So, geht’s von Sydney zuerst nach Bali, eher ich von Singapur den Flieger gen Europa nehme. Meinen lang ersehnten Wunsch „Surfen“ zu lernen, möchte ich mir erfüllen. Wo sonst, wenn nicht Bali? Ich checke als Flieger, Unterkunft und Surfschule. Bingo, alles ganz nach meiner Vorstellung. Als hätte es so sein sollen.
Positiv aufgeregt und höchst zufrieden, verlasse ich Jon sein Zuhause und gehe dem Fluss entlang in die Kleinstadt. Wie sehr es mir hier gefällt! Wasser, Berge, Vögel, Bäume und alles andere auch wie z.B. ein Supermarkt. Dort kaufe ich kunterbunt für mein Mittag ein und spaziere zum Park mit öffentlichem elektrischen Grill und Picknicktischen. Hab ich schon erwähnt, wie sehr mir dieses „Outdoor-Picknick“-Konzept gefällt?! Ouh man!! S U P E R!
Auf den Grill lege ich paar Scheiben Brot, bereite nebenher meinen Salat und freue mich über ALLES bis auf die Fliegen. 😉
Den Abend klinge ich fein mit Jon aus. Wir schweifen in der „Rad-Welt“ herum. „Fahren“ in Tibet, Alaska, Südamerika und Europa herum. Tut gut jemanden zu haben, der ähnlich tickt. 😊
So und jetzt das Highlight! Von hier aus geht es der „Great Alpine Road“ hinauf auf 1845m!! Das heißt 1600m am Stück (auf Asphalt). Leute, wie ich mich drauf freue! Kaum waren am Morgen die Augen auf, wollte ich nur noch los! Reichhaltiges Frühstück, „Goodbye“ Jon und los. Shui rennt wie ne Eins. Die ersten 20 Kilometer leicht ansteigend vorbei an „Germantown“ und „Freeburgh“. Ab „Harrietville“ wird’s ernst! Anfangs noch mit bis zu 11 Prozent Steigung wird’s dann kontinuierlich zu 5 Prozent. Einen Fuchs entdecke ich in freier Wildbahn während es Meter um Meter hinauf geht.
Es geht verdammt gut vorwärts. Diese Idee, hierlang zu fahren, hatte ich bereits in Tasmanien. Und JETZT war ich da!! Von der Idee im Kopf zur Umsetzung mit den Beinen.
Die Aussichten waren für längere Zeit beschränkt doch als es dann bereits auf über 1000m ging, konnte man erblicken wohin der Weg ging. Ich fühlte mich im Element! Ich spürte mich. Echt, soo toll! Nach insgesamt 4 Stunden war ich oben, beim „The Cross“. Drei Stunden reine Fahrzeit. Welch eine Leistung für den Körper und Geist! Ich bewundere das Leben und die FunktionEN und Möglichkeiten des menschlichen Wesens.
Nach einer Weile, rolle ich ein Stück hinab in das alpine Dorf „Hotham Heights“ (Nur im Winter zur Ski-Saison bewohnt). Ich fülle meine Wasserflaschen auf und rolle weiter bergab. Kurz darauf auf der rechten Seite kommt eine Wasserstelle und bald der kostenlose Campingplatz „J.B. Campingground“ mit einer leerstehenden „Not-“Hütte.
Ich glaube es wird recht frisch in der Nacht und entscheide mich in der Hütte zu nächtigen. Was mich die Tierchen Tasmaniens gelehrt hatten, verwende ich tag täglich. Proviant Taschen aufhängen! Ich bin überrascht als nach der Dämmerung die Possums aus dem Dach herauskriechen. Insgesamt vier Stück. Sie durchschnuffeln den Raum und als sie feststellen, dass nichts Greifbares dabei ist, suchen sie draußen nach Futter. Gegen 5 Uhr früh, kamen sie wieder zurück und gingen zu Bett. Wie süß.. 😊 Ha ha ha.
