Große Liebe. Tasmanien

Große Liebe. Tasmanien

Februar 9, 2018 0 Von pio

25.12.2017 – 9.2.2018

„Honolulu – Melbourne – Launceston“, so meine Flug-Route über die Datumsgrenze. 11,5 Stunden insgesamt im Flieger später, lande ich „Launceston“, am 25.12.2017. Angenehmer sonniger Stopover davor in Melbourne. Endlich Tageslicht und gute Luft. Ich staune über die Helligkeit und Sonnenschein am Abend als ich mit all meinem Gepäck aus dem kleinen Flughafen in Tasmanien hinausrolle. Es ist soooo hell um 20 Uhr! Ich bin wirklich zufrieden hier zu sein. Sommer!
Shui ist schnell aufgebaut und die Radtaschen installiert. Ich kann es kaum erwarten endlich loszufahren. Es dämmert mittlerweile bisschen und die Insekten und Vögel singen die Natur in den Schlaf.
In mir brodelt es voller Zufriedenheit. Ich erfreue mich sooo sehr am ganzen Hier sein. Die sommerliche Abendkulisse mit Hintergrund-Insekten Musik! Kaum Verkehr trägt dazu bei, dass man wirklich alles hört. Top!
Ca.12 km später, erreiche ich das gebuchte Hostel für die ersten drei Nächte, nachdem ich noch bisschen durch die Stadt gecruised bin. Die Unterkunft gefällt mir auf Anhieb. Ich lerne „Nari“ kennen, eine Australierin, die sich dann mit den Tagen und Wochen als eine große Hilfe erweist. Auch noch andere Leut aus der Welt, die mir wertvolle Tips mitgeben können.
Sehr geschafft, falle ich dann letztendlich ins Bett und schlafe unglaublich gut. Am Morgen, reicht nur ein Blick aus dem Bett gen Fenster und ich strahle voller Freude: purer Sonnenschein und dieses Blau des Himmels. YEAH!! – nichts wie hinaus und Frühstücken!
Ich freute mich auf Tasmanien nicht nur wegen der Insel an sich, sondern auch über liebgewonnene Lebensmittel, die ich letztes Jahr in West Australien schlemmen durfte. Mein Favorit: eine Paste aus verschiedenen Nüssen samt Datteln und Kakao. Deluxe! 
Nun ja, die ersten zwei Tage verliefen sehr genüsslich ab. Einfaches Radfahren, viel Schauen und ein wenig Vorbereiten auf die ersten Tage unterwegs sein. Gleich zu Anfang hab ich mir ein Abenteuer ausgesucht: „Tasmanian Trail“. Dieser geht von „Devonport“ (Norden) nach „Dover“ (Süden). Durch verschiedenste Vegetationen auf unterschiedlichsten Untergründen quer durch die Insel. Um die 500 Km. Unbedingt mitzunehmen: den GPS-Track, denn der Weg ist äußerst schlecht ausgeschildert. Ich lade mir diesen auf mein Handy und nutze eine einfache App (alpenvereinaktiv) mit heruntergeladenen Karten im Vorfeld. Perfekt! – Klappt sehr gut und ich muss wirklich oft auf den Bildschirm schauen. Entweder sind die Schildchen gar nicht da oder zugewachsen oder beschmutzt.
Zusätzlich, als neues Utensil, nehme ich mir eine Angel mit auf die Tasmanien-Entdeckung. Mal sehen was sich ergibt.
Der erste Tag meines Abenteuers, der 28.12., beginnt angenehm und Landschaftlich interessant. Wetter könnte nicht besser sein, Fahrzeuge sind kaum unterwegs, Wind stimmt auch. Die Route von Launceston gen Norden für diesen Tag hatte ich nicht zur Gänze ausgefeilt, dies wollte ich dann spontan machen, je nachdem wie ich mich fühlte und Wind/Verkehr auf mich wirkten. An einer Tankstelle tankte ich Benzin in meine Brennstoffflasche und entschied dort, doch über die Hügel zu fahren. In Richtung Narawntapu National Park bewegte ich mich ab jetzt. Ich beschloss nicht nach Devonport zu radeln (eigentlicher Start des Tassie Trails), weil ich dort eh am Ende des Ganzen hinmüsste.
Also MEIN Start für den Tassie Trail (Tassie oder Tas ist die lokale Abkürzung für Tasmanien) sollte der Narawntapu National Park werden. Sichtlich geschafft erreichte ich ihn nach etwas über 80 km und über 1000 hm. Das Besondere an diesem Tag für mich war der Duft der Bäume, in den ich mich letztes Jahr in Westen Australiens verliebt hatte. So intensiv nach Eukalyptus und bestimmt zig anderen ätherischen Ölen. Erst recht, wenns super heiß ist, wie an diesem Tag. Schwitzige Radlerei!
Im National Park (einen 2 Monat Pass für Tasmanien erwirbt man kostengünstig im Internet), bekomme ich Trinkwasser und sehr schönes Plätzchen um mein Zelt aufzustellen. Anschließend nutze ich die Zeit der untergehenden Sonne am laaaaangen Sandstrand zu spazieren. Weiter geht es am folgenden Tag über Sheffield (sehr sehenswert die aufgemalten Bilder auf Hauswänden) über etliche Hügel. Ich merke schon recht bald: das wird kein einfaches Radeln hier auf der Insel. Fast täglich warten über 1000 hm auf mich!
