Nepal & Annapurna Circuit by bike

Nepal & Annapurna Circuit by bike

Mai 21, 2019 0 Von nogalpiotr

10.11. – 23.12.2018

Bereits beim Flugticket-buchen noch lange vor dem Start meiner Tour wusste ich, dass der Wechsel von Japan nach Nepal sehr krass sein würde. Von Ruhe und guter Luft zu hupendem Chaos in Staub- und Abgaswolken.
Gut, dass ich schon mal dort war (2008), als ich noch nicht so empfindlich war oder treffender gesagt, als mir die Harmonie mit Natur nicht so bewusst wichtig war.

So konnte ich mich gut darauf einstellen und den „Schock“ mit einem Lächeln entgegen nehmen. Ich hatte mich ja auch teilweise auf den Wechsel gefreut, so ist in Japan der soziale Kontakt eher Mangelware. In Nepal, kann man sich manchmal kaum retten. 🙂
Auch das Essen war wieder ganz anders und die Landschaft sowieso.

Es war ja auch klar, dass das laute „Chaos-Fenster“ nur kurz sein würde, denn mein Fokus war ja nicht die Stadt sondern das Himalaya-Gebirge und die „Umradelung“ des „Annapurna-Massivs“.

Also, von Fukuoka/Japan ging es vorerst nach Seoul/Korea. Nach einer sehr kurzen Umstiegszeit, weiter am sieben Stunden langen Flug nach Kathmandu. Hier lerne ich „Santosh Sherpa“ kennen. Ein Nepalese aber wie es der Name schon verrät, „ein“ Sherpa. Sprich, geboren und aufgewachsen in den Bergen.

Wir haben gut Gaudi während des Fluges. Unterhalten uns auf Englisch. Ich genieße richtig die Leichtigkeit und den Spass des Unterhaltens mit einem Menschen. Humorvoll vergeht die Flugzeit. Dann, zack, Himalaya in Sicht. Die großen Weißen scheinen bereits von der Ferne. Als ich es mit „Santosh“ teilen möchte, lehnt er sich zum Fenster und stützt sich an meiner Schulter ab.

SOFORT erinnere ich mich an die Schüchternlose, Berührungsangst-freie Art der Nepalesen, und auch der Inder! Ich freue mich wieder direkten Menschenkontakt zu haben.

Dann, Landeanflug… Bis kurz vorm Flughafen nur sehr wenige Lichter am Boden. Es ist fast Stock-Dunkel. „Santosh“ macht sich darüber lustig und sagt: „In anderen Ländern strahlen die Lichter bis in den Himmel und in Kathmandu: Schwarz! Welcome to Nepal!“ 🙂

Das Beste aber… Der Flieger ist gelandet und eingeparkt. Die Gurtzeichen gehen aus und er springt aus dem Sitz und möchte sofort los. Er sagt noch zu mir: „Okay, lets go!“. Im gleichen Moment sieht er aber auch ein, dass die anderen hunderten Passagiere noch im „Weg“ sind. Er darauf: „Oh, traffic Jam!“ Ha ha ha ha.

Am Flughafen war jetzt Thema „Visa on Arrival“. Zuerst wird man aufgefordert den Betrag in die Bank einzuzahlen. Alles gut ausgeschildert und eigentlich kennt man sich aufs Erste gleich aus. Dennoch, paar mal Nachfragen musste ich schon was ich jetzt alles trotzdem ausfüllen muss.


Jedenfalls, nachdem ich wusste wie lange ich in Nepal bleiben möchte, kannte ich auch den Betrag (40 USD), den ich einzuzahlen hatte. Ich hatte 30 Tage genommen statt 90 (dritte Möglichkeit: 15 Tage) obwohl ich 44 Tage bleiben würde. Visa verlängern in Pokhara sei nämlich sehr einfach und flott und dorthin müsste ich sowieso. Also habe ich gut 60 USD gespart, die ich dann viel lieber für Mahlzeiten ausgegeben habe.

Mit einem Zettel, dass ich 40 USD eingezahlt habe, ging ich weiter zur „Grenze“. Eeeeeewig gewartet bis die Grenzbeamten all ihre Gespräche beendeten und Smartphones bei Seite legten und ich dann das Visa im Pass hatte.

Gepäck war unversehrt schon längst da. An einem Taxi-Ticket-Counter gab ich die Adresse meiner vorgebuchten Unterkunft in „Thamel“ an. Bezahlte 700 NPR (Nepalesische Rupien, 5.60 EUR) und erhielt einen Zettel, mit dem ich zu einem X-beliebigen Taxifahrer gehen durfte.

Shui plus die große Tasche mit all meinen Packtaschen drinnen, gingen gerade noch in das Auto. „Wunderbar, klappt alles“ freute ich mich. Ich schmunzelte während der Taxifahrt über eine komplett andere Welt aber doch auf dem gleichen Planeten.

In der Unterkunft angekommen, stellte ich nur das Gepäck im Zimmer ab und ging wieder hinaus. Ein Bier musste es sein! Eine Flasche „Everest“ holte ich mir im Kiosk und ging zurück in die Unterkunft auf die Terrasse. Gut frisch war es am Abend.

November und Dezember gelten wegen den kühleren Temperaturen als Nebensaison wobei die Wetterprognosen genau in diesen Monaten sehr stabil sind und es tagsüber sehr sonnig ist.

Erst hier oben realisierte ich wo ich eigentlich war. In Nepal. Ich schmunzelte und war glücklich. Ich mag solche Wechsel. Das finde ich macht die Welt bunter und interessanter. Abgesehen von den Flugzeug-Abgasen…

Drei Tage habe ich mir gegeben „anzukommen“, Papiere für die Berge zu organisieren und mich soweit wie möglich auf die krassen/unwegsamen Wege vorzubereiten. Für die Umrundung des „Annapurna-Massivs“ brauchte ich eine Genehmigung (ANCAP, 2000 NPR) plus einen „Wanderausweis“ (TIMS, 2000 NPR). Beides holte ich mir eigenständig und völlig unproblematisch mit 2 Passbildern und 2 Kopien vom Reisepass im „Tourist Service Center-Bhrikutimandap“.

Fahrradschachtel, Zelt, Kocher und vieles andere lasse ich in der Unterkunft zurück. Shui bepacke ich sehr „leicht“ und nur mit dem Nötigsten. Das meiste Gepäck ist echt nur der Schlafsack und warme Kleidung.

Am nächsten Tag gings dann endlich los. Erstmal nördlich auf die Straße „F082“ in Richtung Sangla und letztendlich nach „Trishuli Bazar“. Dazwischen bekam ich schon mal einen guten Eindruck was mich so in ca. erwarten würde. Pisten und viiiiel Sand. Auch genannt: „Nepali Powder“. Mein Plan war von Kathmandu über Dorfstraßen, „Straßen“, nach „Besishahar“ zu radeln. Von wo ich dann meine „Annapurna-Runde“ drehen möchte. Viiiiiiel leichter gesagt als getan, wie ich später herausfinde.


Ich bin voller Kräfte und Neugierde. Genieße es „noch“ unter diesen Umständen zu radeln. Obwohl ich am Ende des Tages wie ein Sandmännchen aussehe und völlig müde ankomme.

In Trishuli Bazar finde ich eine sehr nette Unterkunft und auch eine kleine lokale Küche mit sehr leckerem „Dal Bhat“- Reisgericht. Anschließend falle ich sehr angenehm müde ins Bett.

Ab nächsten Tag verfasse ich Kurzberichte an Freunde und Familie, die ich hier 1:1 weitergebe:

Tag 2:

Bruuuuutal!! Also heute dachte ich, ich komme nie an. Sooooo üble Wege. Rauf und RUNTER oft mit nur max. 6kmh!
Is schon deprimierend wenns nach 2 Stunden Kämpfen grad mal 13km und 300hm am Tacho hast. Hahahahaha.
Teils tiefer feiner Sand, eigentlich wie Mehl! Krass. Mein Glück aber: Sehr wenig Verkehr, somit viel weniger aufgewirbelter Staub in der Luft.