Ich verabschiedete mich bei allen Einwohnern der Hütte und rollte hinab nach „Omeo“. Hier kaufte ich paar Utensilien ein, packte Shui und radelte weiter der „C545“ entlang. In „Benambra“ frage ich beim Tankwart nach Wasserinfos auf meiner Strecke. Mit einem Lächeln hört er mir zu und als ich ihn frage warum er schmunzelt sagte er: „Du weißt schon, das sind 76 km Schotter und über 1500 hm!“ Ich antworte schmunzelt: „Ja, das ist auch gut so, ich freu mich darauf!“
Hinter „Benambra“ noch 10km Asphalt und schließlich die 76km harter Schotter mit einem ständigen „Up and Down“. Kurz bevor ich den Asphalt verlasse, erkenne ich noch rechts vor mir einen „Wildhund“ in den Wald verschwinden. Vor „Benambra“ hatte ich etliche dieser Tierchen, sichtlich Räuber, an einem Baum hängen gesehen. Lebendig gefiel mir dieser besser.
Nach etlichen Kilometern campiere ich malerisch am Fluss und setze meine Fahrt am nächsten Tag fort. Begleitet von kunterbunten Vögeln nehme ich dann den 1400m Berg unter die Pedale. Prächtig geht es hinauf. Meter um Meter. Ziemlich oft veranstalten die verschiedenen Vögel einen Zirkus, der mich zum Lachen bringt. „Ob sie spielen oder es um was Ernstes geht?“ frage ich mich. Ganz sicherlich ernst ist die Begegnung mit einer, ich denke „white lipped snake (=Weißlippenschlange), auf meinem Weg hinauf. Unbewegt liegt sie mitten am Weg und sonnt sich. Von paar Metern Entfernung erkenne ich sie. Ich fahre an ihr mit Distanz langsam vorbei. Ich bin neugierig. Parke Shui ein Stück weiter und kehre mit Respekt zurück. Mit einem langen Stecker bringe ich sie zum Bewegen und bestaune die Eleganz der Bewegung. Kurz darauf ist sie verschwunden und ich rolle weiter, denn wenn ich mich nicht bewege schwitze ich umso mehr aus jeder Pore und der Staub der wenigen Fahrzeuge, klebt schön an Beinen, Gesicht und meinem weißen Shirt. Dennoch: bester Laune erreiche ich früh mittags das Ende der Schotterpiste und entscheide mich viel früher als sonst am „Staceys Bridge Campground“ Halt zu machen, zu Baden, Kaffee zu trinken und den ersten Teil meines Berichts zu tippen. Später bekomme ich von einem Pärchen Besuch, doch leider verstehe ich kaum etwas, denn sie sprechen in einem starken Dialekt. Die Frau von dem zu mir sprechendem Herrn, sagt zu ihm folgendes, dass ich ganz sicher verstanden habe: „Er versteht wohl kein Englisch. Oh, vielleicht nur schlecht!?“ Ich antworte in einem ganz klaren Englisch: „Ich verstehe und spreche Englisch, doch Euch tue ich mich schwer zu verstehen.“ Wir alle Lachen und sie bemühen sich sichtlich in ihrer Aussprache.
Die Nacht verbringe ich nur in meinem Moskitonetz sprich ohne Verdeck meines Zeltes. Ich betrachte mal wieder den Sternenhimmel und die Blutsauger, die auf dem Netz sitzen. Sehr schöne Stimmung mit den Grillen im Hintergrund, paar Vögeln die noch umhersingen und das Blinken der Sterne.
Meine Fahrt geht weiter nach „Corryong“. Einen “Emu“ treffe ich unterwegs. Meinen ersten auf dieser Reise. Danach, hab ich recht bald die Kleinstadt erreicht. Verfrühtes Mittag und Einkaufen für die nächste Etappe. Anfangs zeigte sich der Himmel schön bedeckt und die Temperaturen somit sehr angenehm zum Radfahren (22 Grad). Doch DANN, als es in die Berge in Richtung „Kosciuszko National Park“ ging, reiste der Himmel auf und beschenkte die Erde mit bis zu 42 Grad!!!! Früher als gedacht waren meine Trinkflaschen leer. Nach nur 30 Km und knapp 700 hm hatte ich über 2 Liter getrunken. Durchgeschwitzt stand ich da, an der Tankstelle in „Khancoban“, wo ich mich so wie ich war einfach mit Wasser übergossen und gleichzeitig meine Trinkflaschen wieder aufgefüllt hab. Der vorbeigehende Herr mit Dialekt und Cowboy-Hut fragte mit einem Schmunzeln: „Bisschen warm heute oder?“
Ich wollte heute noch unbedingt zu dem „Geehi“- Zeltplatz fahren, den ich mir vorgenommen hatte. Ansonsten wäre der nächste Tag viel zu anspruchsvoll und evtl. noch superheiß als Zusatz.