Die Landschaft an sich wechselt sehr schnell, vorausgesetzt man bewegt sich . Bewundern tue ich die Mohnblumen Felder links und rechts von mir. Lange hält dies nicht an, denn hälfte des Tages bewege ich mich auf Schotter und durch Wälder. Vogelgesang pur stattdessen. Auf der Karte versuche ich herauszulesen wo ich am besten campieren könnte. Am besten heißt: am Wasser. Ich werde fündig am Mersey Fluss. Dieser wird mir noch lange in Erinnerung bleiben und ich werde ihm noch paar Mal begegnen.
Ich rechne also mit einem flachen Plätzchen am Fluss und steure motiviert auf diesen zu. Von weitem höre ich Menschen-und Motorengeräusche… he?? Als ich hinkomme, entdecke ein ganzes Campinglager. Jeeps, Zelte, Anhänger, Motocross Räder, Quads, Lagerfeuer, Hunde und die Eigentümer. Naaa Seeervus denke ich laut! Als ich so durchradel entdecke ich nicht viel freien Platz. Ich komme ins Gespräch aber verstehe kaum etwas. Bei einem anderen Lager verstehe ich zumindest ein bisschen etwas und von dort sichte ich auch ein Fleckchen direkt am Fluss, wo ich anschließend mein Zuhause aufstellen kann. Ich werde auf ein Bier eingeladen, aber bereits bei der Einladung an sich hab ich nur ein Fünftel verstanden: „.. .. .. .. Beer?“ Außerdem bin ich müde und möchte eigentlich nur Baden, Kochen und Ausruhen.
Erstaunlicherweise verläuft die Nacht sehr angenehm ruhig und ich bin einer der ersten der wach ist. Nachdem alles wieder am Shui befestigt ist, geht’s weiter dem Tassie Trail entlang – durch den Fluss. Stückweise hüfttief das Wasser. Ovale Steine machten das Unterfangen echt nicht einfach. Bis über die Hälfte konnte ich durchwaten und war guter Hoffnung, doch DANN wurde es eben tiefer. Ich parkte Shui an einer möglichen Stelle und trug Taschen für Taschen ans andere Ufer. Jedesmal mit fast-schwimmen-gegangen-aber-glück-gehabt.
Am anderen Ufer ging es nicht wirklich einfach weiter. Mega steil auf einem engen Pfad. Es war für mich unmöglich Shui als gesamten da hinauf zu schieben. Also, wieder Taschen ab und Stück für Stück bewegen. Für diesen Tag reichte mir das Abenteuer und Adrenalin auch schon. Außer die mittlerweile gewohnten 1000 hm und Schotter passierte nicht viel. Ich kaufte wieder ein 3 Tages Proviant in Deloraine ein und fuhr in Richtung Arthurs See. Die Nacht dazwischen verbrachte ich bei den kostenfreien Liffey Wasserfall Campingplätzen eher ich am nächsten Tag, den 31. Dezember am Arthurs See ankam. Dort hinauf geht eine sehr schöner Asphalt Pass. Am See campierte ich nicht an den vorgesehenen Campingplätzen, sondern direkt am Ufer. Auch für die Platzwächter schien dies als die mehr harmonische Stelle Silvester zu feiern, als zwischen Campingwägen zu Zelten.
Ich hatte gut Zeit und kaum Ablenkung um das Jahr zu reflektieren, lecker zu Kochen, die alpine Aussicht zu genießen und zu Angeln (zumindest zu versuchen). Hat mir sehr gut gefallen.
Der Neujahrstag zeigte sich anfangs von seiner schönen Seite doch bald kam der eiskalte Wind. Ich war bereits auf Strecke, so konnte ich mich ständig warm treten. Bis nach Bronte Park war es ein echter Kampf mit Wind und Kälte. Sehr unangenehm zum Radfahren. Hinzu kam der ständig wechselnde Untergrund. Von feinem zum groben Schotter und umgekehrt. Plus, die Staubwolken.
Sozusagen im Windschatten angekommen, war es wieder sehr sehr toll zum radeln. In Bronte Park (kleiner Tante Emma Laden) füllte ich meine Trinkflaschen auf und zog weitere Kilometer bis zum See „Dee Lagoon“. Welch ein schöner Camp Spot!! Direkt am See und umringt von Wald. Hier fischte ich einen Fisch nach dem Anderen. Einen behielt ich, der Rest ging wieder schwimmen. Anschließend wieder das tägliche Szenario wie Kochen, Zelt aufstellen, Baden, Vogelgesang lauschen und später Sterne schauen. Also wirklich: das Campen an sich in Tasmanien ist ein absoluter Wildnis Hammer!! Allein wegen dem Draußen schlafen würde ich hierherkommen 
Weiter am Tassie Trail kam ich in „Ouse“ raus. Hier seit paar Tagen erst wieder ein kleiner Supermarkt. Ich kaufe nur für einen Tag ein, denn den großen Einkauf möchte ich am nächsten Tag in „New Norfolk“ organisieren. Von dort geht’s dann nämlich wieder ans Eingemachte. Beim Supermarkt spricht mich ein Herr an wohin ich weiterfahre. Ich erkläre ihm meine Route und er meint nur: „na dann viel Spaß, dort bleiben sogar die Allrad Jeeps stecken. Nimm lieber die Straße.“ Mit einem Schmunzeln fügt er hinzu: „Du wirst dich an meine Worte erinnern.“ Mein Interesse ist geweckt und so mache ich mich auf. Nach paar Stunden und nur wenigen Kilometern aber vielen Höhenmetern kann ich gut erkennen was er gemeint hat. Metertiefe Furchen und Schlammbäder. Jeeps hatten sich hunderte Male bereits eingegraben und so diese Wege ausgegraben. Ich kann zwar stellenweise über den Waldrand ausweichen doch manchen Stellen laden nicht wirklich dazu ein. Entweder Stacheln oder Abgrund. Dennoch finde ich meine Wege komme aber sehr langsam voran. Idyllisch campiere ich direkt auf dem Weg und neben mir fließt ein kleiner Bach. Perfekt zum Baden und Fischen (ohne Fang). Ab hier sollte der Trail humaner werden nur die Schilder waren kaum zu finden. Ich musste schon oft überprüfen ob ich denn noch richtig sei. Und gerade am allerletzten Tag, 3 Kilometer Fluglinie zum Ziel „Dover“, bereits sichtbar von den Hügeln hinab, keine Schilder und der GPS Track nicht ganz korrekt: Sackgasse!! Kein Weg weiter nur der von dem ich hergekommen bin. Also zurück. Ich versuche noch kleine Abstecher aber auch diese führen nach nirgendwo. Also doch viel weiter zurück. Dort schaue ich genauer und finde letztendlich den Weg, der mich ans Ziel „Dover“ bringt. Somit hatte ich die 519 km in 7 Tagen bewältigt. Phuuu… ich bin sichtlich erleichtert und freue mich nur mehr auf das Zelt aufstellen, dass ich hinter einem leerstehenden Haus erledige. Mich machte mehr die Konzentration (stimmt der Weg?, Schlangen irgendwo?) müde als das Radfahren selbst.