In der Früh über hundert mal „Hallo oder Namaste“ zu all den Schulkids gerufen, die am Schulweg waren. Manche mit mir laufend andere bereits von weiten Hallo rufend. 💚
Echt, soo lieb. Sehr nette Stimmung.
Egal wo, die leute sind sehr freundlich, grüßen und lächeln. Arbeiten am Feld, stehen im Geschäft oder liegen vor der Hütte.
Katzen, Hunde, Hühner und Gockel, Schlangen und Eidechsen, Kühe und Ziegen. Alle mit am Weg oder Daneben.
Spektakuläre Reisfelder und Berge. Ich halte zwar Ausschau nach den weißen Gipfeln aber der Dunst und Staub verhindern den Weitblick.
Eigentlich komm ich zum Weitblicken nur dann, wenn ich stoppe um zu rasten, Felgen zu kühlen (werden VERDAMMT heiß vom ständigen bergab bremsen) oder um aufs Handy zu schauen wohin mein Weg geht. Ansonsten bin ich voll fokussiert auf den Weg, damit ich irgendwie durch das Steinfeld komme. Echt echt anspruchsvoll!! Und das 61km und 1550hm lang!! Sprich, ein 61km langer Trail.
Wirklich krasses Pflaster hier. Definitiv falsches Rad für dieses Terrain. Es geht zwar, aber mit einem Fully-MTB könnte man sowohl bergauf als auch bergab ordentlich heizen.
So oder so, ich genieße das Lächeln der Menschen und ihr Interesse. Nach Japan ists zwar ein krasser Wechsel aber treffe hier auf vieles, dass ich irgendwie vermisst habe.

Tag 3:

Nach all der Bumperei mit Durchschnitt von 7kmh, über SteinE, kleinen Wüsten und alles zum Teil mit bis zu 15% Steigungen/Gefällen, bin ich nun eeeendlich am Ausgangsort für meine Himalaya Expedition angekommen. Bin im Ort Besisehir. Hier gibt es feinsten Asphalt, wooohoooo, wie geil!!
Heute früh verzauberten mir die Schulkids mal wieder die Fahrt. Die funkelnden Augen, das schmeichelnde Lächeln und einfach ihre pure wahre Freude, ich war bewusst dankbar. Mit bisschen Akrobatik mit Shui (Fahren am Hinterrad) konnte ich den Kids auch was zurückgeben, denn plötzlich jubelten sie, feuerten mich an um es nochmal und nochmal vorzuzeigen. Und schliesslich hatte ich fast ne ganze Schulklasse an mir. Herrlich!

Ich genieße hier jetzt noch die Wärme, denn ab übermorgen wirds dann frisch! Somit, Wäsche waschen. In meinen Socken, Shirt und Hose hatte ich gefühlt 2kg Salz und 6kg Staub.

Von hier aus sind es ca. 150km und 5000 bis 7000hm (je nachdem wie das Profil ist). Vorerst noch bissi Asphalt, dann wieder Piste und letztendlich nur mehr ein „Weg“.
Auf 3500m Höhe möchte ich zwei bis drei Tage pausieren um mich an die Höhe zu gewöhnen. Dann täglich bissi weiter hinauf. Übernachtungsplätze gibt es genug. Shui läuft prima. Eine treue seele.
Also.. ab morgen in Richtung Manang und schliesslich über den Thorong Pass mit 5416m.

Tag 4, 33km und 1179hm.

Verglichen mit den Pisten der vorherigen Tage, war diese Fahrt einfach. Trotz Bachüberquerungen, Stolpersteinen, Schlamm, Steigungen/Gefällen bis zu 18% uund kurzzeitig verblocktem Weg (etwas größere FELSEN sind abgerutscht). Aaaaber gleich nach 9 km, gabs eine Aussicht, an der man eigentlich eeewig verbleiben hätte können.
Vereinzelt Wanderer habe ich passiert, die auch die Annapurna Runde vor haben. Einen Radfahrer aus Kalkutta hab ich dann auch noch überholt. Er sagte:“Ich dachte ich bin schwer unterwegs aber wenn ich mir dich und dein Gepäck ansehe, fühle ich mich ganz leicht.“ Und lacht laut auf, ich sowieso. Wir unterhalten uns nett und ausgiebig, danach FAHRE ich die Rampe und er schiebt weiter.


Der Weg folgt dem Fluss, der sich paar Jahre durchgefräst hat. Mit jedem Kilometer verengt sich die Schlucht. Ich schaue mittlerweile nicht mehr nach vorne auf die berge sondern senkrecht. Soooooo gewaltig riiiießig überdimensional. WOW!!
Weiterhin sehr sehr freundliche Menschen, total easy und mich anfeuernd.
Also.. das Ganze, mega anspruchsvoll. Jede Sekunde fordernd. Auch beim Stehen denn dann gibts ja diese Ausblicke. Es macht richtig Spass und ich fühle mich am richtigen Ort zur richtigen Zeit zu sein.

Tag 5, 23km und steile 1350hm.

Sitze jetzt in Timang in 2615m Höhe.
Heute hätte ich statt meiner 27 Gänge, eigentlich nur einen davon gebraucht. Zwar den Ersten! Ach, und gutes Schuhwerk zum schieben.
Der Weg an sich bis auf kurze Passagen in einem guten rollbaren Zustand. Aaaaber, die steilen Rampen und dann gleich soo viele hintereinander. Dennoch, es hat Spass gemacht. Ob man es glaubt oder nicht. Es gefällt mir so. Denn, ich hab immer genug Zeit für meine Tagestour. Den Weg hab ich meist nur für mich allein. Aussichten sind stets sehenswert oder einfach nur dramatisch schön. Die ersten Yaks sind mir auch schon entgegen gekommen. Sozusagen, die Traktoren des Himalaya.

Jetzt in der hübschen Unterkunft. Das Licht flackert, es riecht nach Feuer, 11 Grad, absolute Stille. Rundherum alles aus Holz und Stein. Ganz nach meinem Geschmack.

Trotz GROOßEM Hunger, bin ich für kurze Augenblicke einfach nicht zum Essen bereit bzw. fähig. Der Herr Manaslu (8163m) zeigt sich immer wieder von der reizvollen Seite und ich beschenke ihn mit meiner vollen Aufmerksamkeit.

Tag 6. 25km und 954hm.

Der erste Tag seit Kathmandu, an dem ich viel durchgehend fahren konnte. Der Weg war heute zunehmend besser und die Rampen zwar knackig aber kürzer als gestern. Viele Wandersleut hab ich passiert. Auch Miro und Lenka, beide aus Tschechien. Hatte sie bereits am ersten Tag kennengelernt, als sie darauf warteten, dass der Weg freigeschaufelt wird und der Jeep weiterfahren kann. Ich bin da über die Verschüttung geklettert und konnte weiterfahren. Gehört ja auch zum MOUNTAIN biken nich?

Mira und Lenka mussten aber leider bereits heute abbrechen und sind wieder runter. Wir möchten uns in Tschechien treffen.

Der Weg führte mich hinauf auf 3214m Höhe nach „lower Pisang“. Es is tatsächlich kühler hier oben. Max 11 Grad. Bin gespannt wie die Nacht wird. Nächtige heut wieder in einem kuscheligen Stein-Holz-Zimmerchen.
Nichts desto trotz, die Landschaften, Leute!!!, steil, massiv, weiss und gigantisch. Die Dörfchen am Weg, vom Klima gezeichnet.
Genau mein Ding hier. Kurze Hose geht aber noch zum radeln.

Morgen gehts nach Manang auf 3500m.
Ich lausche meinem Körper, wie er tut mit der Höhe. Habe genug Zeit mitgebracht für mein Abenteuer um viele Atemzüge zu genießen.

Tag 7, 17.5 km und 460hm.

Sooooo viel schön, dass ich kaum vorwärts gekommen bin heut. Gleich in der früh, nach der eiskalten Nacht aber im wohlig warmen Betti, fing das Beauty-Szenario an. Wolkenfreier Himmel schenkte eeetliche Fernblicke auf die Giganten.
Zahlreiche Wandersleut hab ich heut passiert, wobei es mehr ein Zirkel-Meeting war, denn als ich sie überholte MUSSTE ich auch schon sehr bald stehen bleiben, um zu schauen und aufzunehmen.

Sprich, die die ich gleich in der Früh getroffen hab, traf ich dann gegen Schluss wieder.
Aber darum geht’s ja…deswegen kommt man ja hier hoch. Um zu schauen. In sich aufnehmen. Atmen. Spüren. Sein. Leben.

Bei manchen Stopps war ich wie gefesselt von der Aussicht. Ich KONNTE einfach nicht weiter. Es wirkte wie ein Grosses Puzzel. Ein blick dorthin, zweiter blick dorthin, dritter, vierter ergeben ein Bild das mich in so ne art Ohnmacht versetzte.
Irgendwann bin ich dann doch noch in Manang angekommen. Yaks, Pferde, Ziegen, tibetische Häuser, Gebetsflaggen, ach…. ich war angekommen.
Da ich vor habe hier mindestens für zwei Nächte zu bleiben, habe ich mir eine Unterkunft bei einer Familie gefunden, ein Homestay sozusagen. Etwas näher zu dem lieben Volk wollte ich sein.