Also fuhr ich Klatschnass mit vollen Trinkflaschen los, Ca. 30 Kilometer und weitere 700 hm. Mit kleinen „Zielen“ motivierte ich mich die Fahrt entlang. Stück für Stück sozusagen. Als ich dann sichtlich und spürbar weiter oben war, konnte ich bereits auf den höchsten Berg Australiens blicken. „Mt.Kosciuszko“ mit 2229m, benannt nach einem polnischen Patrioten. Wie froh war ich, als es bergab ging! „Nur nicht mehr bergauf BITTE!“ wünschte ich mir.
Ich kam zum idyllischen -und kostenlosen- Zeltplatz „Geehi“ und das erste was ich tat, war in den Fluss zu steigen. Samt Kleidung! Ich war erschöpft! Das kalte Wasser war sooooo wohltuend! Ich legte mich rein und blieb bisschen liegen. Kochwasser nahm ich dann am Rückweg mit. Ich freute mich jetzt auf meine superguten Spaghetti mit allerlei!
Wieder gestärkt und entspannt genoss ich das abendliche Ambiente mit zig wilder Natur. Große und kleine Kängurus kamen zu Besuch. Hier nächtigte ich auch nur in meinem Moskitonetz. Einer der Vorteile: ich werde gleich mit dem ersten Tageslicht wach. Dies war auch mein Gedanke, denn der darauffolgende Tag sollte sehr sehr sehr anspruchsvoll werden!
Bereits eine Stunde früher als sonst bin ich gestartet, sprich um ca. 8 Uhr. Damit ich ja in den „kühleren“ Stunden radeln konnte. Insgesamt 48 km, 1750 hm warteten auf mich. Nach nur (sehr) wenigen Kilometern schwitze ich wieder aus jeder Pore. Hier hatte es wohl bisschen geregnet und es dampft richtig. Es ist unangenehm schwül. Obwohl mein Tacho nur 16 Grad zeigt, fühlt es sich an wie über 30. Fast kein Verkehr, guter Asphalt, faszinierende Natur des National Parks aber diese steilen Passagen!! Bis zu 15 Prozent Steigung geht’s hinauf und das nicht nur für ein kurzes Stück! Minimum 8 Prozent, Durchschnitt 10! Ich bin fix und fertig! Mehrere Pausen muss ich einlegen, Datteln und Nüsse in den „Ofen“ nachwerfen. Ein Motorradfahrer bleibt stehen und fragt ob alles gut ist. Als ich dann erahne, dass es bald geschafft ist, komme ich in „Sibirien“ raus. Eine Gebietsunterteilung der lokalen Waldbehörde. Oben, mache ich letztendlich meine verspätete Mittagspause mit vollem Genuss und Zufriedenheit obwohl die Beine schon starke Signale schicken, dass das jetzt eine extreme Erfahrung war. Tage zuvor bin ich ja ähnliche Distanzen geradelt. Mit Leichtigkeit! Es spielt eben der Grad der Steilheit eine große Rolle.
Phuuu..ich atme aus und freue mich einfach nur. Noch bleib ich bisschen am „Dead Horse Gap“, der „Passhöhe“ sozusagen auf 1600m eher ich hinunter rolle nach „Thredbo“. Einer der größten Skigebiete Australiens. Hier hab ich das Glück, bei „Michael“ aus Warmshowers bleiben zu dürfen. Meine Idee ist nämlich den höchsten Berg zu erklimmen. Dieser Ort ist der perfekte Start. Leider regnet es am kommenden Tag. Wobei, leider? Ich kann den Tag Pause wirklich gut gebrauchen. Somit faulenze ich ausgiebig. Michael stellt mir ein Zimmer mit Panorama Ausblick auf den National Park zur Verfügung. Perfekt um zu Regenerieren.
