Neuseeland – Südinsel

Neuseeland – Südinsel

Februar 4, 2017 0 Von pio

10.12.2016 – 04.02.2017

Zuletzt berichtete ich von der Nordinsel Neuseelands und den Besuch meines iranischen Freundes Mehdi und einer deutschen Bäckerei bei Wellington.

Für meine Weiterreise auf die Südinsel nahm ich gleich zwei Laib Brot mit ins Gepäck. Der Baden-Württembergische Besitzer freute sich über ein Gespräch unter Brotfreunden und dann noch auf Deutsch. Die dreistündige Fahrt mit der Fähre von Wellington nach Picton fährt durch die „Cook-Street“. Berühmt berüchtigt für das unberechenbare Wetter. Hier trifft die Tasmanische See auf den Südpazifik, oder auch umgekehrt. Knapp eine Stunde vor der Ankunft, Land in Sicht! Und was für eines. Die sog.“Sounds“ von Marlborough. So in etwa wie Fjorde nur nicht so steil und hoch wie in Norwegen oder im südlichen Teil der Südinsel Neuseelands.

Bis die Fähre angelegt hat, verbrachte ich die Zeit oben am Deck und bewunderte die natürlichen Bauwerke. Sobald ich wieder Land unter den Füßen hatte, fuhr Shui und ich los Richtung „Blenheim“. Übernachtet habe ich irgendwo dazwischen in den Büschen: vollkommen ausreichend! Morgens ging es dann weiter in die Stadt hinein: Taschen vollmachen mit Proviant für bis zu fünf Tage. Ich hatte eine kleine Exkursion ins Ungewisse geplant. Hinunter zu „Hanmer Springs“ auf Schotter. Knapp 150 km Distanz hatte ich die Info, mehr nicht. Ich fragte noch verschiedene Personen ob die „Straße“ offen wäre und in welchem Zustand, als Antwort stets „Das schaffst du schon“ oder „Ooooh, ich weiß nicht ob das so ne gute Idee ist“…

Nun ja, ich wollte es befahren und so tat ich es. Es ging los, immer weniger Verkehr bis letztendlich gar keiner mehr und nur noch Schotter, der sehr gut zu rollen war. Nach gut 30 km, erstes Schild „Straße gesperrt“. Das heißt noch lange nichts, dachte ich mir. In Italien stehen auch Baustellenschilder obwohl keine Baustelle zu sehen ist. Also weiter gings… Nach einem kleinen Pass, fing es an zu regnen und schon bald kam ein weiteres Schild mit gleicher Nachricht. Dennoch fahre ich weiter und frage den ersten Autofahrer der mir entgegen kommt nach dem Status. Er meinte, 30 km weiter sei beim großen Erdbeben in November ein Erdrutsch abgegangen und hätte die Straße blockiert, mehr wisse er aber nicht. Hmmmm, in Indien im Himalaya heißt das noch lange nichts 🙂 also fahre ich weiter und frage ca. zehn Kilometer davor ein Pärchen das dort wohnt. Sie meinten ich könne evtl. oben drüber klettern, schließlich arbeitet dort ja auch die „Aufräum“-Firma. Guter Hoffnung und Bildern aus dem Himalaya des Jahres 2005, als zig Menschen und ich über solche Verschüttungen geklettert sind, fuhr ich weiter. Schon bald hörte ich zwei Hubschrauber um diese Stelle herumkreisen und dann schon bald kamen noch mehr Schilder zur Sicht mit offensichtlicher Nachricht sich der Stelle nicht zu nähern. Aber ich wollte doch in Erfahrung bekommen, ob ich dennoch rüber konnte!

Deswegen durchfuhr ich die Absperrung und schaute mal ganz vorsichtig was da los war. Oooops, da war etwas mehr als nur eine Verschüttung. Ca.100 m „Straße“ fehlte da!! Ich schaute mich um nach möglichen Trage-/Schiebepassagen aber es war nichts als steile Wand zu sehen. Die Helikopter kreisen um die Stelle herum und flogen Wasser hin und her, wohl um die Verschüttung mittels Wasser „wegzuspülen“. Ich denke, einer der Piloten meldete mich bei einem der Bauarbeiter via Funk und während ich mich noch umschaute, kam ein Gebrüll von oben, was ich „zur Hölle“ denn da mache!! Kommentarlos ging ich zurück zu Shui und radelte den gleichen Weg zurück. Der Regen hatte kurz vor Abend aufgehört, was das Campen in den Weinfeldern vereinfachte. Nächsten Tag kam ich mit vollen Taschen in „Blenheim“ zurück und organisierte mich neu. Routenänderung!

Also doch schon früher entlang der Nordküste. Am Weg Richtung Nelson, begrüßte mich ein starker Regenschauer, dem ich aber ausweichen konnte indem ich mich auf einer überdachten Terrasse versteckte. Das Wasser von oben wollte nicht aufhören und so fragte ich dann doch mal bei den Hauseigentümern nach, ob ich evtl. mein Zelt auf der Terrasse aufbauen und auch die Nacht verbringen dürfe. Ohne Zweifel kam ein „Ja“ und das Angebot einer Dusche entgegen. Wir unterhielten uns anschließend noch ein wenig über den Verkehr, ihre Farm und ihren wunderschönen Italien-Urlaub vor paar Jahren. Die Nacht später rollte ich weiter vorerst nach Nelson, dann weiter am supertollen „Tasman´s Great Taste Trail“ und über den „Takaka Hill“-Pass mit immerhin 791m auf die andere Seite mit ganz viel Wasser. Schön ruhig entlang des Meeres, mit wenig Verkehr und farbenreicher Landschaft kurbelte ich so dahin. Als es dann aber mal wieder Zeit war, sich um einen Spot zum Campen umzuschauen bekam ich beim Wasserauffüllen einen Tipp von einem netten Herrn. Ich möge noch paar hundert Meter weiterfahren und vor der Brücke die Schotterstraße hinunterfahren. Also gut… Ich kam dort an und es begrüßte mich ein Verbotsschild für „Zelt-Camper“ und das obwohl eine Toilette vorhanden war. Ich fragte einen Toyota-Camper ob er kontrolliert wurde oder ähnliches mitbekommen habe. Mit der Antwort „Nein“ wusste ich wo ich heute mein Zelt aufschlagen würde. Ich ging hinunter zum Wasser um zu Baden und Wäsche zu waschen. Da kam „Karl“ (Der Toyota-Camper) und bot mir an mit in seinem Wohnmobil zu übernachten. „Ja klar! – Danke!“. Frisch geduscht gings zum Bus und so verbrachten wir den frühen Abend bei leckerem Campingessen, Rotwein, Sonnenuntergang und netten Gesprächen.
Den Morgen danach fuhr ich bis zum „Wharariki“-Strand vor. Sehr wilde Gegend, extrem starker Wind, zwei Robben und viel Sand. Von Wasser keine Spur, Ebbe. Ich genoss eine kleine Wanderung in diesem Gebiet eher es langsam am gleichen Wege wieder zurück ging. Jup, das war eine Sackgasse. Eine schöne 220 Kilometer lange Sackgasse! Empfehlenswert!

Es folgte also wieder der 791m hohe Pass und dann gings rechts Richtung „St.Arnaud“. Ich folgte wieder ein Stück dem tollen „Great Taste Trails“ und genoss ruhige Straßen mit viel Vogelgesang. Übernachtet habe ich in der Nähe eines Flusses wo ich mir den Schweiß vom Pass abwaschen konnte sowie meine Kleidung spülen/waschen konnte. Perfekt!