Wenns nicht soo knackig frisch in der Nacht wäre, würde ich auf dem Dach übernachten. Umringt von den hübschen Großen.
Ach,… mir fehlen die Worte all dies zu beschreiben. Ein Wunderwerk der Natur. Es gilt: unbedingt mit viel Zeit und Herz hierher zu kommen.
Um kurz vor vier am Nachmittag verschwindet die Sonne hinter den Gipfeln und sofort aber auch keine Sekunde später ists eisig. In diesem Sinne schenke ich besonders Dankbarkeit an die Sonne und ihre Wärme.

Tag 8:

Sonne. Wärme. Aussichten. Gutes essen. Sehr liebe Mitmenschen. Ganz besonders viel Zeit gehabt für mein Lieblingshobby: das Leben beobachten.

Tag 9, 13km und 1200hm und das zu FUß.

Einmal zum „IceLake“ bitte (4640m). Das beste Höhentraining ist: einmal gut hoch und zum Schlafen wieder runter. Da bietet sich die Wanderung gerade richtig an.
Nach einem leckeren Frühstück, das mir meine Gastgeberin „Sonita“ gezaubert hat (Apfel-Ffannkuchen) ging es los. Zum Ausgangspunkt nach Barka(2km) fahr ich mit Shui. Oooops, teilweise sind die Wege vereist. Das hatte ich schon lange nicht mehr. Ich schmunzel.


In einer Unterkunft parke ich Shui und schon gehts los. Nur mit meinem Rucksack gehts hinauf. Ich fühle mich top fit. Bleibe ich im normalen tempo, geht es richtig flott hinauf. Doch dann!!! Die Ausblicke!! Und schon wieder bin ich gefangen und komme nur schleppend voran. Werde sogar überholt und ich bin grad mal ne halbe Stunde unterwegs.

Stück für Stück gehts weiter. Echt nich schneller. Hinzu kommen auch noch riiiiießige Geier, fast schon wie ein Condor so groß. Und wieder bin ich verzaubert und staune mit weit geöffnetem Mund und großen Kinderaugen. Sie nutzen die Thermik und gleiten so durch die Luft. Sie schweben geschätzte 4 Meter über mir und hinterlassen ein leicht pfeifendes Geräusch. Ein tssssssss.
Iiiiiiirgendwann komm ich dann doch beim See raus. Teils gefroren. Aussicht: ‼meega!!
Kleines Picknick auf 4640m. Temperatur geschätzt 24 grad (dank der Sonne)
Am Weg nach unten hab ich nen guten Run. An den steilen Stücken, lauf ich mit Minischritten und komm so sehr schnell hinunter. Unterwegs treffe ich eine Dame mit einem fully MTB, dass sie zum See hinaufschiebt. Sofort spüre ich ihn mir neid. Der gesamte weg nämlich ist ein absolut geiler Singletrail. ich stehe neben ihr und teile ihr mit, dass ich liebend gerne da jetzt hinunter fahren wollen würde. Sie schmunzelt und antwortet, dass ich der erste bin, der sie für nicht verrückt hält.
Wir trennen uns und ab jetzt lauf ich den Weg in meinen Minischritten und meine Hände halten den imaginären Lenker meines MTBs. Ich stelle mir mit halber Gänsehaut vor, wie toll das jetzt wäre. Ich nehme die Kurven so, wie ich sie auch fahren würde. An manchen stellen, versetzte ich sogar das „Hinterrad“.
Hinter mir staubt es jetzt schön. Es macht mir viel spass.


Wieder unten: nich schlecht, nur knapp über einer Stunde hab ich hinunter gebraucht.
Mit Shui fahr ich zurück nach Manang. Ich spüre eine wohltuende Müdigkeit. Am Feuerplatz in der Küche von Sonita, ists gemütlich warm. Sie kocht bereits das Abendessen. Thukpa(„Nudel-Teig-Gericht“ mit Kartoffeln und anderem Gemüse plus Yak Fleisch). Ideal! Wohlig warm von Innen und Außen.
Schon recht bald überströmt mich die Müdigkeit und ich schlafe mit den Sternen und den weißen Gipfeln neben mir ein.

Tag 10.

Nur kurze Distanzen für heute. Eigentlich wollte ich bereits ein Stück weiter und höher fahren. Aaaber, alles kam anders. Erstens, Sonitas Herzlichkeit. Zweitens, Sonitas Steinhaus mit Lehmterasse. Drittens, der Ausblick, die Ruhe und Frieden. Ich KONNTE einfach noch nicht weiter. Also blieb ich. Auf der Terrasse, nach dem leckerschmecker Apfel-Pfannkuchen.
Zum Vögel beobachten, die im Wind nur ihre Flügel auszubreiten brauchen um in die Höhe zu kommen. Dann, das Flattern der Gebetsfahnen… oooh man!! Ach, und viertens, meine beine Schmerzen bissi nach dem downhill run gestern. Hahahaha.


So, also verbrachte ich die meiste zeit des Tages tatsächlich auf der Terrasse und beobachtete, die Berge, Mitmenschen auf deren Terrassen, weiter weg Wandersleut auf deren Wegen. Hörte dem Flattern der Fahnen und dem Krachen des Gletschers zu. Den Yaks beim muuuhn und den Vögeln bei ihren krassen Flugmanövern. Der Holz-und Yakdunk-Geruch aus den Kaminen untermalte dieses Spektakel. Wirklich wirklich (ent-)spannend. Sozusagen pay TV plus in 4D und in 4K nur kostenfrei, außer die Mühen hier hoch zu kommen.
Sonita brachte zustätzlich eine Kanne mit frischem Buttertee hinauf. Kalorienmäßig wie Popcorn im Kino.

Die Sonne tat ihr bestes. Lecker blauer Himmel und die weißen Gipfel zum Abschlecken . Also echt, ich bekomm nicht genug von denen. HIMALAYA.
Und jetzt, am frühen Abend, nach dem leckeren Abendessen, das Sonita mal wieder auf ihrem Multi-Holzofen gezaubert hat (Dal Bhat=Linsen mit Kartoffeln und Reis) sitze ich wo? Genau… auf der Terrasse! Eingemurmelt in meinem Schlafsack bei minus sonstwas.

Es riecht aus den vielen kleinen Kaminen nach Holz und Yakdunk. DIE weißen hüte der Giganten leuchten richtig vor mir. Dunkler blauer himmel. Der Mond wirkt wie ein mega fernstrahler mit Duracell Batterien. Never stops to shine.


Jedes mal, aber auch jedes mal wenn ich sie anschaue, sehe ich sie wie zum ersten mal. Immer wieder höre ich mich sagen: „Wahnsinn, sooo schön“ oder „uuuuunglaublich“. Und während ich das so vor mir hin murmel, glitzern meine augen förmlich oder sind es die Eiskristalle in der Luft?
Im Panorama-Holzzimmer bereite ich alles für die eisige Nacht vor. Schlafsack plus Wolldecke. Handy, Kamera-Akkus sowie Stirnlampe kommen unter meine Decke.
Meine wohlige Mähne am Kopf leistet bei diesen Temperaturen tatsächlich hervorragende Isolation.
Also dann mal: guads warms nächtle.

Tag 11, 17km und 715hm.

Tag 11 bleibt besonders in Erinnerung! Warum? Weils einfach nur super krass war. Nichts für schwache Nerven! Teilweise nur ein 17cm breiter „Weg“ und links gings ab. Na servus!! Jetzt, im „Tilicho base camp“ auf 4195m im Meerbettzimmer. Große Portion „Dal bhat“ verputzt nach dieser körperlichen und geistigen Anstrengung. Hab bestimmt etliche Kalorien verbrannt nur vom Staunen über die krassen dramatischen Ausblicke. Erst recht als ich plötzlich mitten drin war. Was half, Kopf ausschalten, Instinkte einschalten und durch. Höchst konzentriert, voll im Fokus oder unter Bikern: voll im flow „schob“ ich diese Passagen. Mit viel Gepäck und meinen Reifen: to much risk!
Ein kleiner Fehler oder ein Stein gibt nach… zack!
Auf der einen Seite ist es wirklich wirklich atemberaubend. Ich fühlte mich tiefgründig lebendig. Auf der anderen Seite überlegte ich schon ob das nicht bissi zu krass ist. Schob aber weiter denn die sichere Stelle war bereits zu sehen. Phuuuu.
Die entegengenkommenden Wandersleut meinten: you have a brave heart 💚. Für mich persönlich interessant ist, dass sobald ich diese Stellen passiert hatte, es für mich einfach weiterging. Die Stellen waren jetz Vergangenheit. Voller Fokus auf das Jetzt.