Ab hier, sagte ich zu mir, sollts nur mehr echtes Radfahren werden auf der Insel. Keine Kämpfe durch Büsche, über Baumstämme oder durch Flüsse. So sollte es auch sein. Morgens gings malerisch an der Küste gen Norden. Gegen Ende des wunderschönen Tages, treffe ich eine Frau an einer Tankstelle. Sie sieht mich und kommt direkt auf mich und fragt ob ich heut vor habe zu campieren. Ich bestätige und sie weist mich auf einen supertollen Platz gleich in der Nähe. Kleiner Bach nebenan und alles schön ruhig gelegen. Dankeschön! Genau so! Aber moment mal… das Glück war noch nicht ausgeschöpft. Ich finde am Weg zwei VOLLE Bierdosen am Straßenrand!!! Ab mit denen in den kühlen Fluss für wenige Stunden – Und zu Abendessen gibts erstmals ein Bierchen. Oder zwei. 🙂
Halben Tag später komme ich in „Hobart“ an. Die Hauptstadt der Insel. Dort erwartet mich „Eric“, mein Gastgeber aus der Internetplattform „Warmshowers“ und drei andere Radbegeisterte aus der Welt. Zusammen hatten wir eine sehr lustige harmonische Zeit. Mit zwei aus der Gruppe, Michael und Brett, habe ich mich dann noch insgesamt dreimal auf der Insel getroffen!
Bei meinen Spaziergängen durch die Stadt, entdeckte ich im Hafen ein größeres Boot mit der Einladung mit auf die Antartktis zu fahren. Gegen Bezahlung natürlich. Ich notierte mir die Kontaktnummer und am Abend wusste ich dank Eric mehr. Der einmonatige Trip kostet 10.000 Australische Dollar. Also ca. 6.600 Euro. All Inclusive.
Ich blieb demnach bei meinen Radplänen und blieb in Hobart und plante meine weiteren Tage auf dem Boden. Als die anderen Radfahrer abgereist waren, hatte ich Zeit mich mit Eric zu unterhalten, was für mich sehr inspirierend und bereichernd war. Er lebt seit drei Jahren in einer sehr einfachen Hütte nur aus bereits genutzten Utensilien. So sind seine Fenster zB. alles nur ehemalige Duschfenster.
Am nächsten Tag heißt es auch für mich wieder rein in die Pedale und ab zur Ostküste. Am ersten Tag fahre ich über „Sorell“ und „Nugent“ in den „Wielangta“ Wald. Dort finde ich ein nettes Campingplätzchen mit Toilette, Picknick Tischen, Wasser und sogar einer Überdachung. Von dem Vogelgesang der hier aus allen Richtungen kommt, ganz zu Schweigen.
Am nächsten Tag in „Triabunna“, lerne ich Kurt aus Holland kennen. Er wohnt in Melbourne und lädt mich gleich mal zu sich nach Hause ein. Ich kann bei ihm wohnen solange ich für die Stadt brauche zu besichtigen. Wir tauschen die Kontaktdaten aus und Tschüss.
Frohen Herzens beschließe ich von hier, „Triabunna“ auf die Insel „Maria Island National Park“ zu schippern. Campen ist an zwei Plätzen mal wieder kostenfrei und großzügig. Wasser und Toiletten. Die Fähre an sich mit 60 AUD plus pro Tasche und Fahrrad 10 AUD. In meinem Fall: verpacke ich alle meine Taschen in eine große (meine Flugzeugtasche für meine Radtaschen) und zahle nur für eine statt fünf.
Auf der Insel heißen mich unzählige Wombats willkommen. Bei der „Shoal Bay“ stelle ich mein Zelt für die kommenden drei Nächte auf. Mit den „Possums“ hab ich dann abends ein bisschen zu kämpfen, denn sie möchten auch etwas vom mitgebrachten Proviant haben. Letztendlich hänge ich all mein Essen Zwischen Ast und Boden auf und die Nacht findet endlich die erwartete Ruhe. Am kommenden Tag spaziere ich 11 Kilometer am Strand der „Shoal Bay“ und beobachtete zig Wasservögel und Muscheln. Meine Sohlen fühlen sich danach an wie ein Babypo .