Von „St.Arnaud“ gings der sog. „Rainbow Valley Road“ nach „Hanmer Springs“. Leute, was für eine atemberaubend schöne Gegend! Aber!! Eigentlich wollte ich diese Strecke jetzt in anderer Richtung fahren, sprich von der einen Schotterstraße kommend, wo ich nicht durchfahren konnte… So, jetzt fahre ich diese Rainbow Straße (die erste paar Kilometer waren geteert) und nach der ersten großen Bachüberquerung kommt das allergleiche Schild wie schon damals… „Road Closed“. „Neee, nicht diese auch noch!!“ dachte ich mir.

Trotzdem überquerte ich die Barriere und es ging weiter. Eine Bachüberquerung nach der Anderen. Die eine tiefer die anderer flacher und die Berge links und rechts und vorne und hinter mir ein MEGAKNALLER. Absolute Schönheit und Wildnis! So ging es noch über 50 Kilometer auf Schotter. Mal gut rollender mal eben nicht 🙂

Schließlich kam ich an eine Schranke die von der anderen Seite verschlossen war und das gleiche Schild an sich trug. „Also bin ich nun wieder „legal“ unterwegs“ dachte ich mir und stimmte mich positiv als ich „drüben“ war. Alle Taschen ab und rüber über den Zaun. Weiter gings durch enge Schluchten und wieder offene Prärien, Bachüberquerungen und letztendlich steigend der Piste entlang. Ein Auto nur war mir bis vor dem „Road Closed“ Schild begegnet. So beschloss ich direkt am „Straßen“-Rand das Zelt aufzuschlagen und die Weite zu bewundern. Dieser Tag: Mein Rekord für die Reise in Neuseeland: 2000 Höhenmeter und 7:30 Stunden im Sattel auf 130 Kilometern. Phuuu! Ich staunte nicht schlecht beim Ablesen des Tachos.

Na dann, doch einen Löffel mehr an Reis und Linsen in den Topf! Die Sonne verabschiedete sich mit einem eleganten Licht- und Schatten-Spiel. Die Nacht brach ein und die Sterne kamen!!! Mhmmmm, wie damals im Himalaya oder Atlas Gebirge! Bereits ganz ganz früh am Morgen war ich wach. Vollkommen aufgeregt denn die Sonne schenkte wieder ihr schönes Licht am Horizont. Ich bestaunte den laaaangen Sonnenaufgang und fing anschließend mit dem Frühstück an. Ich parkte Shui neben mein Zelt und wie aus dem nichts kam eine starke Windböe und blies in direkt auf mein Haus. Ein Stück des Gestänges war gebrochen. Zum Glück blieb das Innen-und Außenzelt unbeschädigt. Das Gestänge flickte ich mittels des Reparaturkits und gut wars, hält!

Alles wieder am richtigen Fleck beladen, fuhr ich weiter. Der Anstieg dauerte noch an und das Wetter wechselte schön langsam. Starker Rückenwind entwickelte sich, ouh yeah! Gegen Mittag erreichte ich „Hanmer Springs“ (der Weg dahin ist einfach wortwörtlich unbeschreiblich) und kontaktierte meine Gastgeber für die übernächste Nacht, dass ich gut angekommen sei und nun sicher sagen kann wann ich ihr Zuhause erreichen würde. Nur noch über den „Lewis Pass“ (864m) und dann eher bergab bzw. flach hinab nach „Reefton“ und sie begrüßten mich mit offenen Armen. Er, Don, ein Polizist und Robyn, seine Frau eine Physiotherapeutin radelten 2015/2016 in 16 Monaten von Spanien nach Singapur und lebten diese Reise noch immer! Seit ihrer Ankunft vor paar Monaten sind sie bereits viermal umgezogen und haben letztendlich beschlossen jetzt in Reefton zu bleiben und Geld für den nächsten großen Trip zu sparen. Schien ihnen sicherer/einfacher als sich jetzt für einen Ort zu entscheiden.

Wunderbare zwei Tage verbrachte ich bei ihnen. Ich backte Vollkornbrote für sie und meine Weitereise und genoss einfach das „Nichts“-tun. Beide waren in gleicher Weihnachtsstimmung wie ich, sprich gar nicht. So aßen Don und ich die ganzen Plätzchen zusammen und wünschten uns lustiger weiße frohe Weihnachten vier Tage früher. Meine Fahrt ging weiter Richtung „Greymouth“ und dem sehr schönen „Westcoast Wilderness Trail“ dem ich bis nach „Hokitika“ folgte. Hübsch und originell angelegt im Regenwald der Westküste.

In „Hokitika“ blieb ich für eine Nacht beim Gastgeber Kevin, der sehr viel aus seinem Leben zu erzählen hatte. Ich kam dabei nur selten zu Wort. Ich kochte uns ein einfaches aber köstliches Mahl und später spazierten wir noch einen Hügel hinauf um einen Ausblick auf die Kleinstadt, Meer und die Berge zu bekommen. Fast pünktlich zum Sonnenuntergang.

Weiter ging es auf dem Highway no.6 in vier Tagen nach Wanaka. Wenn nicht im Regen dann mit hunderten Sandfliegen. „Weihnachten“ verbrachte ich irgendwo dazwischen im Zelt. Klimatisch bedingt fühlte ich mich ganz und gar nicht in Weihnachtsstimmung. Dennoch, bereitete ich mir am Tage des Heiligen Abends Pfannkuchen in meinem Topf zu. DIE Krönung meiner Kulinarik auf Radreisen!! Sind richtig toll geworden und so richtig satt war ich auch. Ein kleines Geschenk von Don und Robyn, meinen vorletzten Gastgebern, hatte ich im Gepäck und war richtig neugierig was sie sich für mich ausgedacht hatten. Leckerste hausgebackene Plätzchen!

Vom „Franz Josef Gletscher“ bekam ich leider nicht mehr zu sehen als hunderte Menschen entweder im gemieteten Campingbus oder unterschiedlichen Reisebussen. Jeden Tag war der Bergkamm von Wolken verhüllt. Somit entpuppte sich der Weg entlang der „Wetcoast“ – Westküste Richtung „Wanaka“ als nicht besonders Spektakulär. Viel zu viel Verkehr und die dichten Wolken (manchmal mit Sprühregen) versperrten jeden Weitblick.

Wobei, die letzten 70 Kilometer, also nach dem Haast Pass (ca.563m), sich die Wolkendecke lockerte und es sowie links als auch rechts von dem Highway schneebedeckte Gipfel zu sehen gab. Auch erfuhr ich eine sehr nette Geste eines jungen Herren, der mich zuerst mit dem Auto überholte, später am Straßenrand parkte, zum Kofferraum ging, dort einen Apfel herausnahm und ihn mir dann – während ich an ihm mit einem „Hello!“ vorbei fuhr- mit einem Lächeln überreichte. Echt liab!

Der Wanaka- und Hawea See glitzerten im tiefen Blau da es wie aus dem nichts richtig sommerlich wurde! Dadurch dauerte es bis ich in Wanaka, zweitgößter Anlaufsspunkt nach Queenstown für allerlei Abenteuersport, ankam. Die Ausblicke verzauberten mich.

Bei der Post holte ich ein Paket mit Ersatzteilen für Shui ab, im Supermarkt kaufte ich Proviant ein und schlug den Weg zu Olly ein. Mein Gastgeber für insgesamt drei Nächte (Zwischen Billardtisch und seinem hoch getunten Mini Cooper in der Garage). Selber ist er nicht viel herumgekommen, sagte er, aber in paar Monaten möchte er sich auf eine Radreise begeben. Durch die „Warmshowers“-Seite beherbergt er Radreisende und sammelt so die besten Infos für seinen eigenen Trip. Clever!

Einen Tag genieße ich fast nur am Wanaka See Strand im Schatten mit Aussicht auf Wassersportbegeisterte und die Berge rundherum. Im „Aspiring National Park Office“ erkundige ich mich nach dem Wetter für die nächsten Tage und über Wandermöglichkeiten. Eines sticht mir sofort ins Auge: die „Matukituki Valley“ und der Zugang zum Mt.Aspiring mit seinen 3.033m. Ich bin Feuer und Flamme, erst recht nachdem mir die Dame erzählt, man könne mit dem Rad bis zur „Aspiring Hut“ fahren (Das „Fahren“ hört sich jetzt einfach an).