Bei der ganzen Schieberei auf dem engen Untergrund bergab und bergauf habe ich mir immer wieder das Pedal ins Bein gerammt. Autsch! Dennoch, diese dramatischen Ausblicke, das ganze wilde Szenario, waaaaahnsinn!!! Steigungen bis zu 30 Prozent auf losem Untergrund. Enge Kurven. Rauf und runter. Echt krasses Terrain! Da hilft nich mal mehr das mentale Hinterrad versetzen.


Missen möchte ich diese Erfahrung nicht. Zum größten Teil war das alles so nach meinem Geschmack. Paar Passagen waren auch voll fahrbar und so richtig richtig geil das mit Shui zu erfahren. Morgen geht es hinauf zum „tilicho lake“ auf gute fünftausend Meter.


Mit der Höhe tu ich mich echt gut. Leistung is voll da nur eben nicht kontinuierlich, da es das Terrain nicht zulässt. Kurz wo pushen dann tief atmen und pausieren. Die Regenerierung geht aber recht flott. Dank an die 3000 Trainingskilometer in Japan.

Die Krönung des Tages is mal wieder die Nacht. Also nicht das Mehrbettzimmer,wobei… da gehts auch voll ab, sondern der Anblick auf die strahlend weißen Riesen plus 33521 Sterne. Ich lag eigentlich schon warm eingekuschelt im Betti, doch einmal aus dem Fenster schauen bewirkte einen automatischen Bewegungsmechanismus in mir. Also warm anziehen, Kamera und Stativ zur hand und schon war ich draußen im Kino.

Während die Kamera Licht einfing, folgte ich visuell dem Grat der Berge und stellte mir vor, wie toll das wäre jetzt diesem entlang zu laufen. Dank Fernlicht des Mondes hätte man eh den „Weg“ gesehen.

Tag 12, 17km 430hm pluuuus 11km und 900hm wandern!

Also, einmal im Ferienlager.. ich meine im „Tilicho base camp“ im Mehrbettzimmer, waren die leut schon soooo früh auf (4 Uhr), dass es nur schwer möglich war weiterzuschlafen. Also entschied ich mich gegen meinen Wunsch um 8 Uhr(wo es bereits Plus grade hat) zu starten und marschierte bereits um 6:30 Uhr los. Eiseskalt mit sehr schönem Licht. Es ging echt gut hinauf auf knapp 5000m zum See. Oben angekommen präsentierte sich dieser umringt von den Bergen in allen möglichen braun- und weiß-tönen. Besonders die krachenden Gletscher hatten meine Aufmerksamkeit. Nach bissi Zeit begab ich mich wieder bergab. Teilweise in MTB-Haltung und flottem Laufschritt. Der Plan war nämlich, den jungen Tag noch zu nutzen und zumindest das gefährliche Stück (das ich am Vortag überlebt hatte) zu schaffen. Ja, es war eine Sackgasse. Eine Abenteuerliche. Diese galt es jetzt zurückzuschieben aber auch zu biken, wie es sich herausstellte. Richtig richtig tolles biken. Kaum Hindernisse. Guter satter Boden. Zum dahingleiten,echt!

Moment, den Abhang/Abgang rechts nicht vergessen. Ansonsten gleitet man tatsächlich.
Geschafft! Bzw. überlebt! Ich war wieder im „sicheren“ Gefilde. Ab da, ooooooh man. Sooooo geile Trails. Ich kam mir vor wie in einem Pumptrack. Jede Kurve schön mit Technik gefahren, wie es mir mein Max beigebracht hat. Echt, souveräääään im Flow durch buschiges Terrain auf festem Boden.

So, aber bitte, bitte das Gipfel-Spektakel sich jetzt mit vorstellen, denn das hob meine Euphorie schon fast auf maximum!! Und gehört eben dazu. In „Old Khangsar“ angekommen (nur mehr Ruinen vom ehemaligen Dorf) durfte ich den nächsten Teil des lecker Trails erspähen.

Keine Pause, gleich weiter wollte ich. Angezogen von dieser Energie, die in mir frei wird, wenn ich das zusammen mit Shui erlebe und das auf einer Höhe von krassen 4000METERn.
In einem stetigen up and down und engen left and right rollte ich durch diesen buschigen „natur- trailpark“.
Oooooh man!!!!!!!!!!! So ein gutes Gefühl! Galt es mal wieder für kurz ne Rampe hochzupushen, fehlte mir der Atem. Diese Pausen nutzte ich zum Anblick auf das Himalmassiv. Ansonsten voller Fokus auf den dichten Weg. Mit dem breiten gepäck am Heck, ne Nummer extra attention!
Tja und dann!!! Ich folgte ja schon seit geraumer Zeit den schildern „yak kharka“ und als ich letztendlich am Knackpunkt stand(Panorama blick auf, du weißt schon,mega schöne Berg- und Tal-Kulisse), war ich mir nich sicher ob ich mich freuen oder sorgen soll, denn der Einstieg war verdammt steil bergab in sehr engen kurzen Serpentinen. Laut meiner Karte hat das bissi anders ausgesehen und ich war voller Vorfreude auf „350-Tiefenmeter- trail-„fahren“.
„Also gut“, sag ich zu mir: „Ganz ganz langsam“. Es gelingt mir nur, wenn ich mit dem Vorderrad in die sandige rutschige Steilkurve hineinrolle und das Heck „nachhebe“. Ich sags ja doch ständig: Hinterrad versetzen!
Gut, den Wirrwarr aus den Kurven meister ich irgendwie rutschend und gehend, auch wenn das Gewicht von Shui (18kg) plus Gepäck und Wasser (ca.15kg) eigentlich die senkrechte „Abkürzung“ nach unten nehmen möchte.
Ich erreiche schließlich die Stelle, von der es möglich ist auf Shui zu steigen und mittels Körperverlagerung und permanenten Bremsen sich irgendwie aber total tricky nach unten zu rollen. Sooo geil!!! Waaaahnsinn! Eine meiner schönsten Trailerfahrungen ever! Und das mit halbgefüllten Strassenreifen und Felgenbremsen.

Unten bin ich überwältigt von der Euphorie. Ich überquere eine Hängebrücke.
Steil bergauf geht es weiter durch ein enges Busch-und Steingefilde. Meine Kräfte schwinden allmählich. Es sind zum Glück nur mehr 2 km bis zum Dorf „Yak Kharka“ auf 4050m.
Wieder am Hauptweg Richtung „Thorung Pass 5416m“(mein Ziel) kann man wieder richtig richtig gut Biken. Eine Erlösung von den Qualen bergauf. Den einzelnen Steinen weiche ich mit einem leichten Hüftschwung aus.
Dann, bei nur mehr 4 Grad zeigt der Tacho, ich voller Staub, mit aufgekratzten Beinen von Pedal und Büschen, leichten Kopfschmerzen und einem riiiiießen Kohldampf, erreiche ich das Dorf. Nehme mir ein Holzzimmerchen, eigentlich ists ne kleine pinke Holzhütte, dusche warm und bestelle eine riiiiiiießen Portion „Dal Bhat“.
Mir fallen regelrecht die Augen zu.
Kurz noch reflektiere ich den Tag und kann es einfach nicht glauben wo ich da heute überall runter gefahren bin.

Tag 13, 0km und 0hm.

Ruhetag in „Yak Kharka“ auf 4050m. Gestriger Abenteuertag steckt mir sozusagen im Körper. Nach dem Abendessen fingen die Kopfschmerzen an. Hämmernder Kopf noch lange als ich bereits im warmen Betti lieg. Dank einer Pille kann ich zumindest einschlafen und bis Mitternacht durchschlafen. Dann, nicht der Hammer, sondern ein Yak mit Glocke am Halsband, der umher tingelt. Man hört nichts anderes außer der Glocke. 4!!! Viermal in der Stunde stehe ich auf, verlasse mein warmes Nest und verscheuche ihn in Unterhose auf ein Neues, bis er sich letztendlich ein anderes Plätzchen gefunden hat.
Ich schaue auf meinen Tacho: Minus 1 im Zimmer. Dank meiner Mähne im Gesicht und erst recht am Kopf, Schlafsack und Decke ist mir wohlig warm.
Die Pille hält noch bis in die Früh, so dass ich guten Schlaf finde. Um 6 werde ich von startenden Wanderern geweckt, die eine Etappe weiter hinauf gehen.
Erst um 8 verlasse ich meine hütte und habe Frühstück, mit der Hoffnung, dass der zurück in die Schublade geht. Nach dem guten Müsli in der Sonne, lege ich mich nochmal hin. Die Sonne wärmt die rosa Hütte ordentlich auf. Als ich um 11 aufwache, ist der Hammer dort wo er hingehört und ich erleichtert. Geniesse anschließend den Tag mit Wärme und Ruhe. Bestelle mir leckere Kartoffeln mit Gemüse, diese schenken mir Kraft und wohlige Wärme von Innen. Richtig gut fühle ich mich wieder. Aber nach wie vor mit Respekt vor der Höhe.
Morgen möchte ich eine Etappe weiter und höher. Komme somit den 5000 Metern näher.