Ich ahnte schon irgendwie, dass ich die zwei Jungs aus Hobart, Michael und Brett, wiedersehen würde. Nach meinem laaangen Spaziergang, hörte ich von weitem schon, „Hey Pio!“
Ach wie sehr ich mich freute! Unter sehr netter Gesellschaft ist man doch sehr gerne. Wir hatten uns bereits viel zu erzählen. So füllten wir den Nachmittag mit Erzählungen bei Tee/Kaffee. Nächster Tag war für mich ruhe Tag in der Idylle mit den allen interessanten hübschen Tierchen und der Tag darauf für uns alle Abreise. Die zwei blieben noch eine Nacht, wechselten aber nur den Standort. Ich fuhr mittels der Fähre wieder auf die Hauptinsel. Der Wind schob an diesem Tag besonders gut, ich machte gut Distanz entlang der Ostküste. Schon bald erreichte ich die „Bay of Fires“. Riesige Felsbrocken mit Orange betölpeltem Mustern vor dem türkisfarbenen Meer. Ein Spektakel für das Auge! Es ist wirklich was Besonderes all die Farben auf so engem Raum zu erleben. Natürlich nur bei Sonnenschein.
Ich musste jetzt unbedingt auf das Datum schauen, denn am 23.1. hatte ich meinen „Eintritt“ in den „Overland Track“ (eine 65km lange Wanderung). Nach Launceston ließ ich auch meinen großen Rucksack schicken, der schon sehr bald im Postbüro eintreffen sollte. Ich wollte mich dann auch noch organisieren und im Hostel erholen, wo ich mich für zwei Nächte eingebucht hatte. Also war mir meine Route von der Ostküste nach Launceston bekannt: zwar viel anspruchsvoller aber dafür einsamer: die „C428“ über „Ringarooma“ nach „Scottsdale“. Übernachtung bei den „Ralph Falls“. Der Weg dahin teilweise sehr sehr steil und brüchig. Der Picknickplatz bei den „Ralph“ Wasserfällen wieder großzügig mit Wasser, Toiletten, Überdachung und Tischen und Bänken. Die Abfahrt auf bestem Schotter einfach a Traum!
Ich fühlte mich super fit und voll im Element. Ab hier hatte ich noch zwei Tage eher ich in Launceston im Hostel einchecken konnte. Diese verbrachte ich vernünftig entspannend an einem kleinen Baggersee bei Scottsdale und einen Tag später bei 40 Grad kurz vor Launceston an einem Fluss. Dennoch, die Kilometer dazwischen musste ich trotz den unmenschlichen Temperaturen radeln. Da gilt einfach nur: Wasser über den Kopf und Fahrtwind.
In Launceston traf ich auf meinen Rucksack und „Nari“, meine neue Bekanntschaft. Ich schrieb mir eine Liste zusammen was ich jetzt besorgen müsste und was ich am Weg bis zum Start (noch zwei Radtage) einkaufen könnte. Einfach um Gewicht zu sparen bzw. frisches Essen nicht zu beschädigen.
Ich verließ das Hostel am 21.1. und fuhr schon gut beladen(=schwer) in Richtung „Cradle Mountain“. Um die 150 km und 2500 Höhenmeter warteten auf mich. Es wäre auch einfacher gegangen, gleiche Kilometer und knapp die Hälfte an Höhenmetern, aber dafür ständig mit Fahrzeuggeräuschen statt Vogelstimmen und Wasserplätschern der vielen Bäche.
In „Deloraine“, hier kam ich bereits am Tassie Trail durch, erledigte ich den letzten Einkauf. Ab hier war Shui super schwer. Für bis zu 10 Tage Proviant. Die ersten fünf Tage mit frischen Obst/Gemüse. Und genau ab hier warteten die Höhenmeter auf uns. Dennoch, es war weniger anstrengend als ich gedacht hatte. Kaum Fahrzeuge auf den Nebensträßchen und ausreichend Schatten. Idyllisches Übernachten im „Mole Creek Karst National Park“ als Bonus direkt am „Mersey River“. Der Fluss, durch den ich bereits gewatet bin.
Den Tag vor meiner großen Wanderung kam ich rechtzeitig beim „Cradle Mountain“ – Besucherzentrum an und holte mir das Ticket für die Wanderung. Es ist deswegen so streng kontrolliert, damit die Natur nicht überlaufen wird. 200 AUD kostet der Eintritt/Zutritt. Täglich werden nur 34 Wanderer „frei“ gelassen um sich auf den Weg zum See „St Clair“ im „Cradle Mountain-Lake St Clair National Park“ zu machen. Ohne Abstecher sind es ca. 65 km in sechs Etappen. Jede Etappe endet an einer Hütte mit Regenwasser Zisterne und Toilette. Ausreichend Zeltplätze gibt es auch. Man kann sich die Wanderung selbstverständlich selbst gestalten und wie lange man brauchen möchte.

Ich nächtige noch kurz vor dem Besucherzentrum, packe meinen Rucksack in der Früh zusammen und staune nicht schlecht über das Gewicht!! Rucksack auf Shui und fahre so zum Start. Dort frage ich nach einer Möglichkeit, mein Rad unterzustellen für die Wanderwoche, jedoch werde ich vertröstet (und das bei 200 AUD Eintritt). Ich frage nebenan bei einem kleinen Outdoor-Veranstalter und sie geben mir einen Platz in einem verschließbaren Anhänger. Perfekt! Shui und alles unnötige Gepäck sowie Proviant für einen Tag nach Rückkehr, lade ich in den Anhänger.