Ich kann es kaum erwarten, packe bei Olly nur das notwendigste ein, belade Shui und fahre am nächsten Morgen los. Die ersten 20 Km auf Asphalt, die nächsten 30 Km bis zum Autoparkplatz auf sehr staubigen Schotter und Waschbrett!!! Mich rüttelt es ordentlich durch und wegen auch hier sehr starkem Verkehr, sehe ich nach dieser Passage aus wie ein Sandmännchen. Am Parkplatz stärke ich mich erstmal ehe es über die Schranke auf den fahrbaren Wanderweg Richtung „Aspiring Hut“ geht. Kurz darauf folgt eine Mögichkeit sich den „Rob Roy“-Gletscher anzusehen. Die meisten kommen wegen dieser kurzen Wanderung hierher. Ich parke Shui gegen einen Baum und schließe ihn ab. Zieh feste Schuhe an und marschiere knapp 40 Minuten hinauf. Was ich am Schluß sehe, kann nicht fassen. Ich bin überwältigt von dieser Schönheit und Masse! Fast zum Angreifen, so gewaltig sieht der Gletscher und die Berge aus. Ich verweile und lasse es auf mich wirken.

Wieder beim Shui wechsle ich wieder das Schuhwerk und fahre erstmal über eine Hängebrücke und schließlich rechts in das „Matukituki“ Tal. OH MANNNN! Soooo schön! Neun Kilometer werde ich von absoluter wilder Gebirgswelt begleitet. Jeder Meter ist vollkommen! Hin und wieder ist der Pfad gut fahrbar manchmal weniger aber fast komplett flach bis auf eine richtig fiese Rampe. Eine weitere Hängebrücke ist zu passieren und letztendlich öffnet sich das Tal zur „Aspiring Hut“ mit hohem goldenen Gras. Wie im Traum das alles. Ich schlage mein Zelt ganz nah des Flußes auf und bade erstmal eine Weile im eiskalten Wasser. Ich bin überglücklich!! Aufgrund dieser Kulisse kann ich die Zelt-Regenhülle noch nicht überwerfen. Zu schön um sie/sich abzuschotten. Ich koche aus dem Zelt heraus mit nur einem Arm, da die lästigen Sandfliegen mich sonst auffressen würden, jedoch stets einen Blick auf die Berge. Später, als es dunkler wird (gegen 21:30 Uhr) kombiniere ich Zähneputzen, Toilette und Zelt-verhüllen miteinander um so die Begegnung mit den Fliegen gering zu halten.

Die Nacht ist hell und der Morgen mit dem Licht wunderschön jedoch eiskalt (3 Grad)! Trotzdem gilt Sandfliegen Alarm! Echt nervig. Alles erledigt, fahre ich das letzte Stück zur Hütte (490m) und schließe dort Shui + Gepäck ab und wandere los zur „Liverpool Hut“. Unterwegs ähnliches Schauspiel wie am Vortag. Diese Farben, Düfte und Ausblicke! Ich bin noch lange nicht gesättigt, fühle ich. Nach einem Abzweiger beginnt der anstrengende Teil dieses Tracks, „root climbing“ wie es die Neuseeländer nennen. Ich übersetze es mit: ungesicherter Klettersteig. In der Tat, man klettert steil hinauf auf Wurzeln oder teils losem Untergrund. Echt nicht ohne! Nach schweißtreibender Kletterei erreiche ich ein Plätzchen ganz kurz vor der Hütte (1065m) und sage nur „BOOOAAAH!!“ MEEEGAAAA! Die höchste Steigerung von „schön“! Berge, Schnee und Gletscher, blauer Himmel, goldenes Gras, türkises Wasser im Tal. Wie sich das anfühlt? – Euphorisch! Sprich zufrieden, glücklich, lebendig, frei, leer und leicht. In welchen Zustand mich – also MICH- diese Kulisse versetzt, war den mühsamen Aufstieg allein schon wert. Das Leben ist spannend und voller Geheimnisse! Ich mein nicht das Leben als Bezeichnung für paar aneinandergereihte Jahre, sondern das LEBEN mit dem eigenen Soundtrack, sprich des Herzschlags. Was in uns pro Sekunde geschieht ist nicht kaum zu fassen, sondern eigentlich gar nicht. All die Prozesse unter anderem die Aufnahme von schönen Ausblicken und Verarbeitung zum Gefühl das mich in den Zustand versetzte, sind es schon Wert, das LEBEN wertzuschätzen, sprich Dankbarkeit und Wertschätzung zu zeigen und das LEBEN zu LEBEN in all seiner Funktion und Möglichkeit.

Ich stand vorerst nur da und beobachtete den Lauf der Momente. Man könne meinen, da passiert nichts, es ist nichts los. Bei genauerem Hinsehen, geschieht da so einiges! Der verhangene Nebel im Gletscher schwebt vor sich hin und gibt stets neue bzw. andere Einblicke in seine Welt frei. Das Wasser im Tal folgt zwar stets gleicher Richtung, jedoch verändert es stets seine Formen und ist somit NIEMALS gleich. Ebenso die Wolken, die vom Wind bewegt werden, gleichen nie einer anderen. Die angenehme Windbrise streichelt über das goldene Gras, der Duft von der sonnengewärmten Erde und den Pflanzen schwebt in der Luft. Was alleine in uns passiert, wenn wir nur einen Atemzug machen ist weit weg von „da ist nichts los“. 🙂

Ich genoss dieses Fleckchen Erde mit allen Sinnen, dann als der Magen knurrte bereite ich mir eine Brotzeit zu und weilte noch eine Zeit. Der Weg hinab erwies sich als noch anspruchsvoller als der Aufstieg, wie es ja meist ist. Also auch da höchste Aufmerksamkeit wohin ich welchen Fuß setzte. Die Hängebrücke hinter, folgte ich dem schmalen Weg zurück zu Shui aber drehte mich mehrmals um und hielt inne.

Wieder bei all meinem Gepäck und Shui, wechselte ich die Kleidung und rollte los zurück dem „Matukituki“ Tal entlang. Jetzt hatte ich die Sonne hinter mir somit andere Beleuchtung auf die Berge vor mir, die ich bei der Hinfahrt ja im Rücken hatte. Oh man, alles ein Spektakel. So herrlich und wild. Ich komme nur schleppend voran, ständig bleib ich stehen und sauge die Landschaft förmlich auf. An der ekeligen Waschbrett Schotterpiste ist dann definitiv Schluss mit „Genießen“. Harte Arbeit für Mensch und Material. Diesmal ziehen sich die 30 Kilometer enorm in die Länge und ich kann es kaum erwarten an der Straße anzukommen. Richtig durchgeschüttelt und eingestaubt hielt ich an einer der seltenen Buchten an (sonst ja alles mittels Zaun abgeriegelt) und kochte mir einen Kaffee. Ich dachte an nichts, sondern beobachtete nur die eingezäunten Rehe die keinerlei Schatten hatten um sich irgendwie verstecken geschweige denn der aggressiven Sonne entkommen konnten. Ich verspürte nur eine Abscheu gegen so eine Haltung und Mitleid mit den Tieren.