Ich staune, unglaublich wieviel leben hier oben umher tingelt. Pferde. Yaks. Hunde. Menschen. Vögelschen.
Alle zusammen, und alle freuen sich über Wärme und Nahrung.

Bereits um 15 Uhr liegt das Dörfchen im Schatten der Berge. Ruckzuck wirds eisig. Echt Augen öffnend, wieviel Energie die Sonne schenkt.
Zum Abschluss des Tages geniesse ich ein weiteres Kartoffel Kraftmahl und eine Knoblauchsuppe (bewirkt angeblich Wunder) eher ich mich in meine rosa Hütte begebe.

Tag 14, 7,2 km und 500hm.

Liebe Grüße aus dem „Thorong Base Camp- Thorong Pedi“ auf 4540m.
Heut war es nur ein kurzes Stück zum Fahren bzw. Schieben und Heben. Ein Viertel der Strecke hab ich geschoben. Entweder weil es super steil war, Stufen zu überwinden waren oder sehr enge Serpentinen einfach unfahrbar steil bergauf gingen.
Kurz vor Zwölf kam ich im Base Camp an. Bezog wieder ein Holz-Stein Zimmerchen und bestellte mal wieder Dal Bhat 😛 als Mittagessen. Mit der Höhe geht es ganz gut.

Die meisten Wandersleut, die Heut am gleichen Punkt gestartet sind wie ich, gingen nach dem Mittagessen noch ein Stück hinauf zum „High Camp“ auf 4800m.
Ich halte mich an die Regel, 500hm am Tag und genieße reichlich die Wärme der Sonne. Unterhalte mich ausgiebig mit einem Chinesen und zwei Australiern.
Es ist kaum was los hier. Die meisten, sind schon weiter. Eine angenehme Ruhe hier oben. Die sonne verleiht eine willkommene Entspannung.

Morgen geht es hinauf zum „High Camp“ auf 4800m. Je nachdem wie ich mich nach dem krassen Schiebeanstieg von ca.300hm auf 1,2 km fühle, entscheide ich ob ich weiter tue und den pass 5416m bezwinge und ca 1600hm auf der anderen Seite hinunterFAHRE oder im High Camp bleibe.
Jedenfalls aber, werde ich gleich in der Früh die Pedale abmontieren und so meine Beine hinauf schonen. Hatte sich heute bereits bewährt. Viel mehr Spielraum beim Schieben und keinerlei unnötiger Schmerzen auf den Wunden. Check!

Punkt 15 Uhr is auch hier die Sonne hinterm Berg. Zeit zum Kuscheln.
Oder ideal für ein Rätsel: ich radel hier im Himalaya mit 27 Gängen. Wieviele brauche ich davon tatsächlich?
Nachdem das Rätsel gelöst ist, gibts mal wieder einen Sternenhimmel deluxe. Mit ALLEM an was ich mithabe, gehts eigentlich ganz gut, das Gefunkel zu genießen und in die Weeeeite Ferne zu schauen.

Tag 15, 1,4km und 300hm.

Gut, dass ich mir den anspruchsvollen Aufstieg härter vorgestellt hatte. Denn, lässt man sich Zeit und hält seine Durchschnaufs-Pausen ein, geht es eigentlich ganz gut. Trotzdem wars technisch mitn Rad, krass und hart, steil, rutschig und exposant. Aber wie gesagt… mit genug Zeit und treue zu sich selbst gings ganz gut.


Nach ca. zwei Stunden war ich oben. Möglich wäre es gewesen, die Passüberquerung gleich im Anschluss zu bewältigen. Kopf, Lunge und Beine im Top Zustand. Wären da nicht die Gipfel zum greifen nah. Im „High Camp“ angekommen (4800m), hatte ich keinen Moment mit der Entscheidung gezögert, hier oben zu bleiben. Diese Nacht teile ich das Zimmer mit 2 anderen. Soll die kälteste aller Nächte werden. Gruppenkuscheln wäre angesagt.
Naja…nachdem ich das Stein Zimmerchen bezogen hatte, zogen mich die Gipfel magisch an. Ein kurzer steiler Aufstieg (ca.70hm)zu einem PANORAMA-Aussichtspunkt, an dem man laaaaaaange verweilen könnte (wäre da nicht die Kälte). Krachende Gletscher, in der Luft spielende Vögel mit richtig krassen Manövern und natürlich die Aussicht an sich. Waaaahnsinn.
Hier oben treffe ich meinen lieben chinesischen Wanderer. Gegenseitig fotografieren wir uns und genießen in Ruhe das Augen-und Seelengeschenk.
Zurück in der Hütte, bestellen wir uns das Nepal Kraftessen Dal Bhat. Hier treffe ich auch den indischen Radler „ADC“ wieder. Also zu dritt sitzen wir am Tisch mit Panoraaaama und stärken uns mit dem Mahl.
Noch laaange unterhalten wir uns und lachen in der Runde. Weitere Wanderer treffen mit jeder Stunde in die Hütte. Es entsteht schon ein Wirtshaus Feeling auf 4800m.
Ich hab genug vom Getummel und steig nochmal zum Aussichtspunkt hinauf. Genieße und respektiere die Ruhe, die die Berge schenken. Anderes Licht, andere Geräusche und viiiiel kälter als zu Mittag.
Ich steig nach einer weile wieder ab, die Masse hat sich bereits in nur einen Raum verzogen(dort wird nämlich geheizt🔥). Der Ofen wird fast umschlungen. Mein lieber chinesischer Herr genießt die Ruhe im nicht beheizten aber doch auch warmen Raum. Ich geselle mich zu ihm. Anfangs tauschen wir uns über unsere Reiseerlebnisse aus, dann recht lange über China und die Schönheiten des Landes. Recht lustig wird es. Ein Genuss hier oben herzhaft zu Lachen und sich tiefgründig verstanden zu fühlen. Ein zwischenmenschliches Geschenk sozusagen.
Schliesslich ist Abendessen-Zeit. Die zwei Räume duften nach den verschiedensten Leckereien. Mich gustet es wieder nach Dal Bhat.


Morgen schon is also DER Tag! Die Passüberquerung des „Thorong“ mit 5416m. Sprich, 616 hm und ca 4km in one go. Der weg soll einfacher zum gehen sein als der krasse Aufstieg von heute in der Früh.

Das beruhigt mich, denn die Höhe spielt auch eine große Rolle.
Top motiviert und freudig auf den Pass, lasse ich den Abend in Ruhe ausklingen mit Blick auf die Sterne und weißen Gipfel. Gehe dafür ein drittes mal an diesem Tag den Hügel hinauf mit Stirnlampe am Kopf.

Ach, fast vergessen… auf den 1600tm downhill freu ich mich natürlich auch.

Tag 16, 14km 560 hm und 1600 tiefen meter plus erfreulicher Pass-Erfolg des Thorong la mit uuuunglaublich hohen 5416m!!

Jetzt sitz ich da, auf der Terasse des „Bob Marley“ Gästehauses mit wunderschöner Aussicht auf den Dhaulagiri Gipfel (mit 8167m der siebthöchste Berg der Welt). Gehe den „Pass“ Tag immer wieder nochmal nach. Ich kann es nämlich nicht ganz glauben(eine große innere Freude überschüttet mein Gemüt), dass ich tatsächlich sooooo hoch mit Shui gekommen bin und 1600 tiefenmeter zu 99 Prozent gefahren bin.
Ziemlich spät, um 730 Uhr, startete ich meine Passüberquerung als einer der Letzten. Die meisten sind bereits zwischen 4 und 5 los. In Eiseskälte und Dunkelheit.
Mir war nach Sonne und „Wärme“ plus Aussichten.
Fast genau 4km und ca. 560hm ging es schiebend hinauf. Ich fühlte mich großartig. Stoppte immer wieder um das JETZT zu genießen und natürlich durchzuatmen. Heeeeerrlich, echt!!
Als es dann flacher geworden ist, schraubte ich die Pedale wieder an und radelte zum Pass Thorong auf über 5400m‼
Wie es sich anfühlte? Großartig und gleichzeitig erleichternd.