Top! Ich bin bereit, Rucksack is sau schwer und das Wetter soll auch halten. Ich mache mich auf. Die ersten Kilometer bin ich überrascht wie angenehm es sich die ganzen geschätzten 20kg (mit Wasser) tragen lässt. Später, bei den ersten nennenswerten Steigmetern, spüre ich das Mehrgewicht.
Jeden Tag wurde der Rucksack leichter, eh klar, trotzdem find ich das die Rucksack Technologie enorme Fortschritte geleistet hat. Ich fand ihn jeden Tag super bequem (Osprey Aether 70 AG). Bei den Schuhen musste ich Abstriche machen. Rechts an der Ferse bildetet sich am zweiten Tag eine große Blase obwohl ich die Schuhe eingegangen bin. Ab dritten Tag also kleiner Nebeneffekt: Jeder zweite Schritt mit stechendem Schmerz. Hinzu kam, dass mir am linken Fuß der Schuh wohl eine drittel Nummer zu klein ist, denn ich hab mir den Zehnagel abgetreten. Noch ist der dran, jedoch unter dem Nagel eine Blutblase.
Wie dem auch sei: Die Wanderung an sich ist ein wahres Naturspektakel. Die Landschaften wechseln sehr oft, obwohl man sich doch recht langsam und wenig fortbewegt. Es ist wirklich schwer etwas zu beschreiben, dass von jeder Seite ganz anders SCHÖN aussieht. Dann,… die Düfte, die Naturgeräuschkulisse, die Schlangen!! (OUH JAA, viele waren unterwegs und ja, alle sind gifitg), die Farben zwischen und hinter den Blättern, die ultraklaren Sternenhimmel. JEDEN Tag war purer Sonnenschein. (Deswegen auch die große Anzahl der Schlangen.) Eigentlich waren die Wetterbedingungen unüblich für diese Wanderung. Die meisten Wegabschnitte sind für nasse Verhältnisse gebaut. So zB. rutschige Passagen extra mit Hasengitter als Profil versehen. Es verliert natürlich den Abenteuer Geschmack, wenn zu viel abgesichert wird und es nur den einen Weg gibt und alles super toll ausgeschildert ist. Aber trotzdem fand ich diese Wanderung als eine besondere Bereicherung für den Geist. Endlose Ruhe, angenehme Distanzen, übersichtliche Route und doch ein Komfort beim Ankommen in eine Hütte oder Hüttenanlage.
Bis auf eine Nacht hatte ich jedes Mal in den Hütten genächtigt. Einfach aus dem Grund, mal was anderes zu erleben. Oft war ich und 2 bis 4 weitere Personen in der Hütte. Alle anderen wollten Zelten. Mit den Tagen freundet man sich an und es sind keine Small-Talk Gespräche mehr. Schließlich wandern die meisten die Wanderung so, wie sie auch empfohlen wird. Ich lernte während der Wanderung meine Gastgeber in Sydney kennen. Rob und Jess möchten mich beherbergen und schmieden bereits Pläne was wir dann dort erleben könnten.
Das Manko an der Wanderung ist nicht nur das fehlende Abenteuer (außer es regnet oder schneit) sondern das zurückkommen zum Fahrzeug, wenn man es beim Start abgestellt hat. Wie ich zum Beispiel. Alles kostet hier gleich Unmengen von Geld oder ist kompliziert. In meinem Fall, treffe ich glücklicherweise auf der Wanderung eine kleine Familie die mit zwei Fahrzeugen angereist ist. Einen Platz haben sie noch frei, den sie mir anbieten. Perfekt!! Besser hätte es wirklich nicht laufen können, bis auf die Blase. Am Ende der Wanderung baden wir ausgiebig im „St Clair“ See, eher wir mit der Fähre (40AUD) zum Autoparkplatz fahren. Dies wäre eigentlich der siebte Tag der Wanderung gewesen: Am Ufer des Sees entlang.
Somit komme ich superschnell wieder zu Shui und wir sind vereint und zelten am gleich Ort wie vor dem „Wander-Start“. Ab in der Früh: Harter Regen und in den Bergen Schnee. Ooooh Man!! Hat alles so sein sollen. Ich bin überglücklich trotz dem Regens. Ich warte noch ein bisschen und verpacke das nasse Zelt in einer kurzen Regenpause.
Während es noch bisschen regnet, nutze ich die Möglichkeit, kostenloses (30 Minuten) Internet beim Besucherzentrum zu nutzen. Ha,..ich erhalte eine Nachricht von meinen zwei Radfahrern. Michael und Brett sind hier irgendwo. Paar Stunden später treffe ich sie bei einer ihrer Pausen. Perfekt, beste Kombi! Zusammen radeln wir die restlichen Kilometer des Tages und schlagen uns Lager kurz nach „Rosebery“ auf. Klitzekleiner Park direkt am Bach und eine überdachte Plattform. I D E A L !! Brett besorgt eine Flasche Wein. Wir sind so erfreut aneinander zu sehen. Alle haben viel zu erzählen. Viel Lachen und stimmige Harmonie unter uns fühle ich. Das ist soooo viel Wert bzw. hat so einen großen Wert!
Der weitere Routenverlauf ist uns beiden klar: ich möchte eine Nacht am „Lake Burbury“ verbringen somit fahre ich direkt nach „Queenstown“ und die Jungs fahren nach „Zeehan“ und erst später zu dem See. Wir glauben trotzdem uns nochmal zu treffen und zwar in „Strahan“, an der Westküste.