Dann ist es soweit. Das Wetter ist stabil. Zwar bewölkt aber trocken. Recht schnell ist der Gipfel des „Mt.Kosciuszko“ (2228m) erreicht. Man wandert bzw. spaziert fast nur auf Stahlplattformen. Der letzte Kilometer ist dann Schotter. Als ich oben ankomme, wird das „Gipfelkreuz“ soeben erst gebaut. Die Ausblicke sind aufgrund der Wolken mäßig aber das was man sieht, sieht echt nicht aus wie Australiens. Mehr so wie Schottland oder Irland (war ich zwar noch nie aber stell ich mir vor 😊 ).
Nach also drei Nächten bei Michael, fahre ich sehr gut fühlend nach „Jindabyne“. Hier kaufe ich meine vorderen Packtaschen wieder fast voll. Von hier geht es nämlich auf dem „Snowy River Way“ über „Dalgety“ nach „Bombala“. Wie es sich herausstellt, eine sehr sehr sehr einsame Gegend mit sehr wenig Wasser. Wo ich noch umhüllt war von Wäldern und Bächen, war jetzt, nur geschätzt 30km Luftlinie, so ne Art Dürre. Steppenland, auf einem 900m Höhe Plateau, soweit das Auge reicht. In der Stunde vielleicht grad mal zwei Autos die mich passieren. Gegen Ende des Tages mache ich mir ernsthaft Gedanken woher ich denn Wasser bekommen könnte. Laut meiner Karte sind zwar paar Bachläufe eingezeichnet, aber in Realität sind sie trocken.
Von weitem sehe ich zwei parkende Straßenarbeiter-Autos. Kurz bevor sie wegfahren, frage ich sie ob sie bisschen Wasser übrighätten. Leider sind auch sie leer. Geben mir aber die Info, dass es einen Fluss gibt, der ganz sicher Wasser hat. „Noch ca. 5 km und nach dem kommenden Hügel nur noch alles bergab.“, wird mir mitgeteilt. Ha ha.. ich sagte zu mir: „Also ca. 10 km und viele kleine Hügel.“ Und was war??? 12 km und nur die letzten 2 km waren bergab. Ha ha ha. 😊 Bei dem Wasser hatten sie aber recht. Dort campierte ich dann auch samt Badewanne mit Froschquaken und Kornfeld als Tapete. Früh morgens werde ich von den wärmenden Sonnenstrahlen geweckt. Sooo ein schöner Morgen! Die Sonne über dem Kornfeld goldig leuchtend. Der laue Wind bewegt den „Teppich“ und die Vögel untermalen diesen „Film“. Echt, was Besonderes!
Mittags rolle ich in „Bombala“ ein. Bei meiner Mittagspause hier, entdecke ich tatsächlich „Flughunde“ in den Baumgipfeln hängend. Unglaublich was es hier alles zu sehen gibt! Die hängen tatsächlich mit dem Kopf nach unten und umhüllen sich mit ihren Flügeln! Krasse Vögel!
Weiter geht es mal wieder stark hügelig durch mittlerweile wieder Grünes. Etliche verschiedene Vogelstimmen gibt es nebenher zu hören. Ich weiß nicht, ich bin immer gleich so begeistert und frohen „Ohres“ wenn ich dieses Gepiepse und Singen höre. Es lenkt mich tatsächlich positiv ab.
Die Temperaturen steigen auch unweigerlich, denn ich verliere an Höhe. Ich habe mich nämlich entschieden ein Stück der Küste entlangzufahren. Bevor ich aber an diesem Tag ganz hinunterfahre auf Meereshöhe, stoppe ich für die Nacht in „Wyndham“. Selbst in einem Dorf wie diesem, gibt es die Möglichkeit kostenlos und legal sein Zelt aufzustellen. Picknicktisch- und Bänke stehen zur Verfügung. Wasser aus dem Bach. Schatten von den Bäumen. Was braucht man mehr? Diesen Service werde ich oft vermissen!
Ab ans Meer! Nur 30 km und das meiste in sehr flottem bergab-Tempo. So erreiche ich recht bald die Küstenstadt „Pambula“. Das allererste was ich unternehme: Schwimmen und auf den Wellen schweben. Ich stelle fest: dass es hier viel heller ist, als wo ich in den letzten Tagen unterwegs war. Die Sonne, das Meer, der Sand. Ganz was anderes!