Mein indischer Radler-Freund „ADC“ kam kurz später nach. Wir verewigten uns zusammen auf einem Foto und beglückwünschten uns gegenseitig.
Trotz Sonnenschein war es nicht wirklich warm. Auch bissi ein Wind lud nicht wirklich für einen längeren Aufenthalt ein. Ich zog meine Winddicht-Sachen an und dicke Handschuhe. Bepackte Shui für die meeega Abfahrt, sprich Gewicht in die Taschen gleichmäßig verteilen und den Packsack/Rucksack so gut wie leer und somit leicht, quer drüber zu befestigen.
Bevor ich losfuhr, checkte ich Bremsen und Gepäck. Vereinbarte mit ADC, dass wir uns unten in „Muktinath“ treffen.
Und los! 1600 Tiefenmeter auf ca 10km.


Uuuuuuuuuuuuuuuuuuuunglaublich schön, geil, herausfordernd, anstrengend und einfach super super schön. Immer wieder musste ich halten. Felgen abkühlen, Finger wärmen und entspannen, Hände und Arme ausschütteln, Panorama genießen, nächsten Meter begutachten und bei jedem Halt sagen: „Waahnsinn, sooo geil!“
Der Weg runter war wirklich wirklich tricky. Körperarbeit pur. Gewichtsverlagerung, Bremsensteuerung, Vorschauen und Linie suchen. Es machte mir soooooo vui Spass!!!
Teils rutschig, teils fester Boden. Teils ausgesetzte enge steile Kurven, teils großzügige super tolle zum Speed-fahren. Verwinkelte superflow Abschnitte.
A MTB-Traum, echt!!
Es dauerte und dauerte bis ich unten war. Unterwegs verabschiedete sich auch mein vorderer Schutzblech. Wer braucht denn schon einen?
Und schließlich kam ich an. Muktinath auf 3800m. Eingefärbt wie ein Sandmännchen. Üüüüberglücklich, erleichtert, freudig, heile und im ganzen diese mega Strecke mitn Shui gemeistert zu haben. Ich muss zugeben, ich lobte Shui und mich selbst.
Wie wäre das nur mit meinem MTB? Wooohoooo!
Nicht auszudenken. Eine Himmelfahrt‼
Später kam mein indischer und chinesischer freund nach. Auch sie sichtlich erleichtert und freudig.
Mit einer Stunde länger Sonnenschein, eher der Dhaulagiri die Sonne für sich nimmt, ist es einfach nur herrlich relaxend die Berge anzuschauen.
Punkt 17uhr wird ein großes Feuer im Gemeinschaftszimmer entfacht. Welch eine Gemütlichkeit mit guten Seelen und der Wärme des Feuers.
Noch lange unterhalten wir uns mit dem Feuerknister und orange-gefärbten warmen Gesichtern, gespiegelt vom Feuer.
Irgendwann war dann Betti-Zeit. Liegend in meinem warmen Nest, hatte ich noch immer Passagen des Trails in meinem Kopf, wo ich über mich hinaus gewachsen bin. A Traum von Tag und das obwohl ich absolut bewusst wach war.

Tag 17, 0 km und 0 hm.

Regenerationstag oder besser gesagt, ein Tag zum Wohlfühlen und Entspannen.
Das ideale Plätzchen: „Bob Marley“-Gästehaus-Terasse bei Sonnenschein, blick auf den Dhaulagiri plus Chillout Musik.


Nach dem Frühstück gingen ADC und ich auf einen Spaziergang und Tempelbesuch. Er erklärte mir paar hinduistische Einzelheiten eher er seinen Tempelbesuch zelebrierte. Alleine ging ich in der Gegend des Dörfchens weiter, bis ich mich dazu entschied auf die Terasse zu gehen und bis die Sonne weg ist, dort auch zu verweilen. Mittags gab es gegrilltes Gemüse.
ADC kam später nach und so genossen wir den Sonnentag mit Ideen sammeln und Pläne schmieden für die nahe Zukunft. Rad-Abenteuer natürlich.
Punkt 17 Uhr wurde wieder ein großes Feuer im Gemeinschaftsraum angezündet. Alle Gäste umrundeten in wenigen Minuten die Feuerstelle. Die meisten blieben aus gleichem Grund wie ADC und ich in dem Gästehaus für eine zweite Nacht.
Somit kannte man sich bereits beim Namen und von dem einen oder anderen auch andere Details. Es wirkte schon fast familiär.

Eine sehr innige Stimmung. Alle sichtlich genießend. Selbstverständlich wurde direkt am Feuer gegessen und getrunken, gequatscht und zu den Songs mitgesungen.
Echt,… ein sehr harmonischer Abend. Menschen aus Kroatien, USA, Chile, Uruguay, Dänemark, Indien, Deutschland, Frankreich und Nepal. Friedlich zusammen in Harmonie mit Dankbarkeit für Wärme und die gelungene Passüberquerung.
ADC und ich schmiedeten weiter Pläne und tauschten noch mehr Abenteuer-Erfahrungen aus. In unseren Köpfen waren wir hier und dort. Im Himalaya, in den Anden, Alpen und im Atlas Gebirge. Im Kaukasus und Skandinavien. Island und Mongolei.

Wie schön, wenn man so tiefgründig verbunden ist.
Solche Abende könnten eigentlich eine Eeeeewigkeit dauern… außer man möchte am nächsten Tag wieder fit zum Radfahren sein.

Tag 18, 32km, 400hm und krasse 1400tm, ouh yeah!!

Wäre hätte das gedacht…nach meinem Ruhe-Genuss-Tag in Muktinath auf 3800m, folgte gleich mal ein steiler, enger, sandiger Anstieg auf gute 4100m. Es dauerte und dauerte bis ich „oben“ angekommen war. Ich muss zugeben, ich wäre viel flotter gewesen aber dadurch, dass sich der „Herr Dhaulagiri“ soooo majestätisch präsentiert hatte, konnte ich nicht anders und saugte ihn regelrecht auf. Nach jedem Switchback ein neuer Blickwinkel.
Irgendwann, kam dann die Passhöhe und es ging guuuuut abwärts.
Wie sollte es denn auch sein als sandig, steil, teils ausgesetzt und laaaaaange bergab.
Gute 90 Prozent war es mit Shui fahrbar. Bei den 10 Prozent war das Risiko zu hoch paar hundert Tiefenmeter senkrecht zu fliegen, also schob ich Shui ganz vorsichtig dahin.
Wieder eingehüllt in Staub, kam ich doch gut verbraucht in „Lupra“ raus. Ein klitzekleines hübsches tibetisches Dörfchen in eine Felswand „geklebt“. Dort genoss ich mein leckeres und kraftgebendes Mittagessen. Was denn sonst als mein Nepali Lieblingsmahl: Dal Bhat.

Die meisten Reisenden verfluchen es nach einer Woche, ich dagegen könnte es dreimal am Tag zu mir nehmen. Obwohl es sich immer um eine Menge Reis handelt, variert die Gemüsebeilage von Küche zu Küche.

Also ideal als eine abwechslungsreiche Nahrung voll mit Energie, Ballaststoffen, Vitaminen, Mineralien etc..
Gestärkt und erholt ging es weiter. Aber nicht unbedingt einfacher, trotz keiner Höhen- oder Tiefenmeter.

Das Dörfchen liegt so abgeschieden, das weder Autos noch Motoräder hinfahren können. Wenn, dann nur Motorräder dahin holpern.
Von der „Hauptstraße“ findet man sich einen Weg durch den trockenen Fluss. Sprich auf Steinen hoppelt man von einem zum anderen.
So galt es ca. 3km sich den Weg zu finden. War ich froh als es vorbei war und ich an der „Hauptstraße“ rausgekommen bin.
Tjaaaa, da wartete aber bereits die nächste Überraschung auf mich. Starker GEGENwind plus aufgewühlter Staub für die nächsten 20km.
Oooh man. Ich dachte mir nur: „gut, dass ich schon meine Mittag-kraft-Mahlzeit zu mir genommen habe, denn das wird Kraft kosten.“


Erstmal ging es auf gut rollenden Schotter dahin. Später ein Geholpere und ständiges Ausweichen der Steine und Schlaglöcher. Nach gut 15km machte ich im hübschen tibetischen Dörfchen „Marpha“ halt. Berühmt für all die Apfelbäume vor Ort. Aaaalso: Apfelsaft plus Apfelkuchen Deluxe als Nachmittags Stärkung.