Während ich jetzt diese Zeilen tippe, überlege und merke ich, wie oft es heutzutage diesen Zwiespruch gibt: Schöne Natur aber gleich daneben entweder vermüllt, eingezäunt, Tiere eingesperrt, Tiere überfahren/verletzt liegen gelassen, Wälder teils ab gerodet, verbaut, abgebaut, etc… Eine echte Idylle wird mit der Zeit selten! Das gilt nicht nur für Neuseeland. Eines noch…an dem Plätzchen wo ich gerade sitze, wuuunderschöne Natur um mich herum, wilder Thymian-Geruch in der Luft. Aussicht auf Berge zwei verschiedener Farben, Wälder, sehr schöne Wolken. Tja..wie war es mit der Idylle?! Aus umliegenden Nähe höre ich bereits seit dem morgendlichen Stunden Pistolen- und Gewehrschüsse. Ich fragte meine Gastgeberin Inge was da los sei und sie meinte: Die Kirschplantagen Besitzer VERSCHEUCHEN die Vögel!!!! Na Servus! (Nachtrag: dies ging drei Tage lang so!!)

Zurück in die Zukunft Vergangenheit…
Nach dem Kaffee pedalierte ich wie ohne Widerstand auf der asphaltierten Straße gen Wanaka. Es war noch recht früh am Nachmittag und der kommende See lächelte mich sooo sehr an, dass ich meinen Plan umwarf nach Wanaka zu Olly zu fahren und beschloss direkt am See einen Platz zu finden zum Übernachten. Tjaaaa, aber alles eingezäunt. Ich finde eine Stelle an der der Zaun nicht all zu hoch ist und ich Shui samt Taschen auf einmal rüber heben kann eher mich jemand sieht. Perfekt! Auch der Spot ist ideal. Zuerst gehe ich Baden und schlage anschließend mein Zelt auf eher die Sandfliegen mich überlagern. Ich koche ein Kraftmahl und lausche dem Wasser, dass vom Wind bewegt wird und so eine angenehme Wellengang-Melodie schenkt. Ein wirklich schönes Plätzchen und angenehme schöne Nacht. Am Morgen des letzten Tages im Dezember bleib ich noch bisschen im Zelt liegen und beobachte das Drumherum. Wassersportbegeisterte dominieren bald schon lautstark den See. Weiter geht’s nach Wanaka und schließlich wieder zu Olly, meinem Gastgeber aus Warmshowers. Ich niste mich wieder in der Garage zwischen Billardtisch und Minicooper ein und fühle mich pudelwohl. Noch fünf weitere Radreisende finden Platz bei Olly an diesem Tag. Zwei Zelte stehen im Garten und die anderen nächtigen irgendwo im Haus. Angenehme Stimmung, interessante Leute mit verschiedenen Sprachen aber gleichem Reisemittel.

Bis zum Jahreswechsel sind es noch paar Stunden. Diese nutze ich mit Ersatzteilen tauschen an Shui, Wäsche waschen und das Jahr zu reflektieren. Gegen neun Uhr am Abend lieg ich bereits…

Im neuen Jahr 2017 wünsche ich Shui als allererstes ein neues „Cycling-Jahr“ und sonst ist es ein gewöhnlicher morgen. Alles gepackt, fahre ich weiter gen „Queenstown“. Anfangs denke ich mir nicht viel, als ich den starken Verkehr spüre aber als ich paar Kilometer weiterfahre, erkenne ich einen Parkplatz voll mit Autos. Letzte Nacht gab es hier ein Fest und das ist jetzt zu Ende somit fahren jetzt alle demnächst mal los. OUH NOOO!
EIGENTLICH ist es eine landschaftlich schöne Gegend. Die Verbindung Wanaka und Queenstown wäre es auch, nur der Verkehr! Links und rechts wachsen Meterhohe Lupinen in verschiedenen Farben. Ein kleiner Bach fließt entlang der Straße und die goldenen Hügel machen auch was her, ABER….. der starke Verkehr.
Dennoch erreiche ich nach einer Weile die Passhöhe von 1076m „Crown Range Summit“ mit Blick auf Queenstown und Umgebung. Schon schön! Spannend für jeden Piloten eines Flugzeuges, wenn er den dortigen Flughafen anfliegt. Dieser liegt genau zwischen den Bergen und man fliegt im Sinkflug unter den Bergkämmen. Schaut super aus!

Mit Top Speed rolle ich hinunter und biege ab auf den „Queenstown Trail“. Diesen folge ich mit bisschen Umweg durch eine sehr schöne Pampa. Auch diesen Trail haben die Kiwis (so nennen sich die NeuseeländerInnen) großartig angelegt und so eine Möglichkeit geschaffen ohne Verkehr in die Stadt zu kommen. Toll!
Sobald ich in der Stadt ankomme, suche ich bereits den Weg hinaus. Extrem überlaufen. Bürgersteige voll mit Leuten. Verkehr stockt.
Hier hatte ich ein Treffen mit Nathan ausgemacht. Wir hatten uns den Tag zuvor per Zufall in Wanaka getroffen und entschieden für paar Tage wieder gemeinsam zu radeln. Das Beste an dem Ganzen…wir hatten nur abgemacht, dass wir uns in der Stadt treffen. Ha ha ha. So komm ich in Queenstown an und suche meinen Weg zu einem Supermarkt und wer sitzt da auf der Bank am Weg dahin?? He he.. So einfach, schon gefunden.
Nathan und ich erledigen den Einkauf gemeinsam und fahren zu einem Spot den er den Tag davor, also letztes Jahr gefunden hatte zum Übernachten. Mit Blick auf den See und die umliegenden Berge! OUH YEAH! Ein großes Bier hat sich jeder von uns aus der Stadt mitgenommen, mit dem wir jetzt auch anstoßen. Über einen Monat hatten wir uns nicht gesehen und so hat jeder seine eigenen Erfahrungen gesammelt. Wir haben uns seeeehr viel zu erzählen. Eine willkommene Abwechslung.

Am nächsten Tag nehmen wir die „TSS Earnslaw“. Ein 104 jähriges Dampfschiff (größtes in der südlichen Hemisphäre) zur „Walter Peak Station“. Noch richtig mit Kohle betrieben. Man kann sich jeden Handgriff der Arbeiter im Maschinenraum ansehen. Selbst die Brennkammern werden mit Kohle gefüttert um so die Kolben in Bewegung zu bringen. Interessant das Ganze. Nicht nur für mich sondern auch die hundert weiteren Mitreisenden. Alle zusammen verlassen wir das Schiff nach einer 45minütigen Fahrt durch pittoreskes Gefilde. Nathan und ich fahren ab hier für die nächsten eineinhalb Tage eine schöne Schotterpiste. Die anderen Leute schauen sich im Gebäude gleich am Ufer an wie die Schafe geschert werden.
Wir folgen dem Weg des „Around the Mountains“- Trails. Schön abgelegen mit klasse Aussicht ganz für uns allein. Ganz nach RadfahrerIn Geschmack. Mittag genießen wir irgendwo zwischen den Bergen und den Schlafplatz am Abend wählen wir nahe eines Baches aus. Ist schon was Feines nach einem Radltag,- erst recht staubigen- sich ganz Körper waschen zu können. Einer nach dem Anderen von uns wattet durch das frische Nass. Herrlich!
Tag später erreichen wir „Te Anau“. Seit einem Tag geht es Shui ganz und gar nicht gut. Der Freilauf stockt und das ganze Lager der Hinterradnabe ist komplett locker. Echt ungut! Hin und wieder fahre ich im „Fixie“-Modus. Ähnliches hatte ich bereits in Tajikistan 2009. Dort aber konnte ich einen neuen Freilauf innerhalb eines Tages aus Deutschland importieren lassen. Aber hier erweist sich das als ein langes Prozedere. Eine XT-Nabe gibt es laut PC-System in ganz Neuseeland nicht. Ein sehr freundlicher Mechaniker von „Wild Rides“ möchte es dennoch versuchen und baut die gesamte Nabe und den Freilauf auseinander. Drei Stunden später meint er, er hätte es noch schlimmer gemacht. Oh Nein! In der Wartezeit hatten wir dennoch eine neue Nabe bestellt und an ein Fahrradgeschäft schicken lassen, zu dem ich glaubte noch irgendwie hinzukommen (ca.400 km davon 200 Schotter).
Kostenfrei verlasse ich die Werkstatt mit einem äußert unschön laufendem Shui. Die Kette bleibt mehrmals hängen so muss ich stets mittreten was besonders bergab nötig ist. Nun ja, Planänderung. Kajakfahren oder Wandern würde dafür sprechen um meinen Aufenthalt hier interessant und aktiv zu gestalten.