Mal wieder nehme ich den Service in Anspruch, der kostenlosen „Strom-Grill´s“ für mein Mittag. Ich weiß nicht wie oft ich davon jetzt darüber berichtet habe, aber es begeistert mich eben jedes Mal aufs Neue! 😊
Am Nachmittag fahre ich zu „Justin“ aus Warmshowers. Er ist gerade damit beschäftigt, sein Leben umzukrempeln. Das heißt, vieles Entsorgen/Weitergeben, das er gar nicht braucht. Das Haus zu verkaufen und nur mehr in seinem Campingwagen zu leben. Den Abend verbringen wir, in dem Justin erzählt und erzählt, auch Geschichten, die nicht wirklich für mich interessant sind und ich dann kurz vorm Einschlafen, aufstehe und mich verabschiede. Kann also auch anstrengend sein so ein Besuch.
Es wartet auf mich die Straße wieder! Ich rolle los und bin gleich mal von den Socken! Soooooooo viel Verkehr! Es ist so furchtbar laut, ich höre nicht mal die Reifen am Asphalt und teilweise ist es gefährlich eng! Ich habe kaum Gefallen an der „A1“. Um die Sache kurz zu machen. Ich wollte eigentlich ca. 400km der Küste entlang radeln. Insgesamt waren es um die 160km und viele Höhenmeter. Ein ständiges Auf und Ab! Von diesen 160km hat man auf nur ca. 11km Sicht auf das Meer, mehr nicht. Die einzig hübsche Stadt für mich war „Narooma“. Davor kann man auch auf der Straße „no.9“ den meisten Verkehr umgehen und danach auf der Straße „no.5“ bzw. einem Radweg entlang des Meeres für ein kurzes Stück. Dennoch gab es was zu sehen: in „Narooma“ kämpften Robben, Kormorane und Rochen um die Überbleibsel der gefischten und ausgenommenen Fische. Ein Spektakel dieser Wasserwelt!
Weiter als „Moruya“ bin ich nicht an der Küste geradelt. Mein „Fluchtplan“ waren die idyllischen Berge. Bald kam ich auch schon in den „Deua National Park“. Zwar auf Schotter, aber diese Ruhe, die Luft, die Harmonie der Natur!! Ich hörte auf einmal den Untergrund worauf ich rolle, die Vögel piepsen, den Wind in den Bäumen, den Fluss fließen. Also echt, hier war ich richtig. Nach guter Distanz erreichte ich auf einen der drei Wald-Campingplätze (6$). Ein genüssliches Bad im „Deua“-Fluss und herrichten des Lagers. Ich sags euch… hier spielten die Vögel ihre eigene Musik. Noch nirgends hatte ich so ein kunterbuntes Konzert wie hier. Umso seltsamer kam es mir vor, dass die Nachbarn einen Radio laut spielen hatten und sich dann noch über den „ganzen“ Wald hindurch laut unterhielten. Sowas verstehe ich nicht. Der weite Weg auf Schotter und unwegsamen Gelände, raus aus Stadt und Verkehr, und dann baut man sich wieder eine „Barriere“ auf. Statt zu lauschen und sich zu öffnen bzw. sich mit der Natur zu vereinen, im Einklang sein. Vielleicht bin ich ja nur so sensibel!?
Jedenfalls ging es am nächsten Tag auf Schotter weitere 20km weiter bis nach „Araluen“. Sehr hübsch gelegen in einer „Valley“. Umringt von den 900er Bergen sozusagen. Auf dieses Plateau ging auch meine Strecke. Mit krassen (mindestens!!) 10%, 600m hinauf am Stück!! Ohne Erbarmung ohne Hilfe! Einfach nur Krass. Aber machbar! 😉
Kaum war ich dort beim Ausrollen und Schnaufen, werde ich Zeuge vom Boxkampf des Jahres oder meines Lebens. Zwei Kängurus schenken sich nichts! Anfangs dachte ich, dass sie nur so rumtanzen und erfreute mich das zu sehen. ABER, nach dem ersten Kick war mir klar, da geht es nicht um einen Grashalm und es gibt’s keine halben Sachen! Richtig brutal mit heftigen Stößen und meterhohen Sprüngen. In den Bauch, den Kopf, egal wohin. Hauptsache „gewinnen“, mir scheint. Blutige Ohren und Schnauze, kein Grund aufzugeben! Krass! Als der Eine den anderen zu Boden kickt wird ihm kein Sekunde gegeben um zu verschnaufen. Sofort gibt’s einen Sprung auf den Bauch oder Rücken. Oh man!! Und ich stand einfach so da und sah zu, filmte und fotografierte. Etwas verschreckte sie und sie hüpften beide davon. Wie es also ausging…?