Bei dem starken Wind, war das eine kraftgebende „Pflicht“.
Von Marpha waren es noch harte 6km bis nach „Tukuche“ – Gegen Wind und Staub.
Der Ort, an dem ich meinen indischen Radlerfreund ADC treffen wollte.
Richtig richtig müde und erschöpft holperte ich über die letzten Steine und durch Schlaglöcher in das Dörfchen. Eingestaubt von Kopf bis Fuß, empfang mich ADC, der ebenfalls wie ein Sandmännchen ausgesehen hat, mit seinem sympathischen Lächeln und „Welcome my friend, what a trip, Ouh maaaan.“

Da er etwas anders gefahren ist, war er früher angekommen und reservierte mir ein Zimmer, dass ich auch bald bezog und eine Dusche genoss. Mhmmmmmm. Sooo gut.
Gleich im Anschluss, ein weiteres Stück Apfelkuchen plus Milchtee.

Beide waren wir echt angenehm müde, so dass wir unser Abendessen früher als sonst bestellten und es direkt vor der Feuerstelle zu uns nahmen.

Die Wärme des Feuers und die gute Mahlzeit im Magen, verwandelte uns in schläfrige Gestalten. Sehr bald suchten wir unsere Betten auf… zum Erholen und Stärken, denn der nächste Tag sollte nicht viel anders anspruchsvoll werden.

Tag 19, eeeewige 36km, lächerliche 200hm und reizvolle 1400tm.

Purer Downhill Spass trotz Kälte und nassen Füßen. Das nenn ich mal tollen Downhill: nich zu steil, übersichtlich, aber dennoch fordernd und lang anhaltend.
Von Tukuche nach „Tatopan“ (=heißes Wasser).
Auf die ersten 10 km verteilten sich auch die 200hm. Die eeeigentlich nicht nennenswerte Distanz, hatte es aber voll in sich. Denn, exakt 10 holpernde Kilometer ging es links und rechts durch ein breites – teils trockenes- Flussbett.

Zig Male galt es auch den breiten aber flachen Fluss zu queren, um überhaupt eine Linie „Fahren“ zu können. Die meisten Male gelang es mir mit trockenen Füßen rüber zu kommen. Alle Male bis auf Zweimal.
Somit, eiskalte Füße. Ich wechselte die Socken und Schuhe. Fuhr weiter dem Flussbett entlang. Dann, wieder ins Wasser.


Wieder nasse eiskalte Füße. Dieses mal aber hatte ich die festen Schuhe an und es wurde allmählich erträglicher.
Die große Erleichterung kam dann nach der 10km „Chaos-Flussbett-Fahrt“. Nämlich, 1400tm Downhill vom Feinsten.

Naja, hierbei handelte es sich um die „Hauptstraße“. Es ging richtig zur Sache. Steinen und Schlaglöchern ausweichen, kleine Bäche und Sandhügel durchqueren, geschickte Bremsensteuerung, Körperverlagerung nach vorne, hinten, links und rechts etc.. also mehrere Wochen Techniktraining in einem.
Dann, eine „Straßen“-Blockade. Bauarbeiten. Ich kann jedoch Shui über das ganze Geröll rüberheben und die Fahrt geht weiter.

In exzellenter „Gorillahaltung“ und voll im Superflow ging die Fahrt weiter. Es machte richtig richtig vui Spass!! Obwohl es schon sehr anspruchsvoll war. Unterarme brannten bereits.
Nun ja, von Pause aber keine Rede. Viel zu groß is die Freude.
So, nächste Blockade. Diesmal is aber nichts mit Rüberheben, denn links gehts ab!
Alle warten. Busse, Lkws, Pkws, Motorräder, Fußgänger, Shui und ich. Diese Stelle is dafür bekannt, denn Einheimische kochen provisorisch Mahlzeiten und verkaufen Getränke. Marktlücke.


Ich positioniere mich ganz ganz vorne damit ich gleich vorne Mitfahren kann um den ganzen aufgewirbelten Staub von aaaall den Fahrzeugen nicht einatmen zu müssen, trotz doppeltem Mundhalstuch.
Es gelingt mir als aller erster sich durch zuschleußen. Freie fahrt für mich für lange Zeit. Beim Downhill in diesem Gelände merke ich, ist das Rad Nummer 1.
Richtig vui Spass!!! Keiner kommt mir zu nah oder überholt mich.
Ich muss zugeben, langsam war ich nich unterwegs.
Finally, nach 36km erreiche ich „Tatopani“. Schön warm ist es hier auf 1200m. Über 20 Grad!
Ich checke in dem Gästehaus ein, dass mein lieber chinesischer Herr, meinem indischen Radfreund ADC und mir empfohlen hat. Die „Dhaulagiri Lodge“.
Hier treffe ich beide wieder. Wie schön, echt!!
Nachmittag aber verbringe ich im supertollen „Hotspring“. Guuuuut warm ist es. Perfekte Entspannung für Körper und Geist mit Ausblick auf die Berge.
Schließlich kommt auch ADC an und genießt das Bad mit Freude, Erzählungen und dem sympathischen Lächeln.
Am Abend sitzen wir zusammen, stoßen mit Apfel Brandy an. Lachen, erzählen, träumen, schmieden Ideen und genießen köstliches Essen mit Grillenmusik aus den Büschen. Soooooooooooo schön liebe Menschen um sich zu haben.
Als es spät wird, geht jeder in sein Steinhäuschen mit Freude im herzen, sich kennengelernt zu haben.
Ab dem nächsten Tag geht jeder seinen Weg aber verbunden für ewig.

Tag 20, Eeeeentspannung pur.

Ich bleibe einen Tag in Tatopani. Blicke immer wieder zum Dhaulagiri und genieße tagsüber Temperaturen über 20 Grad. Hat auch was.
Ganz kurze Spaziergänge am Nachmittag dafür langes beobachten der Umwelt. Einerseits freue ich mich hier zu sein, andererseits misse ich die weißen Berge und Ausblicke. Doch es is mir bewusst, dass die Wärme etwas sehr entspannendes hat. Ich fühle es ja.
Uuuund, es is nicht langweilig oder schlecht hier. Anders eben.

Später, schau ich mir Shui mal genauer an und stelle viele Schwächen fest. Hinterrad zerfällt fast. Beiden kleineren Kettenblätter sowie das Ritzelpaket sind durch. Die Kette erst gar nicht zu erwähnen – is müll.
Es kracht und knirscht bei jedem Tritt. Der ganze Staub und feine Schmutz wirkt auf das Material wie Frääääspartikel.

Meine zwei Reisegefährten ADC und XUE, sind heut früh abgereist. Morgen erreiche ich größere Zivilisation und wieder Asphalt. Aber auch Früchte und endlich wieder Roti und Naan (so ne art Fladenbrot). Darauf freu ich mich jetzt schon.

Tag 21, 49km, 620hm, 400tm uuund erstmals wieder ÜBER 30kmh!


Zurück in die Zivilisation. Zurück zu Früchten, Rotis, Lassi (Joghurtgetränk) und normalen Preisen. Asphalt betone ich mal als „halb-angekommen“, denn manchmal is er da und manchmal is er weg.
Nun ja, von Tatopani 21km durch raue anspruchsvolle Piste. Beim Vorbeifahren an einem kleinen Laden erspähe ich so ne Art Krapfen und kann einfach nicht widerstehen und bleibe stehen. Frisch knusprig warm. Göttlich!
Stück weiter treffe ich auf ein Radler-Pärchen aus Argentinien. Sie fahren in entgegengesetzter Richtung. Wir unterhalten uns nett und so lange, bis den beiden recht kalt ist. Mir nicht, hab ja doch meine Mähne. Spass!
Weiter… durch Matsch, Gatsch, Wasser, Sand und Steine bleibt die Kette immer wieder hängen und möchte sich am Kettenblatt mitdrehen. Ooomg! Ich komme mit dem Reinigen kaum nach. Es tut mir weh, Shui mit Schleif-/Reibungsgeräuschen zu hören.

Ich male mir im kopf aus, wie das Material aufgefressen wird.
Bis nach Kathmandu bin ich mir sicher hält das alles locker durch. Erst recht wenns bald auf „Asphalt“ weiter geht und ich alles schön einölen kann, dass dann auch länger als 5min. dran bleibt.
In „Beni“ angekommen (exakt 21km) gibt es wieder Asphalt zu sehen. Sowie Bananen und viele andere Früchte. Mir is eigentlich nur nach Banane.


Anfangs gehts voll gut mit dem beginnenden Verkehr. Wenig los. Somit auch wenig Staub und vor allem: wenig Lärm.
Als ich dann aber auf die Hauptverbindung nach „Pokhara“ komme, nimmt alles zu.