„Te Anau“ ist sozusagen der Ausgangspunkt für „Milford Sounds“ und den Weg dahin. Es gilt als eine der schönsten Gegenden Neuseelands zu sein. Fjorde und steile Wände mit Regenwald. Leider aber führt nur ein Weg dahin. Dieser ist stückweise recht schmal. Ich informiere mich nach der derzeitigen Lage und werde nach meiner Frage „wann es am besten wäre dahin zu radeln“ mit „um Mitternacht“ vertröstet. – „Es ist verdammt viel los und somit gefährlich!“
Hätte ich mir ja denken können. Bereits die letzten Kilometer auf dem Highway hierher war eine Menge Verkehr. Von hier aus starten noch zusätzliche Tourenbusse. Gut, dann überlege ich per Anhalter mit minimal Gepäck dahinzukommen um Kajak zu fahren. Ich informiere mich bezüglich dem Kajakfahrens und werde gleich mal mit Regeln bombardiert. Erstens, kann/darf ich nicht alleine, zweitens brauch ich ein Funkgerät, drittens muss ich mich beim Hafenmeister melden, viertens dürfte ich nur bestimmte Touren fahren und fünftens kann ich nicht dort ein Kajak mieten, sondern müsste es hier machen. Wobei es nicht ginge, weil ich ja allein bin (Nathan war bereits seiner Route weitergeradelt). Ok, erledigt. Ich verlasse die Stadt in die andere Richtung und stimme mich positiv.
Etliche Kilometer weiter treffe ich wieder auf den „Around the Mountains“-Trail und folge diesem. Etwas früher als sonst schlage ich mein Lager direkt am Flussufer auf und bereite mir einen Kaffee zu. Herrlich mit der Sonne und dem Wassergeräusch im Gras zu liegen und zu entspannen.

Selten finde ich sooo einen schönen Campingspot. Jedoch staune ich nicht schlecht als ich in der Nacht doch noch meinen Schlafsack zuschließen muss. Am Thermometer zeigt es mir im Zelt 0,9 Grad an. Dann sinds draußen wohl paar Minus. In der Tat, ich greife hinaus auf mein Zelt und es ist gefroren. Morgens brauche ich gleich mal länger. Ich warte auf die warmen Sonnenstrahlen die in kürze das Zelt so richtig aufwärmen. Großartig!
Nach dem Trail wechsle ich auf kleine Wege, auf denen ich in „Gore“ rauskomme. Ich kaufe mal wieder groß ein und packe meine Taschen voll. Zum Übernachten fahre ich gar nicht mehr weit weg aus der Stadt, sondern bleibe in der Nähe eines Parks. Am nächsten Tag komme ich in „Lawrence“ an nachdem ich etliche Höhenmeter durch hügeliges „Farmland“ geradelt bin. Dort treffe ich auf eine nette Dame in der Bücherei (kostenloses Internet), die mir einen guten Spot zum Übernachten verrät. Eine Stunde später steht mein Zelt inmitten wunderschöner Natur direkt an einem ruhigen See. Von hier ist es am folgenden Tag nicht mehr weit bis ich „Lindy“ aus Warmshowers treffe. Sie beherbergt mich für eine Nacht. Von der ersten Minute verstehen wir uns blendend und erkennen, dass wir Seelenverwand sind. Hinzu kommt, dass sie genauso gerne Indien mag, ruhige Musik hört, Räucherstäbchen anzündet und sich mit ihrem Partner „Mark“ ein Strohhaus gebaut haben, wie ich es mir erträume. Im ernst, ich fühle mich Zuhause. Lindy lässt die uralte Badewanne volllaufen mit angenehm warmen Wasser und zündet gleich dazu ein Räucherstäbchen aus Indien im Bad an. Oh man! Ich bin überwältigt als ich in der Badewanne richtig auflebe. Der Blick nach draußen durch das große Fenster, die Wärme, der Duft!! Später, unterhalten wir uns über dies und das aber stets gefühlt „verbunden“. Schweren Herzens verlasse ich die beiden und deren warmherziges Haus am späten Morgen.

Für die folgende Strecke habe ich mir den Weg des „Clutha Gold“-Trails ausgesucht. Super, super toll angelegt! Landschaftlich sehr sehenswert, Mirabellen liegen super-lecker-reif am Boden und sonst macht das Fahren auch richtig Spaß. Dennoch muss ich bisschen aufpassen, denn mein Hinterrad ist ja nach wie vor stark beeinträchtigt. Es knirscht und kracht, die Kette bleibt öfters hängen und paar wenige Male ist gar nichts. Ich fahre weiter ehe ich am „Pinders Pond“ zunächst ein langes Bad nehme und anschließend dort campiere. Ein kostenloser Campingplatz. Einer von Paar auf den zwei Inseln verstreut. Eine Toilette und Mülleimer, mehr nicht aber völlig ausreichend. Zahlreiche Campingbusse kommen gegen Abend an, somit ist es vorerst Ende mit der Ruhe.

Stunden später, in der Früh, geht dann das Aufräumen und Türe auf- und zuschlagen los, somit Ende mit Schlafen 🙂 Ich frühstücke, packe meine Sachen und fahre los. Shui klingt immer schlechter, weit ist es aber nicht mehr nach „Alexandra“ wo der Fahrradladen mit der hoffentlich bereits gelieferten Nabe ist. Eigentlich wollte ich noch den „Roxburgh Gorge“-Trail dranhängen und so in die Stadt kommen. Leider aber, wenn man den Trail erst angefangen hat zu fahren, muss man entweder ein Boot gegen Bezahlung (ca. 100 NZD!!! für paar Minuten Wasserfahrt) nehmen oder man fährt wieder zurück. Eine Alternative gibt es zu meiner Zeit leider keine, außer dem Highway.

So folge ich dem No.8 für die restlichen Kilometer. Unglaublich wie schnell sich die Landschaft geändert hat. Fast wie am Mond (war ich noch nie 😉 ) sieht es aus. Weiter weg wieder goldenes Gras oder dichter Wald. Sehr schön diese Abwechslung. „Alexandra“, ein kleines Städtchen mit allem was man so braucht, gefällt mir in den ersten Metern. Den Fahrradladen finde ich auch aufs Erste. Etwas aufgeregt bin ich aber auch voller Vorfreude. Dennoch werde ich verströstet, es sei noch nichts gekommen. Ich hatte bis dahin auch einen Plan B ausgetüftelt, eben wenn das Teil noch nicht da sein sollte. Sprich ich kontaktierte eine mögliche Gastgeberin vier Kilometer weg von „Alexandra“ und werde sofort eingeladen. Inge, lebt an einem Hügel umringt von wildwachsenden Thymian-Pflanzen und baut eigenen Merlot-Wein an. Als einzige in „Central Otago“. Lebt auch sonst sehr einfach aber schön. Hört genauso gern asiatische Musik oder schaut in die Ferne gen Berge wie ich. Da sie derzeit fünf Reisende beherbergt, die aber gerade Saisonarbeit erledigen (Kirschen pflücken), ist kein Zimmer frei dafür aber die große Garage auf meinen Wunsch. Super! Frische Luft, Windgeschützt, Himmel zu sehen trotz festem Dach, toll! Vier Hühner sind meine Nachbarn.