Ich konnte es erstmal kaum fassen, was ich da jetzt beobachtet hatte. Teils war ich erstaunt und teils musste ich lachen. Als ich mich wieder fing, fuhr ich nach „Braidwood“. Hier ähnliches Szenario wie auf der Küste auf der „A1“. Mega viel Verkehr auf der „B52“ in Richtung „Canberra“. Mein vorrübergehendes Ziel aber war „Goulburn“. Das heißt, ich könnte ein Stück mit dem Verkehr mitfahren und so einen Großteil der Schotterpiste umgehen und Kilometer „sparen“ oder aber ich pfeife auf all dies und begebe mich auf die „natur“-liche Route. Ha ha ha… und wie sich das entwickelt hat, brachte mich zum Schmunzeln. Beim Verlassen der Stadt war ich guter Hoffnung, dass die 9 Kilometer nicht so schlimm sein werden, um dann auf die ruhigere Straße abzubiegen. Doch alles kam anders. Noch kurz vor dem Ortschild, als ich nur wenige Meter den Höllenverkehr neben mir hatte, bog ich unbewusst ab in die ruhige Schotterpiste. Es fühlte sich an wie ein Stein vom Herzen gefallen, echt! So eine Erleichterung! Natürlich war der folgende Weg ganz und gar nicht einfach aber definitiv es Wert! Sandpiste, Waschbrett, Flussdurchquerung und einigermaßen guter Schotter zum Fahren. Aber, auch durfte ich einen riesigen „Waran“ erblicken und beim Baumkraxeln beobachten. Später dann, auf der Suche nach einer Wasserquelle und Schlafplatz, blieb nur mehr der Wegesrand direkt am Zaun übrig. Und hinter dem Zaun ein kleiner Damm mit Wasser für die Farm. Perfekt zum Baden und für das Kochwasser.
Am nächsten Tag kam ich dann ja in „Goulburn“ raus. Befüllte meine Provianttaschen und Trinkbehälter, updatete Familie und Freunde und fuhr weiter Richtung „Blue Mountains“. Ab hier spielte das Wetter auf einmal andere Regeln. Herbstlich! Starke eiskalte Winde! Bewölkter Himmel. Einerseits freut es mich das in Australien zu erleben, andererseits, ists schon ungemütlich zu radeln bei diesem Wetter. Dennoch, es geht gut vorwärts und warm halten kann ich mich nur, wenn ich in Bewegung bleibe. Das Thermometer macht bei 11 Grad Schluss. Okay, vielleicht auch deswegen, weil ich mich nur mehr auf über 1000m aufhalte. Die erste Nacht verbringe ich im kleinen historischen Ort „Taralga“ inmitten eines Reitstalls. Shui stelle ich über Nacht in eine Pferdebox, nicht, dass er mir noch davonrennt. 😉
Die Fahrt am Tag (11 Grad) wieder mit starkem eiskalten Seitenwind, wenig Aussicht und dunklen Wolken. Der Wind weht genau aus der Richtung, dass es mir meine kurze Hose gen Hüfte schiebt. Es sieht aus, als würde ich in einer Unterhose radeln. Ha ha. Sonst bringt der Wind noch die Blätter zum Fliegen und lässt die Vögel blitzschnell in der Luft surfen. Am frühen Nachmittag mach ich Schluss. Ich brauche Rast und Wärme. Diese finde ich in „Black Springs“. Hier darf man offiziell Campen, einfach am grünen Rasen vor der Ortschaft. Super! Toiletten, Picknicktische und Wasser. Perfekt. Es tut gut, früher zu pausieren. Ich wärme mich auf und verbringe den Rest des Tages mit dem Beobachten von Vögeln und den Wolken, die immer heller werden. Kurz bevor es Abend wird, zeigt sich der blaue Himmel und später die Sterne. Beim Kochen meines Kraftessens, kommt ein Fahrzeug angerollt und der Fahrer grüßt mich freundlich durchs Fenster. Während ich zubereite, unterhalten wir uns nett. Kurz darauf überreicht er mir zwei kalte Dosen Bier. OUH YEAH! Welch eine Freude und Geste!