Die wärme is herrlich. Am Tacho stehen 27,8 Grad und es is kurz nach 12. Yeah!!
Ich bleibe an einem hübschen Fleckchen stehen um meine restlichen „Krapfen“ zu essen, den Ausblick auf den Fluss und die Fischer zu genießen und um anschließend den gesamten Antrieb zu reinigen. Da stelle ich fest, dass das gesamte Lager im Ar*** ist. Eine reine Mühle.


Dennoch, es geht weiter. Mit gutem Schuss Öl auf die Kette, hört sich alles kaum mehr schlimm an. Auf den restlichen 15 km treffe ich zwei Damen(beide über 60!) auf beladenen Mountainbikes in entgegengesetzter Richtung, genau wie das Argentinische Pärchen.

Die Damen aber fahren nur die Hälfte und mit dem Bus zurück. Trotzdem, ich find das suuuuper!!
Früh nachmittags komme ich in „Kusma“ an. Suche mir ein Gästehaus. Erlöse mich vom klebenden Schlamm an den Beinen und Gesicht und gehe essen. Mein Lieblingsgericht: „Tandoori roti“ (Fladenbrote aus dem Feuerofen) plus „Shahi Paneer“ (ist eine Zubereitung aus Paneer(Hüttenkäse) in einer dicken Bratensoße aus Sahne, Tomaten und indischen Gewürzen). Dazu ein Bananalassi. Ooooommmmgoood!! Sooo gut. Himmel auf Erden!
Ich lobe die Küche und verlasse sie mit den Worten: „see you later“.
Anschließend mache ich mich auf die Suche nach einem Frisör. Mein „Mullah Bart“ soll ab und die Haare hinten möchte ich kürzer. Schliesslich bin ich ja jetzt im warmen Gefilde.


Ich erhalte zusätzlich eine Gesichts-und Kopfmassage. Also wirklich, so viele Cremes, Lotionen und Öle hat mein Gesicht schon lange nicht gehabt. Erst recht nicht alle auf einmal.
Ich bin voll zufrieden und spaziere weiter durch die Gassen eher ich ins Gästehaus zurückkehre auf einen Kaffee.
Gefällt mir alles hier.


Wie so die Zeit vergeht, sehe ich mich in der Küche von vorhin wieder.
Ich bestelle wieder Rotis. Dazu Linsen in Soße und einen reinen Lassi. Göttlich!
Mit diesem Festmahl, dem neuen feschen Haarschnitt und Wärme rundherum, gehe ich in mein Beton-Zimmerchen und tippe diese Zeilen.
Vorerst die Letzten, denn hier verabschiede ich mich von den täglichen Updates. Den Rest von der Nepal Reise gibt es als Gesamtbericht. Wohl um Weihnachten rum.

Von „Kusma“ fahre ich weiter nach „Sarangkot“. Dort möchte ich zwei Tage verbringen und das grandiose Panorama auf die „Annpurna-Kette“ genießen. Es ist Anfang Dezember, die Tage sind schön warm. Die Nächte knackig kalt.
Dementsprechend finde ich ein großzügiges Zimmerchen mit Balkon und Sicht in die Ferne für geringes Geld. Einen kurzen Spaziergang weiter hinauf ergibt sie DIE Möglichkeit die großen Weißen zu bewundern. Absolut anziehend diese Kolosse.
Der Ruhetag tut gut. Kurze Spaziergänge durch das hochgelegene Dörfchen auf 1530m. Am Folgetag rolle ich gleich nach dem Frühstück hinunter nach Pokhara. Ich muss kaum Treten. Fast 95% nur Bergab.

In Pokhara suche ich mir eine günstige, einfache Unterkunft. Hier möchte ich nur mein Visa verlängern und gleich wieder hinaus. Zu groß ist die einst verschlafene Stadt geworden.

In der Unterkunft erledige ich den ersten Teil der Visaverlängerung online. Alles funktioniert einwandfrei. Für den zweiten Teil, ist es nötig die Behörde aufzusuchen. Unbedingt eine Reisepass-, Visakopie und Bargeld (ca.30USD oder 3350NPR für 15 Tage Verlängerung) mitbringen. Sowie die ausgedruckte Online-Bestätigung. Zur Info: Ausdrucken und Kopieren kann man super easy kurz (ca.300m) vor der Behörde. Es gibt auch kostenloses WLAN und Trinkwasser dort.

Als das alles recht flott erledigt ist, fahre ich mit Shui in das lokale Zentrum der Stadt und mache mich auf die Suche nach meinen geliebten Rotis. Nach bisschen Fragen, werde ich fündig. Ach ich liebe diese Fladen und die Curries. Am Weg zur Unterkunft mache ich noch einen Stopp bei einem Früchte Verkäufer und lasse mir einen superlecker Saft mixen.

Am nächsten Morgen fahre ich gefühlt ewig durch die Stadt in Richtung Osten. Mein Ziel ist ein Homestay in der Nähe des „Begnas See“. Sobald ich von der stark befahrenen Straße abfahre, wirds superschön und interessant. Ich fahre neben einem Umzug und erhalte viel Lächeln. Später, geht es ordentlich bergauf um zum Homestay zu gelangen.

Hier bleibe ich für zwei Nächte. Am freien Tag tue ich nichts anderes als Vögel aus der Hängematte zu beobachten. Anschließend rolle ich weiter über zunächst sehr schöne waldige Pisten und später auf Asphalt/Piste dem Fluss „Madi Nadi“ entlang nach „Damauli„. Hier buche ich mich in eine günstige einfache Unterkunft, gehe Abendessen und falle totmüde ins Bett.

Da nich wirklich Optionen frei stehen irgendwie schön und nich so anspruchsvoll nach Kathmandu zu radeln, entscheide ich mich für ein Bus-Taxi (Mit Rad kostete es ca. 700 NPR=5,6 €) früh am Morgen. Schon vor paar Jahren war ich auf diesem Highway per Anhalter unterwegs und konnte mich an den „Mörder-Verkehr“ erinnern. Jetzt mit Shui brauchte ich das nicht mehr.

Wieder in Kathmandu lies ich mich an einer Kreuzung aussteigen und radelte zu meiner Unterkunft, wo ich mein restliches Reisezeugs „geparkt“ hatte. Hier organisierte ich mich neu und blieb für eine Nacht. Tag später radelte ich bereits weiter nach „Nagarkot“ auf 2195m Höhe!

Hier wollte ich „Urlaub“ machen. Besonders wichtig war es für mich eine tolle Unterkunft zu finden, in der ich mich richtig gut fühlen würde. In der „Alpine Sherpa Lodge“ fand ich es genau so! Wunderbare Aussichten vom Garten aus, eine kleine Hütte nur für mich und eine Seelenruhe! Ach,… und da ich in der Nebensaison unterwegs war, war ich für die meisten Tage der einzige Gast zu günstigem Preis.

Genau 10 Tage verbrachte ich dort. Ganz schön lange für mich um an einem Ort zu bleiben. Jedoch spürte ich keinen einzigen Moment das Gefühl von Langeweile. Ich unternahm kleine schöne Spaziergänge und genoss atemberaubende Ausblicke auf die gigantischen weißen in der Ferne.

Malerische Sonnenuntergänge, kunterbunte Vögel, Wolkenformationen, schöne Menschen und Abends Lagerfeuer in den Gassen. Für paar Tage kamen auch Läti und Delphi. Beide hatte ich in Manang bei Sonita kennengelernt. Via Email blieben wir im Kontakt und verabredeten uns hier her. Sehr schöne Zeit verbrachten wir zusammen.

Irgendwann war auch diese Lebenszeit um. Tiefst erholt radelte ich schließlich für zwei Tage nach Kathmandu zurück in meine Unterkunft in Thamel. Unternahm noch kleine Einkäufe wie Gebetsfahnen für mich und Freunde, eine solarbetriebene Gebetsmühle für mein Toyotahaus 🙂 und natürlich Räucherstäbchen. Verpackte Shui wieder in die Box aus Japan, machte am Vorabend eine Abholzeit mit einem Taxifahrer aus und fuhr schließlich früh morgens zum Flughafen.

Alles verlief reibungslos und sehr nett/freundlich. Eine besondere Zeit verbrachte ich! Wuchs über mich hinaus, lernte inspirierende, liebe und freundliche Menschen kennen. Nehme viiiiiele Eindrücke mit im Herzen!

Jetzt… ab nach Wien. Weihnachten mit Estelle verbringen. Und dann… ja dann gemeinsam noch im alten Jahr nach Kuuuubaaaaaa. 🙂