Meine Fahrt zum „Lake Burbury“ erweist sich als ca. 90 km und 1500 hm schwer. Paar Regenschauer und Eiseskälte wie aus dem Nichts. Oben in den Bergen wieder Schnee (Tasmanischer Sommer wohlbemerkt). Am See selbst, aufgewärmtes Wasser und Sonnenschein mit gigantischem Ausblick. Vor paar Tagen hatte mich nämlich genau dieser Ausblick beim Zurückfahren mit der kleinen Familie verzaubert. Obwohl es nicht auf meiner Route lag, sondern eher ein Umweg war, wurde es für mich wichtig, hierherzukommen und dies mit Zeit zu erleben. Campen bildet hierfür die beste Form.
Hier war ich. Viel Zeit und Ruhe zum Reflektieren der Wanderung. Purer Genuss. Ich war erfüllt und mittendrin vom Ganzen, dass mich stimuliert. Alle leinen los sozusagen: Sein.

In der Früh wieder bisschen Regen und Kälte (9 Grad). Am kleinen Pass hinauf gen „Queenstown“ kann ich mich gut aufwärmen. Die Bergabfahrt eine Gaudi. In der Bücherei finde ich Unterschlupf, als die Wolken zu brechen scheinen. Es schüttet für ca. 30 Minuten wie aus Eimern. Sonne folgt darauf und bleibt auch für den Rest des Tages. Und siehe da!!!! In „Strahan“ treffe ich auf wen??? Richtig, Michael und Brett. So sollte es sein. Gemeinsam radeln wir zum Strand. Genießen die Weite, den Sonnenuntergang und DEN Vollmond! Nur mit dem Licht des Mondes radeln wir zu unserem Camp, dass wir zuvor in den Büschen aufgebaut hatten. Ab hier wussten wir alle, dass wir uns wohl nicht mehr auf der Insel sehen würden. Schwermütig verabschieden wir uns und freuen uns auf ein Wiedersehen in einem anderen Land. Sie fahren schön langsam zu „Eric“ nach „Hobart“ und ich weiter der Westküste und schließlich der Nordküste entlang nach „Devonport“. Für mich als erstes aber geht’s nach „Zeehan“. Vorbeikommen tue ich an den bis zu 30 Meter hohen und 15km langen „Henty“-Sandünen. Sehr eindrucksvoll! Geformt und entstanden nur durch die Winde!

Am Nachmittag erreiche ich „Zeehan“ und organisiere mich dort für 3 Tage ohne Supermarkt. Ich verschicke wie üblich meinen letzten Standort an Freunde und Familie und radle los. Es warten über 60 Kilometer nur Schotter. Mehr weiß ich nicht. Weder in welchem Zustand, noch wie steil es sein könnte. Dennoch, ich freue mich sehr darauf. So weit abgelegene Routen gibt’s selten auf der Insel. Meine erste Übernachtung findet am „Reece Dam“ platz. Herrlich gelegen am angestautem „Pieman“ Fluss. Dies dient zum Baden, Wäsche Waschen und als Trinkwasser für den kommenden Tag. Weiter geht es über „Corinna“, wo eine Fähre (12,5 AUD) die Straßen-Lücke schließt. Hier fülle ich meine Trinkflaschen auf (einen Tante-Emma-Laden gebe es auch) und mache mich auf ins Ungewisse. Das einzige was ich von den wenigen Einheimischen erfahre ist: dass es teilweise sehr sehr steil wird, diese Stellen aber asphaltiert sind und nicht, wie der Rest der Strecke, schottrig. Absolut richtig! Steigung bis zu 18%! Zuerst hinauf und dann gleich hinab.
Ich bemerke aber schon bald, dass ich an diesem Fleckchen Erde besonders viel Schönheit entdecke. Die „C249“ Schotterstraße wird wirklich nicht oft/viel befahren. An meinem Tag sind es geschätzt 16 Fahrzeuge. Die Natur rundherum ist ein absoluter Hammer. Fast nur Fernsicht. Mal wieder voll das Glück des puren Sonnenscheins, obwohl dies schon auch sehr warm war. Die Strecke verläuft ausschließlich an den Hügelspitzen. Ein ständiges Auf und Ab. Am Tacho zeigt es mir über 85 km und 1900 hm an diesem Tag, als ich am „Lindsay River“ halt mache um mein Zelt hier aufzuschlagen. Ich sehe aus wie ein Sandmännchen. Im Fluss wasche ich mich und meine Kleidung, die auch recht bald trocknet dank der noch immer starken Sonne.
Ich bin überglücklich! Ich bin fit, solche Distanzen unter solch schweren Umständen zu bewältigen. Ich habe Freude dabei, diese Schwierigkeiten zu bewältigen. Ein wahres Geschenk mit dem Körper das alles erleben zu dürfen, wie und was man sich vorstellt. Ich nehme die Natur in ihrer pursten Form auf. Shui läuft brillant! Egal ob Schotter oder Asphalt, ein Meisterwerk! Zelt steht, Kocher Brennt, alle Ausrüstung hält seine Versprechen. Ich bin glücklich!