Eine friedliche frische (8 Grad) Nacht auf 1230m verbringe ich. Schlafe sogar länger als sonst (ob das am Hopfen liegt? 😉) Von hier fahre ich weiter nach „Oberon“ und schließlich nach „Hampton“. Insgesamt 50km aber doch knapp 800hm an diesem Tag. Ich fühle, dass ich meine letzten Tage in Australien, mehr der Natur und Wahrnehmung widmen möchte, als dem Kilometer abspulen und früh in der Stadt ankommen. Somit bleib ich auf dem grünen Rasen (ähnlicher Service wie in „Black Spring“) mit Toilette und Picknicktisch kurz vor „Hampton“ und lebe mein Leben wie es ist. Wasser bekomme ich von meinen Nachbarn, die mit ihrem Campingmobil umherreisen. Es ist wunderschön. Zwar für australische Verhältnisse sehr kalt (15 Grad am Tag) aber gut gekleidet verbringe ich den gesamten Nachmittag am Picknicktisch. Vor mir jagen die kunterbunten Vögel kleine Insekten aus der Luft (teilweise spektakulär Flugmanöver!) oder verfolgen sich verrückt durch die Baumwipfel. Ich höre manchmal nur, wie sie an mir vorbeidüsen und kurz darauf erst erkenne ich wer wohin geflogen ist. Dieses Vogelparadies werde ich auch stark vermissen. Nirgends sonst hatte ich solch ein „Kino“.
Auch hier finde ich guten Schlaf und ein Morgenkonzert mit Vogelgesang. Später am Tag komme ich in die extrem touristische Stadt „Katoomba“. Sozusagen DAS „Blue Mountain“-Anlaufziel Nummer 1. Aaaaber! Ich möchte nicht verschweigen wie sehr steil und eng und laut und stinkig die Auffahrt hierher war. Einfach nur brutal! Jeweils zweispurig und nur ein schmaler Seitenstreifen. Steigungen länger anhaltend mit 12% und genau an diesen Stellen GAR KEIN Seitenstreifen!!!! Bis zum kleinen Zeh bin ich durchgeschwitzt. Alles hochgefahren! Als Dank für die Strapazen die sensationellen Ausblicke auf die Berge. Wirklich sehenswert! Auf einer kleinen Aussichts-Plattform bin ich ganz allein und stärke mich mit Obst und Nüssen. Auf einer anderen, sieht man Gesichter aus der ganzen Welt. 😉
Von hier solls fast nur mehr bergab in die Ebene von Sydney gehen. Zwar gibt es noch steile Gegenanstiege aber nur von kurzer Dauer. So erreiche ich dann am Nachmittag kurz vor „Linden“ einen Platz, an dem man auch legal kostenfrei campen kann. Diesmal sogar mit kalter Dusche! Spitze, echt! Idyllisch umringt von Bäumen, baue ich mein Zelt auf. Lausche ausgiebig der Natur und reflektiere den Tag, die Wochen und genieße meinen Kaffee.
Mein vorletzter Radtag steht an. Zuerst geht’s lange bergab. Von weiten kann ich bereits die Skyline von Sydney erkennen. Luftlinie ca. 60km. Ich unternehme aber noch einen Umweg ins Grüne. Halt, zuerst ersetze ich eine gebrochene Speiche des Hinterrads an einer Tankstelle. So, jetzt geht’s einmal entlang der Bergkette zum „Bent´s Basin“-Erholungsgebiet. Laut meiner Info ist auch dort das Campen kostenfrei. Früh am Nachmittag erreiche ich diesen malerischen Platz mit natürlichem See und reichlich Platz für allerlei. Einen Nachmittagsschlaf auf der Parkbank genieße ich zuerst. Danach ein erfrischendes Bad und Kaffee. Eine echte Oase am Rande der Großstadt. Der Ranger kommt zu Besuch. Wir unterhalten uns nett. Er ist sichtlich neugierig über meine Reise. Und ich bin sichtlich interessiert ob man hier kostenfrei campen darf oder nicht. Er meint es kostet 17 australische Dollar. Phuu! Nach einer Weile, nachdem er seiner Arbeit nachgegangen ist und wieder zu mir herkam, meinte er: „Ach weißt du was, stell dein Zelt einfach dort zwischen die anderen Zelte, dann sollt das schon passen bis morgen. Spätestens um 11 Uhr morgen solltest du aber weg sein.“ Haha. Jawohl Herr Ranger!