Jeden Tag kontaktiere ich den Fahrradladen nach dem Stand, jedoch auch am vierten Tag leider kein Paket da. Am darauf kommenden Wochenende bin ich im Kopf komplett entfernt vom „Warten“ und genieße die Umgebung mit Spazieren gehen, Bericht schreiben, Musik hören, Brotbacken, neue Camping-Kochrezepte ausprobieren oder einfach nur von der Terrasse aus die Umgebung beobachten bei einer Tasse Tee/Kaffee. Sooooo schön! An einem Tag fahre ich mit Inge mit auf eine ihrer Wein-Auslieferungen. Am Weg zurück macht sie einen Umweg abseits der asphaltierten Straße. Mit ihrem großen Jeep kommen wir an Plätze wo andere normale Autos längst stecken geblieben wären. Unfassbar schöne wilde Gegend mit extrem schlechter Fahrbahn. Das macht es aus! Je länger ich in dieser Umgebung verweile, umso mehr gefällt es mir hier. Nirgends sonst auf der Insel, hatte ich so viele Möglichkeiten fürs Biken gesehen wie hier. Gedanklich überlege ich wie toll es wäre mit meinem MTB und kleinem Rucksack die „Trails“ rauf und runter zu fahren oder einfach den Wegen zu folgen wo auch immer man rauskommt. Sehr eindrucksvoll!

Am kommenden Tag, fahre ich mit Shui dennoch mal in die Stadt hinein um etwas einzukaufen und fahre so gleich mal zum Fahrradladen. YES!! Nabe ist angekommen. Euphorisch übergebe ich dem Mechaniker Shui und informiere ihn wie sehr glücklich ich bin Den Einkauf erledige ich zu Fuß und trampe raus aus der Stadt mit einer Dame. Sehr freundlich. Sie bietet mir sogar an mich den kompletten Weg hinauf zur Inge zu fahren. Dankeschön! „Zuhause“ backe ich mir für die nächsten Tage zwei Roggenbrote, plane meine Route und wasche meine Kleidung. Später, bekommt Shui Fett für den Sattel, Öl auf die Kette und sonst alles Bewegliche schmiere ich leicht ein. Startklar!
Ausgerechnet die kommenden Tage sagt der Wetterbericht Verschlechterung an. Massive Verschlechterung! Ich warte jetzt nicht mehr länger und fahre los. Wolken sind dunkel, Wind hält sich in Grenzen. Paar gefahrene Kilometer später kommt bei mir Sonne heraus, wo weiter drüben die fast schwarzen Wolken hängen. Schöner Kontrast, in dem ich so erstmal weiterfahre bis es schließlich komplett aufreißt und es hochsommerlich wird. Wie aus dem Nichts werde ich von einem Biker überholt. Es ist „Nathan“!! Ha ha. Und wieder getroffen ohne Organisation. So gefällt mir das. Wir hatten uns nur Tage davor per Nachrichten ausgetauscht über den Stand der Dinge. Ha ha ha.
Somit bestaunten wir zusammen, die ultraschöne Landschaft Otago´s am „Central Rail Trail“. Ein 152 km langer Radweg auf Schotter der aber sehr einfach zu befahren ist. Dennoch ein echter Hingucker! Am späten Nachmittag campieren wir an einem Fluss etwas abseits vom Radweg und erzählen uns wieder mal alles Geschehene. Hier trennten sich jedoch wieder unsere Wege. Ich wollte in die Stadt „Dunedin“ und Nathan nur noch nördlich. Wir ahnten schon innerlich, dass das wohl unsere letzte Begegnung sein würde hier auf der Insel. Wir verabschiedeten uns mit den Worten „Wir sehen uns dann in Ehrwald.“ Ehrwald, ein kleiner Ort an der Grenze Deutschland-Österreich, von wo wir die meisten Transalps guiden.

Das Wetter schlug schon bald um. Wolken von grau bis schwarz kamen auf. Vorerst blieb es trocken und „harmlos“ dafür verlangte die Topographie der Strecke das höchste Maß an Kraft und Ausdauer. Sehr steile Hügel hinauf und hinab. Sogenannt auch die „rolling Hills“. Und dann urplötzlich: Der Wind!! Der Regen!! DIE KÄLTE!! 4,9 Grad!!! Meine Finger waren längst klamm und kaum mehr spürbar, dennoch funktionierten sie.
„Oh maaaan, was für ein schöner Sommer hier!“ dachte nicht nur ich mir sondern auch die Dame hinter den Tresen, die mir alle Wasserflaschen auffüllt eher ich mich nach einem Windgeschützten Platz umsehe wo ich mein Zelt aufbauen könnte. Definitiv kein guter Ort und Zeit zum Radfahren! Mich fegte es fast von der Straße, so stark waren die Böen. Während sich die Welt in „Untergangs-Stimmung“ zeigte, fragte ich an einem Haus an ob ich mein Zelt im offensichtlich leeren Unterstellplatz aufstellen dürfe. Die Dame antwortet lediglich nur, dass sie gerade beschäftigt sei und geht… phuu, ich kämpfe mich demnach paar Kilometer weiter durch das Wetter und biege in ein Schul-Anwesen ein. Dort klopfe ich beim Hausmeister am Fenster und eher ich etwas fragen kann, zeigt er mir ein „Okay“ mit der Hand und kommt hinaus. Er weiß genau was ich möchte, denn zig anderer Radfahrer hatten bereits in den letzten Jahren den gleichen Gedanken gehabt. Ha ha ha. Wir beide trotzen der Witterung mit einem Lächeln in unseren Gesichtern als würde die Sonne scheinen.
Ohne sich weiter ausgetauscht zu haben, zeigt er mir ein kleines aber feines Fleckchen am Grundstück wo ich vom Wind und fast auch vom Regen geschützt war. SUPER! Dort verbrachte ich meine Nacht im kuschelig warmen Schlafsack und jeder Menge warmer guttuender Getränke und Gerichte. Bereits recht früh schlief ich ein und hatte einen guten Schlaf. Morgens sah ich aus meinem Zelt an den Bäumen weiter entfernt, dass der Wind nach wie vor wehen würde nur paar Nummern stärker! „Na Servus!“ Ich hatte noch ca. 60 km bis nach „Dunedin“, wo ich dann beim Gastgeber „Aiden“ aus Südkorea eingeladen war. Der Weg dahin aber war noch seeeeehr lange.

Ich packte alles ein, Zelt war gar nicht mal soo nass, perfekt und ready für den Start. Ich verlasse das Grundstück der Schule und BAAAM! Der Wind! Sofort in 45° Schräglage gedrängt worden. Das Gefährlich an dem Ganzen Unterfangen sind die Windböen. Man ringt der Kraft des Windes entgegen und plötzlich ist da ein Luftloch, in das man hineinzufallen glaubt/spürt. Echt Aufpassen muss man damit. Höchste Konzentration. Erst recht, wenn sich andere Verkehrsteilnehmer auf der Fahrbahn befinden und man schlagartig paar Zentimeter weiter drüben auf der Seite ist. Phuuu! Dennoch, es gefiel mir sehr. Noch war mir warm, noch war ich trocken. Die restlichen Mega-Hügel schaffte ich auch noch und als der letzte erklommen zu sein schien, erfreute ich mich richtig am Nachlassen des Windes und etwas mehr als 5 Grad am Tacho.