Am Morgen danach, das gleich wie sonst: Müsli, Kaffee und Tee. Zelt Abbauen und gesamtes Gepäck auf Shui schnallen. Auf geht’s in Schotterpiste Teil zwei. Heute aber nur mehr der Rest von ca. 20 km. Eigentlich war mein Plan zuerst den „Tarkine Drive“ zu fahren, sprich einen Kreis der „C218“ und dann erst nach „Arthur River“ und „Marrawah“, wenn ich in der „Zeit“ liege. Ich wollte so sicherstellen, dass ich es auch pünktlich zur Fähre in „Devonport“ schaffe, die gute 150 km entfernt ist und ich nur mehr wenige Tage Zeit hatte.
Aber der Wind entschied anders. Zuerst also links nach „Arthur River“ der „C214“ entlang. Der Wind war in bester Form. Ich kam mühelos voran und schnell! In Marrawah beschloss ich mit Hilfe des Inhabers eines kleinen Supermarktes, eine „Abkürzung“ durch den Wald auf Schotter zu dem „Tarkine Drive“- Kreis zu nehmen. Die Strecke war sowohl auf meiner Karte als auch in meiner „Maps.me“-App. Also gut, zeitlich hatte ich noch gut Spielraum, probiere ich. Ein Fluss kommt auch noch, wo ich Wasser nachfüllen kann. Ich fahre also begeistert los. Letztendlich bei der Abbiegung, stelle ich fest, dass das Flusswasser ungenießbar ist. Hunderte Kühe stehen entweder im Fluss oder hunderte Meter entlang daneben. „Oooops“, denk ich laut. „Jetzt muss ich unbedingt die 30 km Schotter fahren, damit ich Wasser bekomme“. Nicht nur zum Trinken und Kochen, sondern auch um zu Baden, was für mich mittlerweile sehr wichtig geworden ist. Na dann mal rein in die Pedale. Fürs erste bin ich erfreut über die Qualität des Schotters und wie gut es sich fahren lässt. Ich hoffe nur, dass es so anhält. Tut es auch, mein Glück, echt!
An einem Trinkbehälter für Weidetiere kurz vor Ziel, sehe ich „sauberes“ Wasser darin. Ich zögere kein bisschen und bleibe stehen. Vorfreude wie ein kleines Kind, bereite ich mich auf den Schwimm in dem runden Behälter vor. Zuerst entnehme ich Kochwasser und schließlich geht’s hinein. Sooo angenehm warm und einfach perfekt. Ein Bad in der tasmanischen Pampa hinter Stacheldraht . Ganz nach meinem Geschmack!! Ha ha ha.
Nach dem Bad, nur wenige Minuten später entdecke ich einen der interessantesten meiner Zeltplätze! Naja, bis dahin war mir das noch nicht klar. Erst spät nachts! Mir war gar nicht bewusst (hatte auch nichts gerochen), dass ich ganz in der Nähe eines überfahrenen Wombats mein Lager hatte. Als die Sterne dann zu sehen waren, kamen auch die „tasmanischen Teufel“. Zuerst hörte ich nur schreiende Geräusche und schließlich mit Hilfe der Lampe kleine „Bärchen“. Ich lag in meinem halboffenen Zelt und „beobachtete“ das Spektakel: Sterne und Teufel. Dann, bin ich raus aus dem Zelt und beobachtete die Live-Metzgerei. Wie aus dem Nichts stank es sooooo stark nach Verwestem. OOOUH BACKE!! Die Teufel haben den Wombat aufgerissen. Es stank sooo schlimm! Ha ha ha. Und die haben den zur Gänze gefressen. Ganze Nacht lang gab es ein Geschrei. Jeder wollte einen Happen. In der Früh entdeckte ich nur mehr das Fell und tausende Fliegen. Alles andere verputzt!!!
Wieder am Rad, folgte ich jetzt dem „Tarkine Drive“. Wieder, auf und ab und auf und ab. Kaum Verkehr, wenig Schatten, brutal warm, Schweiß am ganzen Körper und hunderte Fliegen in Abwechslung über mir, vor mir, hinter mir, auf mir! Keine Chance die irgendwie loszuwerden. Das ekeligste: Fliegen die gezielt hinter die Sonnenbrille reinfliegen oder direkt ins Ohr-/Nasenloch! Als sie dann mal weniger waren und es ein schattiges Plätzchen gab, entschied ich mich für meine Mittagspause. Das anschließende Nickerchen… vergiss es! Ständig Fliegen! Lösung: den Rest der Strecke flotter fahren. 
Ich kam in „Smithton“ raus. Überglücklich, denn ich hatte einen ganzen Tag Vorsprung ohne mich speziell angestrengt zu haben (außer den Fliegen davon zu fahren). Somit: relaxing cycling next days!
Ich kaufe frisches Gemüse und Obst und suche mir ein nettes Zeltplätzchen. Hier entdecke ich meinen ersten „Bandicoot“. Ein Maus ähnliches Tierchen nur bisschen größer. Friedlich vergeht die Nacht. Später fahre ich zuerst nach „Stanley“, schaue mir die kleine Stadt und ganz besonders „the Nut“ an. Ein Relikt eines Vulkans das die Form eines Quaders hat und so aus dem Meer herausschaut.
Weiter folge ich der Nordküste mit leichtem Gegenwind. Mein Vorteil denn die Fliegen haben es umso schwerer. Ich finde heraus, dass wenn ich mich über 24 km/h bewege keine Einzige mich belästigt. Wehe aber ich komme darunter! Erst recht, wenn ich pausiere. Just don´t think about that!