Die restliche Zeit bleibe ich aber noch am See. Dann, am Abend schiebe ich Shui zum eigentlichen Zeltplatz. Hunderte Zelte! Eine christliche Gemeinschaft hat hier den Platz für das Wochenende reserviert. Na Servus! Ohrstöpsel sind heute Gold wert! Ab 22 Uhr ist es aber angenehm leise. Um 6 Uhr früh ists vorbei mit Schlafen. Ich bleibe noch liegen, denn es regnet. Später, als es aufhört zu tröpfeln, krieche ich aus dem Zelt, packe es nass ein und rolle zum See. Frühstücke in der Naturidylle und bereite mich auf den letzten Radtag in Australien vor. Es geht nach Sydney!
Kilometer um Kilometer komme ich näher. Damit Verbunden ist auch der Verkehr. Es hält sich angenehm in Grenzen in den Vororten. In „Glenfield“ steige ich aber in den Zug für 11 Stationen. In „Green Square“ steige ich aus. So, jetzt die Aufgabe: Eine Fahrradschachtel für Shui-Transport im Flieger organisieren. Auf meinem Handy hab ich viele Bikeshops markiert. So fahre ich einen nach den Anderen ab. Drei Stunden und etwa 20 Kilometer später hab ich eine! Phuuu.. Ich bin echt geschafft von Ampeln, Schlaglöchern, Regeln, Autos, etc.. frohen Herzens radle ich zu meinen Gastgebern „Jess & Rob“. Die beiden hab ich auf meiner Wanderung in Tasmanien kennengelernt. Schon sehr angenehm, wenn man die Leute davor kennt. Es tut sooooo gut bei ihnen anzukommen. Ich erhalte ein eigenes Zimmer mit einem riiiiesigen komfortablen Bett. Oh man!! Ruhe im Garten, guter Kaffee und nette Gesellschaft. Ich fühle mich echt wohl hier!
Tag später entführen mich die beiden ans Meer. Wir surfen die riesigen Wellen mit unseren Körpern, genießen frischen Fisch und beobachten das Leben am Strand. Echt echt toll! Und die Farben!! Tag später erkunde ich das Zentrum der Stadt. „Manly Beach“, Opera Haus, die Brücke, den botanischen Garten, Hydepark und viele kleine Gassen. Hätte ich nicht gedacht, aber Sydney gefällt mir echt gut! Ganz besonders, weils hier all die Vögel gibt, die ich auch sonst auf der Reise hatte. Sogar drei „East Water Dragons“ darf ich erleben. Ich bin überglücklich und total aus dem Häuschen als ich später fliegende Flughunde nach Sonnenuntergang entdecke! SOOOOO TOLL!! Irgendwie spüre ich in der Stadt ein Flair wie in meinem geliebten Hongkong. Im botanischen Garten sitze ich für Stunden und schaue! Dies und das. Auch meine Gedanken beobachte ich. Sehr positiv. Zufrieden!
Definitiv möchte ich nochmal hierherkommen (ich stelle mir auch bereits vor, warum😉). Den Abend verbringe ich gemeinsam mit „Jess&Rob“. Soo viel Wert, so liebe Menschen zu kennen, die einem blind Vertrauen und so großzügig sind.
Eher es für mich nach Bali weitergeht, genieße ich noch ihren Garten, guten Kaffee, reflektiere und freue mich auf einen Wechsel. Besonders von Rad aufs Surfbrett. 😊 Somit „Goodbye Australia“ und „Selamat Datang Bali“!

Derzeitiger Stand:
4432 km
264:08 h
54871 hm

Herzlichst,
Piotr

Fotos
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