Im trockenem Gefilde ging es gen „Dunedin“ erstmal weiter, ehe es wieder zu Schütten anfing. Zu Schütten!!! Mit der Zeit war ich komplett Nass und richtig eingeweicht. Ungutes Gefühl, jedoch litt meine Stimmung nicht daran. Ich war guter Laune und wusste auch bald, wo ich hinmusste. Bei „Aiden“ gab es erstmal warme Dusche, Heizung und Tee. So mag ich das irgendwie ganz besonders. Aus dem nassen ungemütlichen ins warme. He he..
In die Stadt kam ich wegen der intakten Architektur Neuseelands. In Christchurch war bei den Erdbeben einiges eingestürzt. Auch sonst, genoss ich mal wieder bisschen „Stadtleben“. Erst recht als am kommenden Tag die Sonne wieder schien und es frühlingshaft wurde. Mit Aiden tauschte ich mich über alles Mögliche aus. Größtes Thema war aber das Radfahren an sich. Ach und das koreanisches Essen

Bei gleicher Meldung des Wetterberichts, Schlechtwetter mit viel Regen, bot Aiden mir an, diese zwei Tage auszuwarten. Ich nahm sein Angebot an und nutzte die Zeit weiter an meinem Bericht zu schreiben, meine Website zu aktualisieren oder Buch zu lesen. Am Tag der Abreise nahm ich mir spontan als erstes Ziel eine kleine Herausforderung vor. Die „Baldwin Street“ in Dunedin ist laut Guinness-Buch der Rekorde die steilste Straße der Welt. Die maximale Steigung der knapp 350 Meter langen Straße beträgt 1:2,86 (19,3° oder ca. 35 %). Als ich dort ankam, war sie „übersät“ mit chinesischen Touristen. Ohne viel Nachdenken fuhr ich einfach drauf los. Anfangs war ich überrascht wie gut es doch ging…doch nach der Hälfte wurde es knackig! Meine chinesischen Freunde machten Fotos und Videos und bejubelten mich. HA HA HA HA.. Es bewirkte etwas! Nach einer kurzen Verschnaufpause ging es weiter BIS HINAUF HINAUF! YEEEAAAAH! I did it! Oben war mir schon bisschen schwindelig, muss ich zugeben aber ansonsten…
Bergab war es dafür spannend mit dem Bremsen und „Bremsweg berechnen“ eher ich jemanden Aufgefahren wäre. Mit all dem Gepäck und davor war ich auch noch Einkaufen für die nächsten drei Tage. Pffff…
Meine Beine waren definitiv kapillarisiert. Durch schöne Küstenlandschaft ging es Richtung Norden weiter. Mein zweites Ziel war es näher zum „Danseys Pass“ zu kommen. In „Palmerston“ bog ich links ab und folgte einem ruhigen Highway. Vor dem Pass campierte ich zwischen Heuballen. Kurz vor Erreichen der Abzweigung direkt zum Pass steht schon wieder so ein Schild mit „Road closed“. Meine Mimik fällt bisschen herab, dennoch fahre ich weiter. Nach neun Kilometern das letzte Haus bzw. Hotel vor dem Pass. Ich frage nach dem Stand. Die Dame erzählt, es sei bei dem starken Regen vor paar Tagen ein Erdrutsch abgegangen und paar Brücken eingebrochen. Auch hatte sie die Anweisung bekommen, jedem die Weiterreise abzuraten. Sie habe leider keine weiteren Details über den Erdrutsch…

Ich bedankte mich, füllte meine Wasserflaschen auf und fuhr los. Richtung Pass. Ich überkletterte die Absperrung samt Shui. Schön am Schotter gings hinauf und hinauf. Wetter war top! Es kam und kam nichts. Erst gaaanz oben war da was von Weiten zu erkennen. Als ich zu der Stelle kam und es „inspizieren“ wollte wie ich am besten rüberkommen könnte, das definitiv zu machen sein schien, sank ich knietief in den Schlamm ein. Phuuu! „Gut, dann hier eben nicht!“ Eine andere Spur schien stabiler. Zusammen mit Shui gings Stück für Stück voran. Fast hätte ich meine Sandale 50cm im Schlamm verloren. Beim letzten Teil ging es nicht anders als dass ich die Vorderradtaschen abmontiere und zuerst rübertrage. So, Beine in der Pfütze abgewaschen und den Antrieb sowie Bremsen von Shui gereinigt rollte ich weiter. Sehr schöne Aussichten folgten! Auch die eingestürzten Brücken, die aber für eine willkommene Dusche im Bach sorgten, da die Temperaturen wieder enorm anstiegen.

Paar Kilometer weiter und Höhenmeter tiefer kam ich am „Alps 2 Ocean Trail“ heraus. Dem folgte ich jetzt stets leicht „bergauf“. Da Anfangs alles nur Farmland war und somit schwer zu Campen… fragte ich bei einem Bauern (Andrew) an ob ich auf seinem Grundstück nächtigten dürfte, da meinte er, ich solle zu dem Haus hinfahren, er komme gleich dahin.
Am Haus übergab er mir den Hausschlüssel mit der Info, er hat das Grundstück mit dem Haus vor einem Monat gekauft und sei noch nicht dazu gekommen es einzurichten oder zu bewohnen. Ich solle mich wie zuhause fühlen nur ohne Warmwasser. BOOAAH!

Dann war er auch schon wieder weg und ich allein in dem riesigen Haus mit Induktionsherd (und ich mit Alu-Topf) mit herrlich großem, reich bewohnten Garten. „Das gibt’s doch nicht!“ wiederholte ich viele Male mit einem Schmunzeln im Gesicht.

Ich schlief am Teppichboden mit Aussicht ins Grüne. Soo scheen! Ab dem Morgen folgte ich weiter dem Radweg der mal am Highway mal am Radweg ging. Ich hatte vor zur „Mount Cook Village“ zu fahren. Aber mal wieder das unbeständige Wetter…war bereits von weiten zu erkennen, dass es dort gerade seeeehr ungemütlich ist. Ich unterhielt mich mit entgegenkommenden Reisenden und diese berichteten mir eben dies, was man von weiten sehen kann. Somit stellte ich mein Zelt bereits früh am Nachmittag direkt am Ufer der „Pukaki-See´s“ auf und bewunderte die Zauberhafte Natur mit den unglaublichen Farben!

Bereits vor Ort fand ich keine passenden Worte um diese Schönheit zu beschreiben. Muss man den alles beschreiben? Ist es nicht einfach wie es ist? Muss eine Blume immer einen Namen und darf sie nicht einfach eine schöne Blume sein? Für mich jedenfalls war es einer der Schönsten Ausblicke aus dem Zelt, den ich je auf Reisen gehabt habe. Baden, Schauen, Essen, Trinken, Staunen, Bewundern, Zuhören, da sein. Ich war so überwältigt und ja, sprachlos von der Natur, dass ich beschloss den nächsten Tag auch nicht weiter zu fahren als bis zum anderen Ufer. Von dort hatte ich einen ganz anderen Ausblick auf See und Berge. Der höchste Berg Neuseelands zeigte sich dann am Nachmittag. Leute…!!! Wie auf Postern! Moment..nicht die Poster sind real sonders das JETZT. Es war viiiiel schöner wie auf Postern, lebendig. Ständig anders durch den Tanz der Wolken. Die Vogelstimmen, das Rauschen der Wellen (starker Wind) am See. Ein Wunderwerk der Natur bzw. welch ein Geschenk!
Eher ich weiter nur von einem Ausblick schwärme berichte ich weiter…
Also nach der zweiten Nacht am „Magic-Pukaki See“ kam ich nur schleppend voran Richtung „Lake Tekapo“. Die Fernblicke auf die Mt.Cook Gebirgskette, den „Pukaki See“, die goldenen Felder… phuuu ganz schön anstrengend so ein Bewundern.
Jedenfalls kam ich dann doch irgendwann in der Ortschaft „Lake Tekapo“ an. Namensgleich mit dem See. Wieder so ein scheens Wasser. Diesen erkundete ich aber nicht so ausgiebig und fuhr schon bald weiter nach „Fairlie“ (no.8) und Geraldine (no.79). Interessant, was nur 80 Km und 300 Hm Unterschied ausmachten. Denn, eben diese Distanzen sorgten für ein plötzlich anderes Klima. Stark grün bewachsen, viel Wasser und gleich mal knapp 30 Grad. Besonders schön aber fand ich die Geräusche aus den Bäumen. Ich vermute mal die „Singzikaden“ spielten da die Musik. Ich kannte diese bereits aus Asien und dem südlichen Europa. Herrlich, ich erinnerte mich an schöne Erlebnisse sprich einfach positive Zeit. Im Moment wirkte es sehr nahe zum „Gewohnten“.