In „Wynyard“ radle ich am frühen Nachmittag hinein. Gleich als erstes entdecke ich einen suuuper schönen Picknickplatz. Hier trifft sich der ruhige Personenkreis, kommt mir vor. Direkt am Fluss, der ins Meer mündet. Tische, Bänke, Elektrische Grills mit Überdachung, mal wieder zeigt sich Australien von seiner besonderen „Outdoor“ Seite. Wie sehr ich dieses Konzept mag!!
Ich unternehme einen kleinen Abstecher in die Stadt und kaufe frische Lebensmittel, nutze das kostenlose Stadt-Internet und rolle zurück. Am Weg dahin, frage ich Einheimische, ob es in Ordnung sei, wenn ich eine Nacht hier campen würde. Jeder mit einem Lächeln im Gesicht antwortend: „Aber natürlich, mach einfach!“ Perfekt.
Später…komme ich mit „Treather“ und bald darauf mit „Michelle“ in wunderbare Gespräche. Wir unterhalten uns über das Leben, die Möglichkeiten, das Reisen und die Fähigkeiten des Körpers. Rührende Zeit. Kurz bevor Michelle nach Hause geht, fügt sie dem Abend noch hinzu, dass sie sich sehr freut auf einen Spaziergang gegangen zu sein. Anschließend kommt Treather mit seinem Hund und bringt mir Tomaten aus seinem Garten. Wie herzig! Diese Begegnungen machen das Leben noch mehr lebensWERT (als es eh schon ist).
Weiter entlang der Nordküste und der Schönheit der Felsen und kleinen Inselchen, komme ich zu meinen Gastgebern aus Warmshowers: Tim und Annie. Beide über 60, nach wie vor lebensfreudig und voller Tatendrang ihre Ideen und Wünsche umzusetzen. Sie leben mit und in der Natur. Etwas abseits von der Kleinstadt „Ulverstone“. Größtenteils ernähren sie sich aus ihrem Garten. Die Wintermonate verbringen sie im sommerlichen Europa und fahren Rad. Ich fühle mich pudelwohl! Ihre Gastfreundschaft lässt keine Wünsche offen. Beide leidenschaftliche Gärtner geworden, obwohl sie sich das noch vor Jahren nicht vorstellen haben können. „So ist das Leben“, sagen sie. „Voller Überraschungen“.
Am zweiten Tag überrascht mich Tim besonders als er aus der Garage seinen „Lotus 7 Replica“ rausfährt und mich auf eine Spritztour einlädt. OOOOOUUUUH YEAH!! Ich komme mir wie in einem Go-Kart nur mit viel mehr Hub unter der Haube. In den Kurven klebt das Teil wie angebrannter Pfannkuchen an der Pfanne. 
Es macht wirklich Spaß und Tim beherrscht das Fahrzeug bzw. die Rakete wirklich gut. Ganz ohne Elektronik meistert er die Kurven im Drift und bremst gezielt ohne Verbremser. Echt echt super! Mein Mund ist komplett trocken, weil ich meinen Mund wegen des Schmunzelns nicht schließen kann. HA HA HA.
Während des Trips schießt mir ein Gedanke in den Kopf als ich uns von oben betrachte: Leben mit seinem eigenen Stil. Oder, das triffts besser: Leben im eigenen Stil. So ist Tim zum Beispiel leidenschaftlicher Gärtner und nebenher das krasse Gegenteil und fährt sehr gerne die Rennsemmel FÜR SICH. Er bewahrt somit seinen eigenen Stil des Lebens. Er ist sich treu!
Es fällt mir sichtlich schwer das Paar und den Ort zu verlassen aber ich freue mich auch meinen Geburtstag und den letzten vollen Tag in Tasmanien zu verbringen. Wenige Kilometer stehen am Programm. Dafür viel Zeit für andere Taten. Schwimmen im Ozean, Kochen und Essen in Strandnähe, Entspannen bei Meeresrauschen, mit Shui umher Cruisen. Zeitlos bewege ich mich an diesem Tag, meinem 35. Geburtstag. So weit weg von allem. Nichts fehlt mir. Ich bin zufrieden, happy, satt, positiv gestimmt, fit, gesund und offen für Neues.
Die Nacht ist warm. Ich schlafe nur in meinem Moskitonetz. Früh morgens geht es recht bald zur Fähre „Tasmanian Spirit“, die mich in 9 Stunden nach Melbourne bringt. Angenehm sanft gleitet sie durch die „Bass“-Straße. Während dessen kann ich in Ruhe diesen Bericht tippen und So meine Lebenszeit in Tasmanien reflektieren. Ein wildes Abenteuer mit vielen unterschiedlichen Landschaften. Ich merke dennoch bzw. mal wieder, dass das einzig wahre, dass im Herz bleibt, sind die Begegnungen mit den Menschen on the Road. Danke!
Später, in Melbourne, radle ich der sonnigen „Port Phillip Bay“ entlang bis zum „St Kilda Pier“. Ich strahle richtig voller Glück und Verrücktheit. Ich sage zu Shui laut: „Wir sind jetzt wieder in Australien!“. Ein Gedanke darauf in meinem Kopf: „All diese Möglichkeiten im Leben: Nutze sie!“
Von „St Kilda Pier“ durch das Verkehrs Getümmel der 4 Mio. Einwohner Stadt, finde ich meinen Weg zu Kurt. Der sympathische Herr, der mich auf der tasmanischen Ostküste, zu sich eingeladen hatte. Hier bleibe ich paar Tage und breche schließlich auf in die Berge (Great Divide Range) und entfliehe der Hitze (hoffentlich) gen Sydney.

Derzeitiger Stand:
2682 km
163:09 h
29577 hm

Herzlichst,
Piotr