Meine Tage in Neuseeland zählten sich schön langsam, ich fuhr jeden Tag auch nicht mehr so weit wie sonst, sondern suchte mir bereits früh am Nachmittag einen schönen Platz zum Nächtigen. Jeden Tag hatte ich einen Bach, Fluss oder See ums Eck. Perfekt zum Baden, ausgiebig Kochen und auch mal mehr als nur einen Tee/Kaffee zu trinken. Entlang des Highway no. 72 querte ich nach einer Weile die „Rakaia“-Schlucht und bog links ab zum „Lake Coleridge“. Kurz davor baute ich mein Zelt inmitten eines verwachsenen Weges auf und genoss die Umgebung mit Vogelgesang und Düften der Pflanzen. Früh morgens werde ich von einem Hupen geweckt. Noch verträumt registriere ich es nicht als „Realität“. Ha ha.. dann schau ich aber doch mal raus und es steht ein gigantisch großer Traktor mit Doppelbereifung und einem riesigen Anhänger kurz vor meinem Zelt. Ha ha ha.. ich fing sofort an den Fahrer an zu lächeln, wenn nicht an zu lachen. Ich zeigte ihm nur per Handzeichen „einen Moment“, verschob mein Zuhause in das hohe Gras nebenan und er passierte mit einem Grinser im Gesicht und einem „Okay“-Handzeichen. Ich legte mich noch für ein bisschen hin.

An dem Tag, mein vorletzter Rad tag, wehte der Wind von westlicher Seite mit enormer Kraft. Da ich zum „Lyndon Lake“ auch die gleichnamige windige „Lyndon Road“ nahm, verwinkelte sich der Wind immer wieder und blies wie aus dem Nichts mit explosionsartiger Kraft. Kein leichtes Unterfangen, doch zum Glück nur sehr sehr wenig Verkehr auf der abgelegenen Schotterstraße. Am Ende der „Straße“ kam ich an den West-Coast Highway no.73 raus. Mittag wollte ich hier machen. Avocado, Tomate, Kräuter, Salz, Brot und Kokosöl, perfekt! Doch der Wind… wirbelte Sand in die Luft, so das mein Gemüse bald mit Sand paniert war. Gegessen wurde trotzdem alles (es gibt ja schließlich auch Heilerde, pfff ).
Bei „Springfield“ schlug ich mein Zelt für das letzte Mal in Neuseeland auf. Von hier würden es noch ca. 60 Km nach Christchurch sein. Am nächsten (verregneten) Tag kam ich gegen Mittag bei meinen Gastgebern Alice und Jeremy an. Sie ist Diätologin und er Bäcker in seiner Bäckerei. Selbstverständlich finden wir schon bald ein Thema: Brotbacken. Ich verbringe bei ihnen meine restliche Zeit bis zum Abflug mit einer Schachtel für Shui besorgen, Shui, Zelt und Taschen zu reinigen (wird ggf. am Flughafen in Australien kontrolliert) und sonst die Zeit zu reflektieren oder gutes aus der Bäckerei zu genießen.

Die Suche nach einer Schachtel für Shui entpuppte sich jedoch schwieriger als gedacht. Sechs verschiedene Fahrradläden in der Umgebung hatte ich angefragt und keiner hatte derzeit eine leer. Da sollte es wohl so kommen wie es kam. Und zwar, als ich Jeremy und seine 3 Kilometer entfernte Bäckerei besuchte, erzählte er mir auch vom ganzen Areal, welches vor paar Jahren aus recycelten Ziegelsteinen aufgebaut wurde. Unter anderem ein Fahrradladen der sich auf Elektrofahrräder spezialisiert hat. Anschließend also, ging ich zu den netten Herren hinüber und fragte nach einer Schachtel. Voller Humor beglückwünschte er mich zu meinem neuen Besitz, ha ha ha. So in etwa waren es auch seine Worte. Wir unterhielten uns über das Radfahren in Neuseeland und über die supertollen angelegten Radwege. Als ich dann um ein Messer bat um die Schachtel erstmal kleiner zu machen um es transportieren zu können, bekomme ich als Antwort wo ich den hier wohne. Ich sagte derzeit bei Jeremy und er, dass er in diese Richtung mit seinem Lieferwagen fahren würde und es für ihn eine Freude wäre mir die Schachtel zu LIEFERN!! WOW! Ich bedanke mich herzlichst und wir sehen uns dann später kurz bei Jeremy am Zaun bei der Übergabe der Schachtel. J

Die Zeit dazwischen radelte ich durch die Stadt und schaute mich um. Nach dem Erdbeben ist sehr viel am Bauen, Umbauen, Abreißen. Irgendwie eine traurige Stimmung.

Gerade schreibe ich diese letzten Zeilen des Berichts liegend in der Hängematte im Garten. Auch hier bereichern die „Singzikaden“ das Ambiente. Morgen geht es nach Perth (Australien). Dort habe ich mir einen seeehr langen Trail ausgesucht. „Munda biddi Trail“ und seine 1050 Kilometer durch Busch und Wald (im Hochsommer) von Perth nach Albany. Ich freue mich sehr darauf NUR in der Natur unterwegs zu sein, meist einem Single-Track folgend.

Ein schönes und treffendes Zitat passt wie angegossen für meine Zeit hier sowie den vielen unterschiedlichen GastgeberInnen und sonst in irgendeiner weiße helfenden Menschen. Merci!

»Eine Reise misst man besser in dazu gewonnen Freunden als in Meilen.« Tim Cahill

Stand:
5.125 Km
281:29 h
53.395 Hm

Herzlichst,

Piotr

Ein paar Tipps möchte ich denen mitgeben, die vorhaben nach Neuseeland zu reisen. Speziell mit dem Rad:

Internet: echten kostenlosen Zugang gibt es in den Büchereien (manchmal sogar mit Steckdosen-Angebot), alle möglichen Fastfood-Ketten (jedoch nicht immer und überall), bei den „Kiwi“ und „ANZ“-Banken (nicht alle), im Supermarkt „New World“.

Nahrung: Trockenfrüchte bekommt man in allen großen Supermärkten. Meine Empfehlung aber sind die Läden wie „Bin Inn“ (schaut auf der deren Website nach Standorten) oder andere Namens „Soulfood“, „Wholefood-Store“. Dort bekommt man allerlei an trockenen Bohnen, Linsen, Reis, Datteln, Feigen, Gewürze, Kräuter, frische Erdnussbutter, etc… und das Beste, in Mengen die man individuell braucht.

Nützliches: Die App „Official Camping NZ APP“. Mit der hat man nicht nur eine sehr detailreiche Karte zum Offline speichern sondern auch alle (auch die kostenlosen) Campingplätze beider Inseln am Display. Zusätzlich Tankstellen, Supermärke usw. Echt praktisch und zu empfehlen!

Fahrradläden sind sehr stark verbreitet. Fahrradschläuche am besten mit Autoventil nutzen, so kann man immer wieder einfach an der Tankstelle nachpumpen, wenn man eine lange Schotterpiste hinter sich hat.
Sollte man ahnen, dass eigene Fahrradteile bald auszutauschen sind, diese online auf „wiggle“ bestellen oder in Deutschland und an ein Postamt (Counter Delivery) schicken lassen (aus D ca. zwei Wochen Lieferdauer). Bis ca. 100 Euro sogar ohne Verzollung. Radteile sind hier sehr teuer, bei einer Bestellung von mehreren Teilen rentiert sich da der Versand (ca.15 Euro).